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Schulabbruch verhindern

Nationale Strategie

In Deutschland gibt es keine flächendeckende Strategie, um dem Abbrechen der Schule oder Ausbildung entgegenzuwirken. Es gibt einzelne Strategien und Aktionspläne. Sie bieten jungen Menschen die Möglichkeit, ihre Schul- beziehungsweise Ausbildung abzuschließen und damit die notwendigen Qualifikationen zu erlangen, um im Arbeitsleben erfolgreich zu sein.

Der Beschluss der Kultusministerkonferenz von 2007 zum Handlungsrahmen zur Reduzierung der Zahl der Schülerinnen und Schüler ohne Schulabschluss, Sicherung der Anschlüsse und Verringerung der Zahl der Ausbildungsabbrecher (PDF, 78,9 KB) definiert strategische Ziele, Handlungsfelder und Maßnahmen, um gegen Schulabbruch vorzugehen.

Die Förderstrategie für leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler von März 2010 ist noch immer gültig. 2013 wurde ein Bericht zum Stand der Umsetzung der Förderstrategie für leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler (PDF, 956 KB) veröffentlicht. Darin wird über folgende Aktivitäten der Länder zur Umsetzung der Förderstrategie berichtet:

  • Im Unterricht individuell fördern und Bildungsstandards sichern,
  • mehr Lernzeit ermöglichen und gezielt unterstützen,
  • Unterricht praxisnah gestalten,
  • Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund stärker fördern, Chancen der Vielfalt nutzen,
  • Hauptschulabschlüsse für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf ermöglichen,
  • geeignete Ganztagsangebote entwickeln und Bildungspartnerschaften stärken,
  • Berufsorientierung professionalisieren sowie Übergänge gestalten und sichern,
  • Lehrerbildung qualitativ weiterentwickeln,
  • Ergebnisse evaluieren und Erfolgsmodelle verbreiten.

Das deutsche Bildungssystem ist von der föderalen Struktur des Landes geprägt. Sofern nicht das Grundgesetz dem Bund die Kompetenz zuweist, sind die Bundesländer zuständig und haben die Entscheidungsgewalt. Informationen gibt es auch unter:

Formale Bildung: Wichtige politische Maßnahmen gegen Schulabbruch

In Deutschland besteht Schulpflicht. Schulen müssen daher dem unentschuldigten Fernbleiben von Schüler(inne)n vom Unterricht nachgehen. Da jedes Bundesland aufgrund der Zuständigkeit der Bundesländer ein eigenes Schulgesetz und jede Schule eine eigene Schulordnung besitzt, gibt es keine allgemeinen Regelungen für den Umgang mit unentschuldigtem Fernbleiben.

  • Bundesebene

    Verschiedene vom Bund geförderte Maßnahmen tragen dazu bei, Ausbildungsabschlüsse zu fördern und Schulabbruch entgegenzuwirken.

    Initiative Bildungsketten

    Laufzeit: 2010-2020
    Bund und Länder haben sich im Rahmen des Bildungsgipfels darauf verständigt, den Anteil der Schulabgänger/innen ohne Abschluss und der ausbildungsfähigen jungen Erwachsenen ohne Berufsabschluss zu halbieren und Ausbildungsabbrüche möglichst zu verhindern. Um dieses Ziel zu erreichen, sollen alle Maßnahmen im Rahmen dieser Initiative gebündelt werden. Erfolgreiche Förderinstrumente werden zu einem ganzheitlichen, bundesweit gültigen und in sich stimmigen Fördersystem zur Berufsorientierung und im Übergangsbereich verzahnt. Ziel ist es, möglichst jedem ausbildungsreifen und ausbildungswilligen jungen Menschen eine betriebliche Berufsausbildung zu ermöglichen. Deshalb beginnt der Berufsorientierungsprozess, der junge Menschen auf eine bewusste Entscheidung für einen Beruf vorbereitet, frühzeitig, individuell und systematisiert. Bei Bedarf erhalten die Jugendlichen intensive Begleitung, damit der Schulabschluss und die Integration in die Arbeitswelt gelingen. Alle Schritte, die die jungen Menschen von der Berufsorientierung bis zur Ausbildung zurücklegen, werden in einem zentralen Gestaltungs- und Begleitinstrument dokumentiert, zum Beispiel im Berufswahlpass, dem meistgenutzten Medium zur Berufsorientierung.

