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Verwaltung und Steuerung

Steuerung

Hauptakteure

Da Kultur in Deutschland Ländersache ist, gibt es kein Ministerium für Kultur auf Bundesebene. Die kulturpolitischen Aktivitäten des Bundes koordiniert eine Staatsministerin, die als Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) direkt der Bundeskanzlerin zugeordnet ist. Sie hat unter anderem die Aufgabe, Kultureinrichtungen und -projekte von nationaler Bedeutung zu fördern. Die Reichweite der Kulturstaatsministerin ist begrenzt, da die Bundesregierung keine genuinen Kompetenzen im Kulturbereich hat. Die Zuständigkeiten für Kulturpolitik liegen im Wesentlichen bei den Bundesländern („Kulturhoheit“), die dafür ein zuständiges Ministerium vorsehen, hauptsächlich aber bei den Kommunen, und hier bei den Kulturämtern.

Im Bereich Kulturelle Bildung hat sie von 2009-2018 jährlich einen „BKM-Preis Kulturelle Bildung“ vergeben. Ausgezeichnet wurden Projekte, die Kunst und Kultur innovativ und nachhaltig vermitteln - und bislang unterrepräsentierte Zielgruppen besonders berücksichtigen. Zurzeit wird dieser gemäß des Koalitionsvertrags von 2018 fortentwickelt.  Der Koalitionsvertrag sieht ein „gesamtstaatliches Bündnis der inklusiven kulturellen Bildung" vor, in dem bereits bestehende Initiativen zur kulturellen Bildung wie der BKM-Preis Kulturelle Bildung gebündelt und gestärkt werden sollen. Aktuell fördert die Kulturstaatsministerin modellhafte Projekte, mit denen Kultureinrichtungen die Diversität bei Personal, Programm und Publikum sowie die kulturelle Vermittlung und Bildung weiter stärken sollen. In diesem Rahmen stehen für Modellprojekte der kulturellen Bildung 2019 rund 2,7 Millionen Euro zur Verfügung.

  • Kulturelle Jugendbildung in der Kinder- und Jugendhilfe

    Im Sozialgesetzbuch (SGB VIII), Kinder- und Jugendhilfe, auch Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG) genannt, ist in § 1 festgeschrieben, dass jeder junge Mensch ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit hat. Neben der Verantwortung der Eltern wird die des Staates betont, indem die Kinder- und Jugendhilfe in §1 (3) verpflichtet wird, zur Verwirklichung des Rechts nach Absatz 1 insbesondere junge Menschen in ihrer individuellen und sozialen Entwicklung fördern und dazu beitragen, Benachteiligungen zu vermeiden oder abzubauen. Das SGB VIII schreibt kulturelle Jugendbildung in §11 (3) als einen Schwerpunkt von Jugendarbeit und einen Leistungsbereich der Kinder- und Jugendhilfe fest. Das SGB VIII ist die bundesgesetzliche Grundlage für die Aktivitäten von Bund, Ländern, Städten und Kreisen und für die Ausgestaltung der Kinder- und Jugendhilfe.

  • Kinder- und Jugendhilfe auf Bundes- und Länderebene

    Der Bund und die Länder haben auf dem Gebiet der Kinder- und Jugendhilfe eine Anregungs- und Förderungskompetenz. Anregend wirkt die oberste Bundesbehörde (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, BMFSFJ) allgemein auf die Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe und im Besonderen auf einzelne Bereiche durch eigene Fachveranstaltungen, Veröffentlichungen zu Fachfragen, Stellungnahmen und durch die Beantwortung parlamentarischer Anfragen. Zu aktuellen Fragen der Kinder- und Jugendhilfe lässt sie in jeder Legislaturperiode von Expert(inn)en Berichte zur Lage junger Menschen und zu den Leistungen der Jugendhilfe erstellen (Kinder- und Jugendberichte). Das Bundesjugendkuratorium berät als Sachverständigengremium in allen relevanten jugendpolitischen Fragen, etwa in Form von Stellungnahmen. Für unterschiedliche Arbeitsbereiche der Jugendhilfe gibt es auf Bundesebene Arbeitsgruppen, in denen das BMFSFJ mit Trägern der Kinder- und Jugendhilfe zusammenarbeitet. Im Rahmen des Kinder- und Jugendplanes des Bundes wird die bundesweite Infrastruktur der Kinder- und Jugendhilfe (vor allem Verbände und Fachorganisationen) mitfinanziert, werden Modellprojekte gefördert und Maßnahmen des internationalen Jugendaustausches und Freiwilligendienste unterstützt.

