Youth Wiki

Verwaltung und Steuerung

Steuerung

Hauptakteure

Da Kultur in Deutschland Ländersache ist, gibt es kein Ministerium für Kultur auf Bundesebene. Die kulturpolitischen Aktivitäten des Bundes koordiniert die Staatsministerin für Kultur und Medien direkt der Bundeskanzlerin zugeordnet ist. Sie hat unter anderem die Aufgabe, Kultureinrichtungen und -projekte von nationaler Bedeutung zu fördern. Die Reichweite der Kulturstaatsministerin ist begrenzt, da die Bundesregierung keine genuinen Kompetenzen im Kulturbereich hat. Die Zuständigkeiten für Kulturpolitik liegen im Wesentlichen bei den Bundesländern („Kulturhoheit“), die dafür ein zuständiges Ministerium vorsehen, hauptsächlich aber bei den Kommunen, und hier bei den Kulturämtern.

  • Kinder- und Jugendhilfe auf Bundesebene

    Der Bund und die Länder haben auf dem Gebiet der Kinder- und Jugendhilfe eine Anregungs- und Förderungskompetenz. Anregend wirkt die oberste Bundesbehörde (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, BMFSFJ) allgemein auf die Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe und im Besonderen auf einzelne Bereiche durch eigene Fachveranstaltungen, Veröffentlichungen zu Fachfragen, Stellungnahmen und durch die Beantwortung parlamentarischer Anfragen. Zu aktuellen Fragen der Kinder- und Jugendhilfe lässt sie in jeder Legislaturperiode von Expert(inn)en Berichte zur Lage junger Menschen und zu den Leistungen der Jugendhilfe erstellen (Kinder- und Jugendberichte). Das Bundesjugendkuratorium berät als Sachverständigengremium in allen relevanten jugendpolitischen Fragen, etwa in Form von Stellungnahmen. Für unterschiedliche Arbeitsbereiche der Jugendhilfe gibt es auf Bundesebene Arbeitsgruppen, in denen das BMFSFJ mit Trägern der Kinder- und Jugendhilfe zusammenarbeitet. Im Rahmen des Kinder- und Jugendplanes des Bundes wird die bundesweite Infrastruktur der Kinder- und Jugendhilfe (v. a. Verbände und Fachorganisationen) mitfinanziert, werden Modellprojekte gefördert und Maßnahmen des internationalen Jugendaustausches und Freiwilligendienste unterstützt.

  • Dachverbände kultureller Bildung auf Bundesebene

    Die Dachverbände kultureller Bildung vertreten die Interessen ihrer Mitglieder, die Organisationen, Einrichtungen, Verbände und Einzelpersonen kultureller Bildung sind. Sie beraten Verwaltung und Politik, unterstützen neue Themen und Diskussionen und bieten Plattformen für politische und fachliche Innovationen. Die wichtigsten Dachorganisationen sind:  

    • Die Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ) ist der Dachverband der kulturellen Kinder- und Jugendbildung in Deutschland. Sie ist ein Zusammenschluss von 56 bundesweit agierenden schulischen und außerschulischen Institutionen, Fachverbänden und Landesdachorganisationen der kulturellen Bildung. Die Mitgliedsorganisationen repräsentieren die unterschiedlichen Künste, Kultursparten und kulturpädagogischen Handlungsfelder. Ihre Angebote reichen über den Bereich der Kinder- und Jugendhilfe mit den sie kennzeichnenden Organisationsmerkmalen hinaus und zeigen Verbindungen und Überschneidungen vor allem zum Bereich der Kultur- und Bildungspolitik.
    • 246 Bundeskulturverbände und Organisationen sind im Deutschen Kulturrat e. V. als Spitzenverband der Bundeskulturverbände zusammengeschlossen. Der Deutsche Kulturrat ist der Ansprechpartner der Politik und Verwaltung des Bundes, der Länder und der Europäischen Union in allen die einzelnen Sparten (Sektionen) des Deutschen Kulturrates übergreifenden kulturpolitischen Angelegenheiten. Er vertritt auch den kulturellen Bildungsauftrag der Kultureinrichtungen.
  • Kinder- und Jugendhilfe auf Länderebene

    In den 16 Bundesländern gibt es als Oberste Landesjugendbehörde jeweils ein Ministerium, das für die Belange der Jugendpolitik (Ausführungsgesetze zum Kinder- und Jugendhilfegesetz, Landesjugendpläne zur Förderung der Kinder- und Jugendhilfe) zuständig ist (z.B. Ministerium für Bildung, Jugend und Sport in Brandenburg, das Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen oder das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales). 

