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Allgemeiner Rahmen

Historische Entwicklungen

Freiwilliges Engagement hat in Deutschland eine lange Tradition. Laut des aktuellen Freiwilligensurvey ist die Anzahl junger Menschen, die sich freiwillig engagieren, ist von 1999-2014 stark angestiegen: 2014 engagierten sich 46,9% der Menschen zwischen 14 und 29 Jahren.

Die aktuellen, inländischen Freiwilligendienstformate Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ), Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) und der Bundesfreiwilligendienst (BFD) haben ihre Wurzeln in der Mitte des 20. Jahrhunderts. (BMFSFJ 2016, S. 15 ff.)

Die Idee des Freiwilligen Sozialen Jahrs für junge Leute kam 1954 auf. Der Rektor der evangelisch-lutherischen Diakonissenanstalt Neuendettelsau, Hermann Dietzfelbinger, rief junge Frauen und Männer dazu auf, ein Jahr ihres Lebens in den Dienst der Gemeinschaft zu stellen. Diese Idee wurde von anderen Organisationen aufgegriffen. 1958 rief die katholische Kirche die Aktion „Jugend hilft Jugend“ ins Leben. Zu Beginn der 1960er Jahre schufen die Verbände der freien Wohlfahrtspflege innerhalb ihrer Organisationen die Grundlagen für ein „Freiwilliges Jahr“. Am 1. April 1964 trat das Gesetz zur Förderung eines freiwilligen sozialen Jahres in Kraft. 

Veranlasst durch das Waldsterben und den Reaktorunfall von Tschernobyl wurde 1987 ein Modellversuch für einen ökologischen Freiwilligendienst gestartet. Dieser weitete die Engagementmöglichkeiten für Freiwillige auf den Umwelt- und Naturschutz aus. 1993 wurde dieser Ansatz im Gesetz zur Förderung eines Freiwilligen Ökologischen Jahres geregelt. 

Die beiden Gesetze zu FSJ und FÖJ wurden 2008 durch das Gesetz zur Förderung von Jugendfreiwilligendiensten ersetzt. Dieses Gesetz regelt die Einsatzmöglichkeiten der Freiwilligen, ihre pädagogische Betreuung sowie die soziale Absicherung der jungen Freiwilligen. Das FSJ und das FÖJ stehen jungen Menschen nach ihrer Vollzeitschulpflicht in der Altersspanne von 15 oder 16 bis 27 Jahren offen. 

Der Bundesfreiwilligendienst ist aus dem Zivildienst entstanden. Dieser musste als Ersatzdienst für den Wehrdienst, zu dem alle männlichen Staatsbürger verpflichtet waren, geleistet werden. Der Zivildienst wurde im Zivildienstgesetz vom 1. April 1961 geregelt. Statt bei der Bundeswehr engagierten sich die jungen Männer bspw. in der Pflege oder anderen sozialen Bereichen. Mit dem Aussetzen der allgemeinen Wehr- und Zivildienstpflicht zum 1. Juli 2011 endete nach 50 Jahren die Pflicht zum Zivildienst. Gleichzeitig wurde der Bundesfreiwilligendienst eingeführt. Dieser steht allen Bürgerinnen und Bürger des Landes offen.

Wichtige Konzepte

Freiwilliges Engagement wird in der aktuellen Engagementstrategie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend etwa mit „Bürgerschaftlichem Engagement“ gleichgesetzt. Freiwilliges Engagement meint damit eine freiwillige, gemeinschaftlich ausgeübte Tätigkeit, die nicht auf eine materielle Gegenleistung, sondern auf das Gemeinwohl ausgerichtet ist und im öffentlichen Raum stattfindet. Die Stärkung der Wahrnehmung bürgerschaftlichen Engagements in der Öffentlichkeit ist eines der zentralen Handlungsfelder, um Engagement zu fördern. Dieses Engagement spielt sich in vielen verschiedenen Bereichen ab: im Sport, in der Schule und dem Kindergarten, in künstlerischen und musikalischen Kontexten, im sozialen und gesundheitlichen Bereich sowie in religiösen, justiziellen und politischen Umfeldern.

Der aktuelle Freiwilligensurvey zeigt: Etwa die Hälfte der jungen Menschen in Deutschland engagiert sich freiwillig. Im Alter zwischen 14 und 19 Jahren sind 52,3% der Jugendlichen freiwillig tätig, zwischen 20 und 24 Jahren 48,8% und zwischen 25-29 Jahren noch 40,1%. Ihr Engagement konzentriert sich auf die Bereiche Sport und Bewegung, Unfall- und Rettungsdienst sowie Jugendarbeit und Bildungsarbeit für Erwachsene. 

Freiwilligendienste sind ein besonderes Feld des freiwilligen Engagements. In Freiwilligendiensten sind sehr klar geregelt und für einen bestimmten Zeitraum leisten die Freiwilligen einen hohen Stundenumfang an freiwilligem Engagement, vergleichbar mit einer Voll- oder Teilzeitbeschäftigung. Neben ihrem Beitrag für andere und für die Gesellschaft profitieren die Freiwilligen selbst von ihrem Einsatz. Die Engagementstrategie sieht eine Weiterentwicklung und Verstetigung der Freiwilligendienste vor. Auch Freiwilligendienste können in verschiedenen Engagementfeldern geleistet werden, beispielsweise im sozialen Bereich, im gesundheitlichen Kontext sowie in Sport, Kultur, Denkmalpflege, Bildung, Umwelt- und Naturschutz. 

Aufgrund ihrer besonderen Strukturierung und Bedeutung fokussiert sich dieser Beitrag zu freiwilligem Engagement Jugendlicher in Deutschland auf Freiwilligendienste. Es ist jedoch zu beachten, dass es darüber hinaus zahlreiche weitere Engagementformen und -strukturen gibt, die hier nicht vertiefend abgebildet sind. 

Dieser Artikel wurde auf www.youthwiki.eu in englischer Sprache erstveröffentlicht. Wir danken für die freundliche Genehmigung der Übernahme.

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