    In den 16 Bundesländern gibt es als Oberste Landesjugendbehörde jeweils ein Ministerium, das für die Belange der Jugendpolitik (Ausführungsgesetze zum Kinder- und Jugendhilfegesetz, Landesjugendpläne zur Förderung der Kinder- und Jugendhilfe) zuständig ist (z.B. Ministerium für Bildung, Jugend und Sport in Brandenburg, das Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen oder das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales).

    Auf Landesebene gibt es 17 Landesjugendämter (in jedem Bundesland eines, in Nordrhein-Westfalen zwei) als überörtliche Jugendhilfeträger. Die Landesjugendämter nehmen die Aufgaben des überörtlichen Trägers der Jugendhilfe nach dem SGB VIII wahr. Sie unterstützen die örtliche Jugendhilfe (Jugendämter, freie Träger) und dienen den Interessen von Kindern, Jugendlichen und ihrer Familien. Sie setzten sich insbesondere für die Schaffung und Erhaltung kinder- und familienfreundlicher Lebensbedingungen ein. Im Zusammenwirken aller Träger der Jugendhilfe verstehen sich die Landesjugendämter als Vermittler zwischen den örtlichen öffentlichen Trägern, den freien Trägern und der obersten Landesjugendbehörde. Das Landesjugendamt ist als zweigliedrige Behörde angelegt. Es besteht aus der Verwaltung und dem Landesjugendhilfeausschuss. Diese nehmen ihre Aufgaben gemeinschaftlich wahr. Die Aufgaben der Landesjugendämter sind im § 85 Abs. 2 SGB VIII ausdrücklich geregelt.

  • Kinder- und Jugendhilfe auf kommunaler Ebene

    Circa 600 Städte und Landkreise in Deutschland betreiben in kommunaler Selbstverwaltung ein Jugendamt. Das Jugendamt unterstützt Eltern und Erziehungsberechtigte bei der Erziehung, Betreuung und Bildung von Kindern und Jugendlichen. Dabei setzt es auf vorbeugende, familienunterstützende Angebote, die dazu beitragen, positive Lebensbedingungen für Familien zu schaffen. Das Aufgabenspektrum reicht von der Organisation einer qualitätsvollen Kinderbetreuung über die Erziehungsberatung und den Schutz des Kindeswohls bis hin zur Förderung von Angeboten für Jugendliche und zur Schaffung einer kinder- und familienfreundlichen Umwelt. An das Jugendamt kann sich jede und jeder wenden, insbesondere auch Kinder und Jugendliche, wenn sie Probleme haben oder in Notsituationen sind.

    Die Jugendämter haben die Gesamtverantwortung für die örtliche Kinder- und Jugendhilfe. Dazu gehört auch die Verpflichtung, mittelfristige Jugendhilfepläne aufzustellen und die Aktivitäten für Kinder, Jugendliche und Familien in den Stadtteilen, Ortsteilen und Dörfern finanziell zu fördern. Neben den öffentlichen Trägern der Kinder- und Jugendhilfe werden über § 74 SGB VIII Träger der freien Kinder- und Jugendhilfe gefördert, wenn der jeweilige Träger u.a. die fachlichen Voraussetzungen für die geplante Maßnahme erfüllt, die Beachtung der Grundsätze und Maßstäbe der Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung nach § 79a gewährleistet, gemeinnützige Ziele verfolgt und die Gewähr für eine den Zielen des Grundgesetzes förderliche Arbeit bietet. Die Träger der öffentlichen Jugendhilfe arbeiten in Arbeitsgemeinschaften nach § 78 SGB VIII mit anerkannten Trägern der freien Jugendhilfe sowie mit Trägern geförderter Maßnahmen zusammen. In den Arbeitsgemeinschaften soll darauf hingewirkt werden, dass die geplanten Maßnahmen aufeinander abgestimmt werden und sich gegenseitig ergänzen.