    In den Ländern gibt es 17 übergeordnete Landesjugendämter (in jedem Bundesland eines, in Nordrhein-Westfalen zwei). Die Landesjugendämter nehmen die Aufgaben des überörtlichen Trägers der Jugendhilfe nach dem SGB VIII wahr. Sie unterstützen die örtliche Jugendhilfe (Jugendämter, freie Träger) und dienen den Interessen von Kindern, Jugendlichen und ihrer Familien. Sie setzten sich insbesondere für die Schaffung und Erhaltung kinder- und familienfreundlicher Lebensbedingungen ein. Im Zusammenwirken aller Träger der Jugendhilfe verstehen sich die Landesjugendämter als Vermittler zwischen den örtlichen öffentlichen Trägern, den freien Trägern und der obersten Landesjugendbehörde. Das Landesjugendamt ist als zweigliedrige Behörde angelegt. Es besteht aus der Verwaltung und dem Landesjugendhilfeausschuss. Diese nehmen ihre Aufgaben gemeinschaftlich wahr. Die Aufgaben der Landesjugendämter sind im § 85 Abs. 2 SGB VIII ausdrücklich geregelt.

  • Schulbildung auf Länderebene

    In Deutschland sind die Länder für das Schulwesen zuständig. Sie stellen mit einem zuständigen Landesministerium die Oberste Schulbehörde und legen auf der Grundlage der jeweiligen Schulgesetze curriculare Vorgaben sowie besondere Regelungen – beispielsweise auch zu Kooperationen mit außerschulischen Partnern – fest. In vielen Bundesländern sind administrative Aufgaben, vor allem die Schulaufsicht, auf so genannte „Mittelbehörden verteilt“ (zuständige Dekanate in Bezirksregierungen).

  • Kinder- und Jugendhilfe auf kommunaler Ebene

    Circa 600 Städte und Landkreise in Deutschland betreiben in kommunaler Selbstverwaltung ein Jugendamt. Die Jugendämter haben die Gesamtverantwortung für die örtliche Kinder- und Jugendhilfe. Dazu gehört auch die Verpflichtung, mittelfristige Jugendhilfepläne aufzustellen und die Aktivitäten für Kinder, Jugendliche und Familien in den Stadtteilen, Ortsteilen und Dörfern finanziell zu fördern. Das Jugendamt unterstützt Eltern und Erziehungsberechtigte bei der Erziehung, Betreuung und Bildung von Kindern und Jugendlichen. Dabei setzt es auf vorbeugende, familienunterstützende Angebote, die dazu beitragen, positive Lebensbedingungen für Familien zu schaffen. Das Aufgabenspektrum reicht von der Organisation einer qualitätsvollen Kinderbetreuung über die Erziehungsberatung und den Schutz des Kindeswohls bis hin zur Förderung von Angeboten für Jugendliche und zur Schaffung einer kinder- und familienfreundlichen Umwelt. An das Jugendamt kann sich jede und jeder wenden, insbesondere auch Kinder und Jugendliche, wenn sie Probleme haben oder in Notsituationen sind.

    Neben den öffentlichen Trägern der Kinder- und Jugendhilfe werden über § 74 SGB VIII Träger der freien Kinder- und Jugendhilfe gefördert, wenn der jeweilige Träger u.a. die fachlichen Voraussetzungen für die geplante Maßnahme erfüllt, die Beachtung der Grundsätze und Maßstäbe der Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung nach § 79a gewährleistet, gemeinnützige Ziele verfolgt und die Gewähr für eine den Zielen des Grundgesetzes förderliche Arbeit bietet. Die Träger der öffentlichen Jugendhilfe arbeiten in Arbeitsgemeinschaften nach § 78 SGB VIII mit anerkannten Trägern der freien Jugendhilfe sowie mit Trägern geförderter Maßnahmen zusammen. In den Arbeitsgemeinschaften soll darauf hingewirkt werden, dass die geplanten Maßnahmen aufeinander abgestimmt werden und sich gegenseitig ergänzen.