    Siehe auch Youth-Wiki-Kapitel „Beschäftigung und Unternehmertum: Berufsorientierung und -beratung“

    Berufsvorbereitende Maßnahmen

    Berufsvorbereitende Maßnahmen setzen bei der gezielten Berufsorientierung junger Menschen unter 25 Jahren an, ihrer fachlichen und persönlichen Förderung sowie ihrer nachhaltigen beruflichen Ersteingliederung. Zielgruppe sind junge Menschen, die keine Ausbildungsstelle gefunden haben, benachteiligt sind mit oder ohne Schulabschluss und junge Menschen mit einer Behinderung oder mit Migrationshintergrund. Teilnehmende erhalten im Rahmen einer individuellen Eignungsanalyse die Möglichkeit, sich zunächst in der Vielzahl möglicher Berufe zu orientieren und dann eine ganz persönliche Berufswahlentscheidung zu treffen. Bildungsträger bieten den Jugendlichen zudem praktische Qualifizierung in unterschiedlichen Berufsfeldern an. Neben fachlichem Know-how stehen Persönlichkeitsbildung, berufliche Grundfertigkeiten, betriebliche Qualifizierung, Grundlagenqualifizierung in IT- und Medienkompetenz, Sprachförderung und Bewerbungstraining auf dem Programm.

    Mit dem Gesetz zur Neuausrichtung der arbeitsmarktpolitischen Instrumente für junge Menschen und Erwachsene ohne Schulabschluss zum 1. Januar 2009 wurde ein Rechtsanspruch auf Förderung der Vorbereitung auf den nachträglichen Erwerb des Hauptschulabschlusses oder eines gleichwertigen Schulabschlusses eingeführt. Die Kosten der Maßnahmen trägt die Agentur für Arbeit.

    Initiative JUGEND STÄRKEN

    Die Initiative JUGEND STÄRKEN des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) bündelt seit 2009 die Programme der Jugendsozialarbeit unter einem Dach. Ziel ist, junge Menschen mit individuellen Ansätzen am Übergang von der Schule in den Beruf zu begleiten und die Kooperation verschiedener Einrichtungen in diesem Bereich vor Ort zu verbessern. Hierbei steht die Erprobung einer bedarfsgerechten, systematischen Steuerung und Koordinierung von Maßnahmen der Jugendsozialarbeit in Zusammenarbeit mit der Schule und den lokalen Arbeitsmarktakteuren im Fokus.

    Teilprogramme der Initiative sind:

    • JUGEND STÄRKEN im Quartier (Förderung benachteiligter junger Menschen am Übergang von Schule-Beruf in benachteiligten Regionen)
    • Jugendmigrationsdienste (Beratung, Begleitung und Bildung junger Menschen mit Migrationshintergrund)
    • JUGEND STÄRKEN: 1000 Chancen (Unterstützung benachteiligter junger Menschen durch praxisnahe, niedrigschwellige Unterstützungsangebote und Einblicke in die Arbeitswelt in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft)
    • Garantiefonds Hochschule (Unterstützung bei der Aufnahme oder Fortsetzung einer akademischen Laufbahn für junge Spätaussiedler/-innen, Asylberechtigten sowie junge ausländische Flüchtlinge mit einem gesicherten Aufenthaltsstatus).

    Das Fördervolumen beträgt jährlich 52 Mio. Euro Bundesmittel und 25,5 Mio Euro ESF-Mittel.

    Bundesprogramm ‚Elternchance II – Familien früh für Bildung gewinnen‘

    Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) unterstützt mit dem Teilprogramm „Starke Netzwerke Elternbegleitung für geflüchtete Familien“ mit jährlich 3 Mio. Euro bundesweit 50 Standorte. Dort werden von Mai 2017 bis Dezember 2020 lokale Elternbegleitungsnetzwerke gefördert, die neu zugewanderte Familien beim Ankommen und der Integration in den Kommunen unterstützen. Ziel des Programms ist es, neu zugewanderten Familien konkret vor Ort wirksame Unterstützung bei der Integration, insbesondere mit Blick auf die Bildungschancen ihrer Kinder zu geben. Die Netzwerkpartner und die beteiligten Elternbegleiter/-innen sind Brückenbauer zwischen den geflüchteten Familien und den Bildungsinstitutionen in den Kommunen. Sie geben Eltern konkrete Hilfestellung, etwa bei der Beantragung von Kita-Plätzen oder führen beispielsweise Angebote zur Orientierung im Sozialraum für die neu Angekommenen durch.

  • Länderebene

    Thüringen: Programm Erfolg macht Schule

    Laufzeit: 01.07.2016 - 31.07.2019
    Förderung: durch den Freistaat Thüringen (Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds).
    Um Schulentwicklung in Thüringen voranzutreiben und die Schulabbrecherquote zu senken, werden in diesem Programm 20 Thüringer Regel- und Gemeinschaftsschulen individuell beraten und begleitet. Darüber hinaus können sich die Schulen mit anderen Schulen vernetzen, zu bestimmten Themenschwerpunkten an anderen Schulen hospitieren und an speziell zugeschnittenen Fortbildungsveranstaltungen teilnehmen. Ziel ist es Schulen in ihrer Schulentwicklung zu stärken und junge Menschen zu ermutigen, ihren Schulabschluss zu machen.

    Schulsozialarbeit

    Schulsozialarbeit ist:

    • fester Bestandteil der Schule und des Schulalltags.
    • Schnittstelle zwischen Schüler/innen, Lehrer/innen, Schulleitung und Eltern.
    • pädagogische Arbeit zur nachhaltigen Verbesserung der Lebens- und Entwicklungsbedingungen der Kinder und Jugendlichen.
    • Unterstützung, Beratung, Vermittlung, Vorbeugung, Intervention bei Krisen und Konflikten, Förderung, Stärkung.
    • eine Kooperation von Jugendhilfe und Schule.

    Schulsozialarbeiter/-innen sind zusammen mit den Lehrkräften einer Schule für die pädagogische Betreuung der Schüler/-innen verantwortlich. Die Jugendlichen werden bei der Erreichung ihrer schulischen Ziele individuell unterstützt. Unterstützungsangebote sind z. B. Einzelberatungen in besonderen Problemsituationen (z.B. Lernschwierigkeiten, Drogenmissbrauch, Schulverweigerung, Delinquenz), Streitschlichtung und Deeskalation bei Konflikten bis zur individuellen Kompetenzförderung.

    Im Bereich der Jugendhilfe verfügt der Bund über die Gesetzgebungskompetenz. Daher sind die rechtlichen Grundlagen für die Schulsozialarbeit - als eine Form der Kooperation von Jugendhilfe und Schule - vor allem im Sozialgesetzbuch VIII/Kinder- und Jugendhilfegesetz (kurz: SGB VIII/KJHG) zu finden. Die wichtigsten rechtlichen Regelungen zur Schulsozialarbeit befinden sich dort in den Paragraphen 1, 13, 11 und 81. Darüber hinaus sind für die Schulsozialarbeit jedoch auch die Regelungen der Kreise und kreisfreien Städte sowie die Schulgesetze, die Programme, die Richtlinien und Erlasse der Länder zur Schulsozialarbeit von Bedeutung. Sowohl Kommunen als auch die Bundesländer fördern Schulsozialarbeit.

    Beispiel Sachsen-Anhalt: Programm Schulerfolg sichern

    In Sachsen-Anhalt setzen sich seit 2008 Jugendhilfe, Schulen und Partner aus dem regionalen Umfeld gemeinsam im Programm Schulerfolg sichern dafür ein, dass alle Kinder und Jugendliche gleichen Zugang zu hochwertiger Grund- und Sekundarbildung erhalten. Ziele: alle Schülerinnen und Schüler einbeziehen und besonders diejenigen professionell aufzufangen, denen der vorzeitige Schulabbruch droht.
    Aktuelle Förderphase: August 2015-2020
    Förderung: Mitteln des ESF, Ministerium für Bildung des Landes Sachsen-Anhalt
    Umsetzung:Deutsche Kinder- und Jugendstiftung als Trägerin gemeinsam mit der Landesweite Koordinierungsstelle Schulerfolg sichern. Regional wird es durch Netzwerkstellen in allen Landkreisen und kreisfreien Städte umgesetzt. Lokal wirkt es vor Ort durch Schulsozialarbeiter/-innen an Schulen aller Schulformen.

    Beispiel Berlin: Landesprogramm ‚Jugendsozialarbeit an Berliner Schulen‘

    Das Land Berlin verfügt über langjährige Erfahrungen in der Kooperation von Jugendhilfe und Schule. 2006 wurde ein ESF-Programm zur Jugendsozialarbeit an Berliner Hauptschulen (seit 2010/11 an den Integrierten Sekundarschulen) und 2007 ein ESF-Programm zur Jugendsozialarbeit an Berliner Schulen mit sonderpädagogischem Förderbedarf initiiert. Mit Mitteln aus dem Landeshaushalt wurde das Landesprogramm 2009 auf Grundschulen und berufliche Schulen ausgeweitet. Inzwischen findet Jugendsozialarbeit an Schulen in Berlin auch an Gymnasien statt.
    Ziele des Programms:

    • benachteiligte Schülerinnen und Schüler bei der Bewältigung schulischer Anforderungen unterstützen,
    • die Lernmotivation fördern und das Selbstbewusstsein stärken,
    • Schuldistanz abbauen und die Erziehungsverantwortung der Eltern sowie die Öffnung der Schulen in den Sozialraum stärken.

    An dem durch die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie im Rahmen des Bildungsetats finanzierten Programm sind integrierte Sekundarschulen, Förderzentren, Grundschulen, Gymnasien und berufliche und zentralverwaltete Schulen beteiligt. Zusätzlich werden Stellen für Jugendsozialarbeit mit besonderen Aufgaben und für inklusive Schwerpunktschulen bereitgestellt.
    Die Stiftung SPI ist als Programmagentur Koordinatorin und Verwalterin des Gesamtprogramms.

Schulabbruch durch non-formales und informelles Lernen sowie hochwertige Jugendarbeit angehen

Nachfolgend einige praktische Beispiele, wie Jugendarbeit vor Ort dazu beiträgt, Schulabbruch entgegenzuwirken.

  • Beispiele aus Berlin und Brandenburg

    Die Stiftung SPI führt in Berlin und Brandenburg Projekte zum Thema Schulverweigerung durch z.B.:

    Fallschirm – Hilfen für straffällige Kinder und Jugendliche, Berlin

    'Fallschirm' ist ein ambulantes Angebot der Jugendhilfe nach § 27 ff. SGB VIII für straffällige bzw. schuldistanzierte Kinder und Jugendliche. Ziel ist es, die sozialen Kompetenzen der Kinder und Jugendlichen zu stärken und sie dabei zu unterstützen, ihre individuellen Entwicklungsanforderungen zu bewältigen. Fallschirm arbeitet dabei verbindlich, lösungs- und ressourcenorientiert und zeigt Konsequenzen auf. Die Kinder bzw. Jugendlichen kommen über das zuständige Jugendamt mit einem regulären Hilfeplanverfahren in die Betreuung.
    Zielgruppen sind straffällig gewordene Kinder und Jugendliche, Mehrfach- und Intensivtäter, Kinder und Jugendliche, die in der Schule verhaltensauffällig bzw. schuldistanziert sind. Die Gruppe der strafunmündigen bzw. jugendlichen Mehrfach- und Intensivtäter ist häufig schwer zu erreichen und zu einer Veränderung ihres delinquenten Verhaltens zu motivieren. Deshalb hat Fallschirm seine Angebote auf die besonderen Belange dieser Kinder und Jugendlichen ausgerichtet.

    Lernwerkstatt Leonardos Meisterbude, Cottbus

    Die Lernwerkstatt ist ein Projekt in Kooperation mit der Sachsendorfer Oberschule in Cottbus.
    Zielgruppe: Projekt richtet sich an aktiv und passiv schulverweigernde Jugendliche, die sich im 9. und 10. Schulbesuchsjahr befinden und den Schulabschluss nicht ohne sozialpädagogische Begleitung erreichen können.
    Ziele: Der Besuch des Projektes soll den teilnehmenden Jugendlichen den Erwerb des Schulabschlusses Klasse 9 ermöglichen. Daneben steht die Vorbereitung auf die Arbeitswelt durch vertiefte Berufsorientierung und Praktika in regionalen Unternehmen im Fokus.
    Der Unterricht und die Wissensvermittlung beziehen sich auf den Rahmenlehrplan der 9. Klasse des Brandenburgischen Schulgesetzes. Lerninhalte werden im Projekt praxisnah und ganzheitlich vermittelt. Basis der erfolgreichen Bildungsarbeit ist eine intensive Beziehungsarbeit mit den Jugendlichen, wobei die sozialpädagogische Gruppen- und Einzelarbeit ein wesentlicher Bestandteil ist.
    Dieses Projekt findet mit gleichen Inhalten und Zielen auch an anderen Orten in Brandenburg statt.

  • Beispiele aus NRW

    Jugendhilfe Köln e.V., Köln

    Seit ihrer Gründung 1976 setzt sich der Jugendhilfe Köln e. V. aktiv gegen die Jugendarbeitslosigkeit ein. Es gibt Programme zur (Berufs-)Orientierung, Beratung, Begleitung, Beschäftigung, Arbeit, Qualifizierung und Vermittlung. Unter anderem bietet der Verein so genannte Jugendwerkstätten an. Hier bekommen vor allem Jugendliche zwischen 16 und 21 die Möglichkeit, sich durch praktische Tätigkeiten auf eine Ausbildung vorzubereiten und sich persönlich weiter zu entwickeln. Sozialpädagogen und Werkpädagogen helfen ihnen bei vielen Schwierigkeiten und stehen mit Rat und Tat zur Seite. Täglich arbeiten und lernen die jungen Leute in einem ausgesuchten Gewerk einen Beruf kennen, können sich beruflich orientieren und erwerben erste fachbezogene Qualifikationen. Ein Leitgedanke der Jugendwerkstätten ist die Stärkung der Persönlichkeit der Jugendlichen, um ihre schulische und berufliche Ausbildung, die Eingliederung in die Arbeitswelt und ihre soziale Integration zu fördern.

    Verein apeiros (Wuppertal, Remscheid, Velbert, Solingen)

    Der Verein apeiros in Wuppertal arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Schulabstinenz. Der Ansatz von apeiros zeichnet sich durch mehrere Komponenten aus, welche dem Problem der Schulverweigerung bzw. dem nicht Erfüllen von strukturellen sozialen Anforderungen aktiv entgegenwirken. Auf Basis einer detaillierten Diagnostik des spezifisch örtlichen Rahmens von z.B. Schule, Schüler und zugehöriger Umgebung, werden gefährdete Jugendliche durch beratende Maßnahmen in ihrem jeweiligen Umfeld unterstützt. Auch auf ein teilstationäres Setting kann zurückgegriffen werden, um die notwendigen Ressourcen für einen stabilen Schulbesuch wieder aufzubauen und einen Schulabschluss zu erreichen. Im Kontext des Präventionsansatzes von apeiros wird mittels Fehlzeitenmanagement und einem schnellem standardisiertem Eingreifen dem Entstehen von Schulverweigerung und Abbrechen von Schule und Arbeit bereits frühzeitig entgegenwirkt. An verschiedenen Orten konnte so die Quote der Abbrecher von Schule oder beruflichen Maßnahmen um bis zu 90% verringert werden.

Ressortübergreifende Koordination und Monitoring von Hilfen gegen Schulabbruch

Behördenübergreifende Partnerschaften

Um die berufliche Ausbildung in Deutschland zu stärken, haben das Bundesbildungsministerium und weitere Bundesministerien am 12. Dezember 2014 gemeinsam mit der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, der Bundesagentur für Arbeit sowie Vertretern der Wirtschaft, der Gewerkschaften und der Länder die Allianz für Aus- und Weiterbildung beschlossen. Sie folgt auf den 'Nationalen Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs', der Ende 2014 ausgelaufen ist. Zu den Zielen gehören unter anderem:

  • die Zahl der Jugendlichen ohne Schulabschluss weiter zu reduzieren,
  • jedem ausbildungsinteressierten Menschen im Rahmen der im Koalitionsvertrag 2013-2017 (PDF, 1,7 MB) angesprochenen Ausbildungsgarantie einen „Pfad“ aufzuzeigen, der ihn frühestmöglich zu einem Berufsabschluss führen kann.

Darüber hinaus haben sich Bund, Länder und die Bundesagentur für Arbeit auf gemeinsame Konzepte für die Berufsorientierung – auch an Gymnasien – verständigt sowie Maßnahmen für einen besseren Übergang von der Schule in Ausbildung initiiert und ausgebaut.

Schulen arbeiten im Kontext der Berufsberatung und -orientierung eng mit der Arbeitsverwaltung beziehungsweise den lokalen Arbeitsagenturen zusammen. Ebenso gibt es Kooperationen zwischen Schule und Jugendarbeit/Jugendhilfe/Jugendsozialarbeit. Gespräche mit Schulsozialarbeiter(inne)n sind z.B. ein Angebot an Schulen, das Jugendliche wahrnehmen können.

Siehe auch den Bericht von Eurydice und Cedefop zum vorzeitigen Ausscheiden aus der allgemeinen und beruflichen Bildung (auf Englisch) mit Kurzzusammenfassung auf Deutsch

Monitoring und Evaluation

Mit dem Berufsbildungsbericht kommt das Bundesbildungsministerium seinem gesetzlichen Auftrag nach, die Entwicklung in der beruflichen Bildung kontinuierlich zu beobachten und der Bundesregierung jährlich zum 1. April Bericht zu erstatten. In Kapitel 3 werden die neuen und laufenden berufsbildungspolitischen Maßnahmen und Programme der Bundesregierung dargestellt sowie Eckdaten, Ziele, Ergebnisse erläutert. Darunter fallen auch Programme wie „Bildungsketten“ und „Jugend Stärken“, die die Prävention von Schul- oder Ausbildungsabbruch zum Ziel haben und die Berufsorientierung in unterschiedlichen Formen unterstützen.

Der Nationale Bildungsbericht ist Teil der für den Schulbereich 2006 von der Ständigen Konferenz der Kultusminister in der Bundesrepublik Deutschland (KMK) erklärten und 2015 überarbeiteten Gesamtstrategie zum Bildungsmonitoring in Deutschland.

Verbindung zur Jugendgarantie

Im Rahmen der Umsetzung der Jugendgarantie wurden Maßnahmen wie die assistierte Ausbildung und ausbildungsbegleitende Hilfen eingeführt und andere, wie die Zusammenarbeit zwischen den Jugendberufsagenturen, gestärkt. Die von der EU-Jugendgarantie vorgeschlagenen Empfehlungen wurden weitgehend aufgegriffen und in Deutschland umgesetzt. Rechtlich vorgeschriebene Vermittlungsangebote wurden mehrfach angepasst.

Die Agenturen für Arbeit sind nach Art. 37 Sozialgesetzbuch Drittes Buch verpflichtet, mit Arbeits- oder Ausbildungssuchenden eine Eingliederungsvereinbarung abzuschließen. Diese muss bei jungen Menschen nach spätestens drei Monaten überprüft werden. Die Eingliederungsvereinbarung umfasst das Eingliederungsziel, die Vermittlungsbemühungen der Agenturen für Arbeit, die Eigenbemühungen der Jugendlichen, die eine Ausbildung bzw. Arbeit suchen und die vorgesehenen Leistungen der Arbeitsförderung. Auf dieser Grundlage haben auch Jugendliche im arbeitsfähigen Alter, die Grundsicherung für Arbeitsuchende erhalten, Vorrang bei der Vermittlung von Ausbildungs- oder Arbeitsplätzen.

Dieser Artikel wurde auf www.youthwiki.eu in englischer Sprache erstveröffentlicht. Wir danken für die freundliche Genehmigung der Übernahme.

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