  • Träger der kulturellen Kinder- und Jugendbildung

    Im Feld der Jugendarbeit gibt es neben Trägern, die allgemeine Jugendarbeit und in diesem Rahmen auch kulturelle Bildungsarbeit anbieten, Träger, die auf kulturelle Kinder- und Jugendbildung spezialisiert sind. Deren Themenfelder sind breit gefächert. Sie reichen von Literatur, Musik, Theater, Tanz und Rhythmik oder bildnerisches Gestalten bis hin zu Fotografie, Medien, Spiel und Zirkus. Diese Träger sind Einrichtungen mit eigenen Häusern, beispielsweise Jugendmusikschulen, Jugendkunstschulen, Literaturhäuser oder Kinder- und Jugendtheater und mobile Einrichtungen (Spielmobile) sowie Organisationen ohne eigene Veranstaltungshäuser (in der Regel Vereine und Verbände).

    Die Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ) ist der Dachverband der kulturellen Kinder- und Jugendbildung in Deutschland. Sie ist ein Zusammenschluss von 56 bundesweit agierenden schulischen und außerschulischen Institutionen, Fachverbänden und Landesdachorganisationen der Kulturellen Bildung. Die Mitgliedsorganisationen repräsentieren die unterschiedlichen Künste, Kultursparten und kulturpädagogischen Handlungsfelder. Sie sind Träger von kommunalen, landes- und bundesweiten, teils auch internationalen Einrichtungen, Projekten, Weiterbildungsangeboten und Wettbewerben.

    Im 12. Kinder- und Jugendbericht (2006) wird der Begriff „Kinder und Jugendkulturarbeit“ synonym zu „kulturelle Jugendbildung“ genutzt: „Kinder und Jugendliche finden in ihrem Alltag nicht nur Angebote der so genannten Hochkultur sowie Angebote kulturell orientierter Lern- und Erlebnisorte vor. Kulturelle Jugendbildung ist vielmehr auch ein wichtiger Bildungsschwerpunkt der Jugendarbeit als außerschulischer Jugendbildung. Sie trägt dazu bei, Ichstärke, Selbstwirksamkeit, soziale Sensibilität und ästhetische Expressivität zu entwickeln (…). Als Handlungsfeld institutionalisiert werden unter dem Dach der BKJ Verbände, Organisationen und Träger zusammengefasst, die als Fachverbände alle Kultursparten (Theater, Musik, Literatur, Medien, Bildende Kunst) repräsentieren. Ihre Angebote reichen über den Bereich der Kinder- und Jugendhilfe mit den sie kennzeichnenden Organisationsmerkmalen hinaus und zeigen Verbindungen und Überschneidungen vor allem zum Bereich der Kultur- und Bildungspolitik. Die kulturpädagogischen Einrichtungen sind Kindermuseen, Musikschulen, Jugendkunstschulen, Medienwerkstätten, theaterpädagogische Zentren und ähnliche Einrichtungen. Jugendkunstschulen sind die häufigste Einrichtungsform. Kulturelle Jugendbildung ist darüber hinaus ein Bildungsthema der Jugendarbeit insgesamt, das in allen Handlungsfeldern von Bedeutung ist und integriert in den jeweiligen Aktivitätsformen stattfindet."

  • Kulturelle Bildung als Teil der Schulbildung

    In allen Zielparagrafen der Schulgesetze der Länder wird das Recht auf Bildung, Erziehung und individuelle Förderung sowie auf kulturelle Teilhabe festgeschrieben, hier gezeigt am Beispiel des Schulgesetzes Nordrhein-Westfalen. Im § 1 (1) heißt es, dass jeder junge Mensch ohne Rücksicht auf seine wirtschaftliche Lage und Herkunft und sein Geschlecht ein Recht auf schulische Bildung, Erziehung und individuelle Förderung hat und dieses Recht nach Maßgabe dieses Gesetzes gewährleistet wird. § 2 (4) umfasst den Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule, der besagt, dass die Schule die zur Erfüllung ihres Bildungs- und Erziehungsauftrags erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Werthaltungen vermittelt. Dabei berücksichtigt sie die individuellen Voraussetzungen der Schülerinnen und Schüler. Sie befähigt sie dazu, verantwortlich am sozialen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, beruflichen, kulturellen und politischen Leben teilzunehmen und ihr eigenes Leben zu gestalten.“

    Kulturelle Teilhabe bzw. kulturelle Bildung wird in der Schule über curriculare Festlegungen vor allem im Fächerkanon sichergestellt. Die jeweiligen Schulfächer sind in der Regel: Musikunterricht, Kunstunterricht (Schwerpunkt Bildende Kunst), Deutschunterricht (Literatur), in einigen Bundesländern und ausgewählten Schulformen auch Darstellendes Spiel (Theater), Tanz oder Darstellen und Gestalten. Schulen können sich im Rahmen ihrer gesetzlich geregelten Gestaltungsmöglichkeiten ihr Angebot erweitern oder ein kulturelles Schulprofil geben. Dann können beispielsweise die künstlerisch-kulturellen Schulfächer einen besonderen Stellenwert erhalten (beispielsweise einen größeren Stundenanteil) oder es können künstlerisch-kulturelle Wahlfächer und extracurriculare Arbeitsgemeinschaften angeboten werden. Verbreitet gibt es auch, zum Teil regelmäßige, extracurriculare und außerunterrichtliche Angebote in Kooperation mit außerschulischen Partnern wie Einrichtungen und Organisationen der kulturellen Kinder- und Jugendbildung oder Kultureinrichtungen sowie einzelnen Künstlerinnen/Künstlern.

Allgemeine Verteilung der Zuständigkeiten

Zu Struktur und Zuständigkeiten in der Kinder- und Jugendhilfe siehe ‚Hauptakteure‘.

In Deutschland sind die Länder für das Schulwesen zuständig. Sie stellen mit einem zuständigen Landesministerium die Oberste Schulbehörde. Sie legen auf der Grundlage der jeweiligen Schulgesetze curriculare Vorgaben sowie besondere Regelungen – beispielsweise auch zu Kooperationen mit außerschulischen Partnern – fest. In vielen Bundesländern sind administrative Aufgaben, vor allem die so genannte Schulaufsicht, auf so genannte Mittelbehörden verteilt (zuständige Dekanate in Bezirksregierungen). Vergleiche dazu auch ‚Das Bildungssystem in Deutschland‘

Kulturelle Bildung im Kulturbereich

Kulturelle Bildung gilt – neben anderen Aufgaben – auch als (gesellschaftlicher) Auftrag der öffentlichen Kultureinrichtungen in Deutschland. Es gibt jedoch keine rechtliche Verankerung dafür, ebenso wenig wie für eine flächendeckende Verbreitung. Im Grundgesetz wird die Förderung von Kunst und Kultur als freiwillige Aufgabe der Bundesländer festgelegt („Kulturhoheit“), die, zum Teil gestützt durch die jeweiligen Landesverfassungen, auch weitere rechtlichen Grundlagen und öffentliche Finanzierungsmöglichkeiten schaffen.

Die Tatsache, dass die Förderung von Kunst und Kultur eine freiwillige Aufgabe der öffentlichen Hand ist, ist in Deutschland nicht unumstritten. Es wird immer wieder eine Verankerung im Grundgesetz verlangt: „Auch wenn dies bislang noch keinen ausdrücklichen Eingang ins Grundgesetz gefunden hat (…), so definieren doch mehrere höchstrichterliche Rechtsprechungen des Bundesverfassungsgerichts und der Artikel 35 des Einigungsvertrages Deutschland explizit als „Kulturstaat". Hieraus leitet sich der kulturelle Bildungsauftrag ab. Deshalb fördert die öffentliche Hand in Deutschland Kunst und Kultur im Bund, in den einzelnen Bundesländern und in den Kommunen jedes Jahr mit rund acht Milliarden Euro. Öffentliche Theater beispielsweise werden in Deutschland durchschnittlich zu rund 84 Prozent subventioniert, nur 16 Prozent erwirtschaften sie aus eigener Kraft.“

Den Bereich Kunst und Kultur decken in Deutschland eine große Bandbreite von Akteuren und Kultureinrichtungen ab. Dazu zählen Bibliotheken, Theater, Museen, Orchester, Chöre, Verlage, die Filmindustrie, Fernsehen, Radio und Teile des Internets, auch die Musik- oder Volkshochschule, jeweils in öffentlicher oder privater Trägerschaft, sowie Künstlerinnen und Künstler aller Sparten. Der Bildungsauftrag wird jeweils sehr unterschiedlich verstanden und umgesetzt. Das Verständnis reicht von einer konsequenten Besucherorientierung, um möglichst viele Menschen zu erreichen, bis hin zu pädagogisch gestalteten Bildungsangeboten. 246 Bundeskulturverbände und Organisationen sind im Deutschen Kulturrat e.V. als Spitzenverband der Bundeskulturverbände zusammengeschlossen. Der Deutsche Kulturrat vertritt auch den kulturellen Bildungsauftrag der Kultureinrichtungen.

Ressortübergreifende Zusammenarbeit

Aufgrund der Diskussionen der letzten Jahre um eine bessere kulturelle Teilhabe und mehr kulturelle Bildung für Kinder und Jugendliche (siehe dazu auch die Liste der Stellungnahmen auf der Webseite des Deutschen Kulturrates sowie Downloads auf der Webseite der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung) wurde auch die träger- und bereichsübergreifende Zusammenarbeit, besonders die zwischen Schule und außerschulischen Partnern kultureller Bildung, vermehrt thematisiert. Dafür wurden zahlreiche Modellprogramme auf Bundes- und Länderebene aufgelegt und die Bildung so genannter ‚Bildungslandschaften‘ angeregt. In einigen Bundesländern gibt es Bemühungen, politische Entscheidungen und Förderungen sektorübergreifend abzustimmen. In unterschiedlicher Weise arbeiten dafür Ministerien, weitere Behörden und Verbände zusammen. Auf Bundesebene ist dies kaum der Fall. Einige Beispiele:

  • Hamburg (Rahmenkonzept zur Förderung der Kinder- und Jugendkultur) und Berlin (Berliner Rahmenkonzept Kulturelle Bildung): Die Stadtstaaten haben jeweils ein Gesamtkonzept für kulturelle Bildung aufgelegt, mit dem eine Verzahnung der Arbeitsfelder Kultur, Bildung und Jugendhilfe gefördert werden soll. In Hamburg gibt es außerdem das Netzwerk Kulturelle Bildung, das die kulturelle Projektarbeit in Hamburg fördert. Ziel des Netzwerkes ist es, die verschiedenen Kulturanbieter mit Schulen, Kitas und Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit zusammenzubringen, um gemeinsam kulturelle Projekte zu realisieren.
  • Hessen: Das Büro Kulturelle Bildung des Hessischen Kultusministeriums unterstützt und vernetzt Schulen, die im kulturellen Bereich einen besonderen Schwerpunkt gesetzt haben (z.B. Musikalische Grundschulen, Schulen mit Schwerpunkt Musik, KulturSchulen), berät weitere Schulen auf dem Weg zur Entwicklung eines kulturellen Profils, bietet ein eigenes landesweites Programm zur Verbesserung der Unterrichtsqualität („Kreative Unterrichtspraxis“) für alle Schulformen an, fördert künstlerische Aktivitäten von Schülerinnen und Schülern, berät und unterstützt Schulen bei Kooperationen mit Künstlerinnen und Künstlern sowie Kulturschaffenden und kooperiert mit Institutionen und Verbänden der kulturellen Bildung in Hessen. Außerdem werden über das Modellprojekt „Kulturkoffer“ Fördermittel des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst (HMWK) zum flächendeckenden Ausbau der kulturellen Bildungslandschaft im gesamten Bundesland bereitgestellt, um allen Kindern und Jugendlichen in Hessen, unabhängig von ihrer Herkunft, ihres Wohnorts oder Umfelds Zugang zu Kunst und Kultur zu ermöglichen.
  • Nordrhein-Westfalen: Durch Förderprogramme und gezielte Projekte vor allem im Jugend-, Kultur- und Schulbereich unterstützt die Landesregierung den weiteren Ausbau der kulturellen Bildung in Nordrhein-Westfalen. In Nordrhein-Westfalen haben die für Jugend, Kultur und Schule zuständigen Landesministerien die gemeinsam getragene Arbeitsstelle Kulturelle Bildung in Schule und Jugendarbeit NRW gebildet. Die Arbeitsstelle berät und begleitet Kommunen, Schulen und Einrichtungen der Jugendarbeit dabei, kulturelle Bildungsangebote für alle Kinder und Jugendlichen zu entwickeln und auf kommunaler Ebene sinnvoll zu vernetzen. Sie unterstützt landesweit Kommunen und Kreise unter anderem dabei, ihre Gesamtkonzepte für kulturelle Bildung auszubauen.
  • Brandenburg: Seit 2011 gibt es das Konzept Kulturelle Bildung des Landes Brandenburg (PDF, 186 KB), welches u.a. zur Stärkung und Vernetzung der bestehenden Träger, Einbindung von kulturellen Angeboten in Schulen und Schaffung eines eigenen Jugendkunstschulgesetzes versus Integration in das Musikschulgesetz beiträgt. Seit 2011 gibt es außerdem die Online-Plattform http://www.plattformkulturellebildung.de/, eine Servicestelle für Akteure kultureller Bildung. Die Servicestelle vernetzt und qualifiziert Akteure und potentielle Partner, initiiert und begleitet Projekte, berät zu verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten und bietet bedarfsorientierte Weiterbildungs- und Vernetzungsveranstaltungen an.
  • Baden-Württemberg: 2015 startete das landesweite Modellprojekt „Kulturschule 2020 Baden-Württemberg“ des Kultusministeriums Baden-Württemberg und der Karl Schlecht Stiftung. Zehn verschiedene Schulen wurden in das Projekt aufgenommen und werden seit 2015 für insgesamt fünf Jahre jährlich mit 10.000 Euro gefördert, um ihr kulturelles Schulprofil auszubauen. Die Schulen erarbeiten einen „Kulturfahrplan“, der sie bei diesem Prozess unterstützt. Aus den Projekten soll ein Leitfaden mit Erfolgsbeispielen der kulturschaffenden Unterrichtspraxis entstehen, der anderen Schulen in Baden-Württemberg als Empfehlung für die eigene kulturelle Arbeit dienen soll.
  • Kultur.Forscher – Kinder & Jugendliche auf Entdeckungsreise (Gemeinschaftsprojekt verschiedener Bundesländer). Als Kulturforscher setzen sich Schülerinnen und Schüler seit 2009 aktiv mit kulturellen Aspekten ihrer Lebenswelt auseinander. Sie stellen eigene Fragen und suchen selbstständig mithilfe vieler Methoden nach Antworten: Sie recherchieren, beobachten, befragen, sammeln, arrangieren, filmen, malen oder beschreiben. Dabei holen sie sich Anregungen von Künstlern, Historikern, Soziologen, dem Bürgermeister oder anderen Experten. Am Ende ihrer kulturellen Forschungsreise tauschen sie sich über ihre Erfahrungen aus, präsentieren ihre Ergebnisse – und stellen neue Fragen. Das Kultur.Forscher!-Netzwerk wird von der PwC-Stiftung gefördert. Es umfasst aktuell (2019) Schulen aus den Bundesländern Baden-Württemberg, Bremen, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Schleswig-Holstein. Jede Schule kooperiert mit einem oder mehreren Kulturpartnern aus ihrer Region.

Eine Zusammenarbeit gibt es aber vor allem auf der hauptsächlich zuständigen kommunalen Ebene. Hier arbeiten vor allem Kultur-, Jugendhilfe-¬ und Schulausschuss sowie der Rat der Stadt und die entsprechenden Verwaltungseinheiten (Jugendamt, Kulturamt, Schulverwaltungsamt) zusammen. Am 9. November 2012 unterstützte der Deutsche Städtetag diese Entwicklung mit der Münchner Erklärung (PDF: 31,5 KB) und sprach sich für die Weiterentwicklung kommunaler Bildungslandschaften und die „Vernetzung von Bildungsakteuren in Verantwortungsgemeinschaften“ aus. In der Folge wurden sogenannte kommunale Gesamtkonzepte Kulturelle Bildung angeregt, die seitens der Bundesländer unterstützt und auch evaluiert wurden.

Dieser Artikel wurde auf www.youthwiki.eu in englischer Sprache erstveröffentlicht. Wir danken für die freundliche Genehmigung der Übernahme.

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