Forschung

Ungeachtet der öffentlichen Aufmerksamkeit für kulturelle Bildung gibt es bis heute keine systematische Beobachtung der kulturellen Kinder- und Jugendbildung und keine öffentliche Berichterstattung auf Bundesebene. Es fehlt an flächendeckenden, repräsentativen quantitativen Untersuchungen zur Teilhabe junger Menschen an kulturellen Aktivitäten. Auch belastbare Daten zur kulturellen Schulbildung und zur Kinder- und Jugendhilfe bzw. dem Teilbereich Jugendarbeit/Kulturelle Jugendbildung sind nicht vorhanden. Ein Grund sind die Zuständigkeiten der Bundesländer in der formalen Bildung und die hauptsächlich kommunale Zuständigkeit sowie die partizipative Verfasstheit des Kinder- und Jugendhilfesystems. Für beide Bereiche fehlen flächendeckende Statistiken aus amtlichen Quellen oder sozialwissenschaftlichen Erhebungen. 2010 haben sich Forscherinnen und Forscher zusammengetan, um als Netzwerk Forschung Kulturelle Bildung die Forschung zur kulturellen Bildung zu vernetzen und den interdisziplinären Austausch über Theorien, Fragestellungen und Forschungsmethoden in der kulturellen Bildung sowie den wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern.

Allgemeine Verteilung der Zuständigkeiten

Zu Struktur und Zuständigkeiten in der Kinder- und Jugendhilfe siehe Hauptakteure.

Ressortübergreifende Zusammenarbeit

In Politik und Verwaltung auf der Ebene des Bundes, der Länder und der Kommunen wird vielfach die Notwendigkeit gesehen, für mehr kulturelle Kinder- und Jugendbildung sektorübergreifend zu arbeiten. Die Umsetzung ist allerdings abhängig von jeweils aktuellen politischen Zielsetzungen und Möglichkeiten. Auf der Bundesebene gibt es nur im Rahmen der nationalen Jugendstrategie eine ressortübergreifende Zusammenarbeit, die von einem Beirat begleitet wird (siehe 8.3). In einer Handlungsfeldübergreifenden Arbeitsgruppe beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) kommen Träger der Jugendarbeit (Youth Work) mit dem Ministerium zusammen, um gemeinsame Anliegen zu besprechen. Hier ist auch die Kulturelle Kinder- und Jugendbildung vertreten.

In einzelnen Bundesländern wurden Gesamtkonzepte entwickelt, wie Kulturelle Kinder- und Jugendbildung ressortübergreifend gefördert werden kann. Beispiele:

  • Hamburg (Rahmenkonzept zur Förderung der Kinder- und Jugendkultur) und Berlin (Berliner Rahmenkonzept Kulturelle Bildung 2016): In Berlin informieren die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie und die Senatsverwaltung für Kultur und Europa das Berliner Abgeordnetenhaus regelmäßig über die Ergebnisse der Umsetzung des Rahmenkonzeptes. In Hamburg gibt es außerdem das Netzwerk Kulturelle Bildung, das die kulturelle Projektarbeit in Hamburg fördert. Zwischen den beteiligten Behörden, Bezirksverwaltungen, Akteurinnen und Akteuren des Feldes und auch einzelnen Förderpartnerinnen und Förderpartnern ist auf Arbeitsebene ein Netzwerk entstanden, über das Fachinformationen und Abstimmungsbedarfe zu einzelnen Projekten schnell kommuniziert werden können. Dies hat zu zahlreichen Entwicklungen in der Hamburgischen Kinder- und Jugendkultur geführt, insbesondere im Bereich der Vernetzung – innerhalb und außerhalb der Behörden.
  • Baden-Württemberg: Um die Situation im Land zu analysieren und Optimierungspotenziale aufzuzeigen, setzte die Landesregierung von Baden-Württemberg am 07. Februar 2011 einen Fachbeirat für Kulturelle Bildung ein. Das aus Vertreterinnen und Vertreten aus Politik, Fachverbänden der kulturellen Sparten, freien Kunstschaffenden mit Erfahrung im Bereich der kulturellen Bildung sowie Persönlichkeiten aus Kultur und Bildungswesen bestehende Gremium hat sich ressortübergreifend unter der Federführung des Kunstministeriums und unter Mitwirkung des Kultusministeriums sowie der Landtagsfraktionen mit dem Status quo beschäftigt und Empfehlungen erarbeitet. Der Bericht „Empfehlungen zur kulturellen Bildung“ wurde im November 2013 fertiggestellt. Der Bericht benennt Ziele und Maßnahmen zur Weiterentwicklung kultureller Bildung in Bildungs-, Kunst- und Kultureinrichtungen, Verwaltung, Rundfunk und Medienunternehmen sowie weiteren Trägern kultureller Bildung in Baden-Württemberg. Insbesondere lokale Kooperationen zwischen Schulen und Kultureinrichtungen sollen gestärkt werden. Die Empfehlungen sollten in die aktuelle Bildungs- und Kulturpolitik und die bildungs- und kulturpolitischen Perspektiven einfließen. Der Fachbeirat wurde als dauerhaftes Beratungs- und Vernetzungsgremium etabliert.
  • Sachsen: Das von der Sächsischen Staatsregierung im Oktober 2018 verabschiedete Landesweite Konzept Kulturelle Kinder- und Jugendbildung für den Freistaat Sachsen verbindet konzeptionelle und strategische Überlegungen für die weitere Entwicklung der Kulturellen Kinder- und Jugendbildung. Das Papier wurde unter Führung des Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst innerhalb einer interministeriellen Arbeitsgruppe mit den Staatsministerien für Kultus, Soziales und Verbraucherschutz sowie dem Geschäftsbereich der Staatsministerin für Gleichstellung und Integration erarbeitet. Kulturräume, Kultureinrichtungen, zuständige Dachverbände und weitere Partner der Kulturellen Bildung sowie Kinder und Jugendliche wurden in diesem Prozess umfangreich beteiligt und eine Vielzahl an Ideen, Meinungen und Hinweisen aufgenommen.

Eine Zusammenarbeit gibt es aber vor allem auf der hauptsächlich zuständigen kommunalen Ebene. Hier arbeiten vor allem Kultur-, Jugendhilfe- und Schulausschuss sowie der Rat der Stadt und die entsprechenden Verwaltungseinheiten (Jugendamt, Kulturamt, Schulverwaltungsamt) zusammen. Am 9. November 2012 unterstützte der Deutsche Städtetag diese Entwicklung mit der Münchner Erklärung (PDF, 31,4 KB) und sprach sich für die Weiterentwicklung kommunaler Bildungslandschaften und die „Vernetzung von Bildungsakteuren in Verantwortungsgemeinschaften“ aus. In der Folge wurden sogenannte kommunale Gesamtkonzepte Kulturelle Bildung angeregt, die seitens der Bundesländer unterstützt und auch evaluiert wurden. 

Dieser Artikel wurde auf www.youthwiki.eu in englischer Sprache erstveröffentlicht. Wir danken für die freundliche Genehmigung der Übernahme.

Weitere Themen

Jugendpolitik im Allgemeinen
Free Photos - pixabay.com Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter
Freiwilliges Engagement
jp26jp - pixabay.com Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter
Soziale Inklusion
Wokandapix - pixabay.com Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter
Partizipation
aedrozda - pixabay.com Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter
Allgemeine und berufliche Bildung
ernestoslava - pixabay.com Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter
Gesundheit und Wohlbefinden
Khamkor - pixabay.com Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter
Jugend in der Welt
manseok - pixabay.com Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter
Jugendarbeit
© ehrenberg - AdobeStock
Youth Wiki

Das Youth Wiki wird in Deutschland umgesetzt von IJAB – Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V.

Die Verantwortung für den Inhalt des Youth Wiki in Deutschland trägt allein IJAB. Die EU-Kommission haftet nicht für die weitere Verwendung der darin enthaltenen Angaben.

Gefördert von: