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Entwicklung unternehmerischer Kompetenz

Politischer Rahmen

Die unternehmerische Kompetenz bei Jugendlichen wird in den Bereichen der formalen Bildung sowie in der non-formalen Bildung durch verschiedene Ansätze und Initiativen und durch zusätzliches Engagement der Wirtschaft gestärkt. Ziel ist es, frühzeitig in der Schul- und Berufsausbildung bzw. dem Studium unternehmerische Kompetenz zu entwickeln und zu fördern. Damit kommt Deutschland auch einer Anforderung des Entrepreneurship Actionplan 2020 nach, das unternehmerische Lernen von jungen Menschen zu stärken.

Verschiedene Vereinbarungen der Kultusministerkonferenz bieten einen Rahmen für die Förderung unternehmerischer Kompetenz von Jugendlichen im Bildungsbereich. Dazu gehören:

Formale Bildung

Einbindung unternehmerischer Kompetenz in Lehrplänen

Eine nationale Strategie zur Entwicklung unternehmerischer Kompetenz bei Jugendlichen gibt es nicht. Im Rahmen der formalen Bildung ist unternehmerische Kompetenz und wirtschaftliche Bildung grundsätzlich eingebettet in bestimmte schulische Unterrichtsfächer, unter anderem Wirtschaft, Politik, Sozialwissenschaften, Arbeitslehre. Je nach Bundesland gibt es aufgrund der Länderkompetenz im Bildungsbereich Unterschiede in den einzelnen Bundesländern. Beispiele:

Wirtschaftliche und unternehmerische Bildung ist auch teilweise in Schulprojekte oder -programme und -wettbewerbe eingebunden, die außerhalb des regulären Schulunterrrichts stattfinden.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert den bundesweiten Wettbewerb „Jugend gründet“. Er richtet sich an Schüler/-innen und Auszubildende. Sie entwickeln einen Businessplan und führen ihr Unternehmen in einer Simulation zum Erfolg. Seit 2015 gibt es eine Startup Academy von „Jugend gründet“ und der WHU - Otto Beisheim School of Management, in der Schüler/-innen im Austausch mit Gründerinnen und Gründern Grundlagen für eine Unternehmensgründung lernen. Das BMBF fördert auch das Quiz „Wirtschaftswissen im Wettbewerb“, das von den Wirtschaftsjunioren Deutschland in Schulen bundesweit durchgeführt wird.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) fördert verschiedene Initiativen und Angebote zur Stärkung unternehmerischer Kompetenz, z.B.:

  • „Unternehmergeist in die Schulen“. Hier geht es um Maßnahmen zur Stärkung des Unternehmertums und der Selbständigkeit junger Leute. Schüler/-innen können erste Praxiserfahrungen bei Wirtschaftsprojekten machen und Verantwortung in eigenen Schülerfirmen übernehmen. Zudem gibt es Informationen zu Initiativen, die Unterstützung bei der Umsetzung von Wirtschaftsprojekten an der Schule anbieten.
  • „JUNIOR - Wirtschaft erleben“. Das Programm bietet bundesweit Schüler(inne)n der Sekundarstufen I und II einen rechtlichen und organisatorischen Rahmen zur Gründung von Schülerunternehmen. Es dient der Berufsorientierung, dem Erwerb von Schlüsselqualifikationen, der Förderung der Ausbildungsfähigkeit und der Berufschancen von Jugendlichen sowie der Vermittlung von Wirtschaftswissen.

Start-up BW@School ist ein Teilprojekt der baden-württembergischen Landeskampagne Start-up BW. Die Kampagne läuft seit 2017. Bei Start-up BW@School bereiten Klassen gemeinsam mit ihrer Lehrkraft ein Interview mit einer Gründerin oder einem Gründer an ihrer Schule vor. Das Projekt ist eine Kooperation der baden-württembergischen Ministerien für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau sowie Kultus, Jugend und Sport.

Einen Überblick über die Anteile wirtschaftlicher Bildung in den Lehrplänen an allgemein bildenden Schulen bietet der Bericht „Wirtschaftliche Bildung an allgemein bildenden Schulen“ der Kultusministerkonferenz (PDF 476 KB).

Informationen zum Stand der unternehmerischen Bildung in Deutschland bietet der Länderbericht Deutschland 2018/19 des Global Entrepreneurship Monitor.

Im Bereich der Berufsbildung werden je nach Ausbildungsberuf betriebswirtschaftliche Aspekte, das Zusammenhangsdenken im wirtschaftlichen Umfeld sowie Grundlagen unternehmerischer Selbständigkeit, zum Beispiel in den Lehrplänen für Einzelhandelsberufe, berücksichtigt.

Hochschulbereich

Das Angebot an deutschen Universitäten umfasst auch das Thema Unternehmerisches Denken und Handeln. Im Juni 2016 gab es in Deutschland 135 Entrepreneurship-Professuren an öffentlichen und privaten Hochschulen, vor allem in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Niedersachsen. Universitäten und Hochschulen mit Studiengängen und Angeboten zu Entrepreneurship (Education):

Bayern hat 2017 ein Programm zur Förderung unternehmerischer Bildung an verschiedenenen bayrischen Hochschulen vorgestellt, mit dem Schwerpunkt auf Digitalisierung. Gesamtbudget für die nächsten Jahre: bis zu 8,4 Millionen Euro.

Weitere Informationen zu Start-ups im universitären und im Forschungsbereich gibt es auch auf der Website EXIST.

Bewertung von Lernergebnissen

Schüler/-innen erhalten jeweils im 1. und 2. Halbjahr des Schuljahres ein Zeugnis, das ihnen den Status quo der erlangten Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten bescheinigt. Meist enthalten sie auch Beurteilungen des Arbeits- und Sozialverhaltens. Lernergebnisse für Schulfächer in der Oberstufe werden gemäß den einheitlichen Prüfungsanforderungen in der Abiturprüfung ausgewiesen, die von der Kultusministerkonferenz beschlossen wurden. Dies betrifft auch Fächer im Bereich der unternehmerischen Kompetenz und wirtschaftlichen Bildung wir Wirtschaft (PDF 936 KB) oder Sozialwissenschaften und Politik (PDF 482 KB).

Die Empfehlung der Kultusministerkonferenz zur Anerkennung und Bewertung einer außerunterrichtlichen Lernleistung in der Sekundarstufe I (PDF 40,5 KB) sieht vor, dass außerunterrichtliche Aktivitäten und außerunterrichtliches Engagement, zum Beispiel Praktika und Wettbewerbsleistungen, im Rahmen der schulischen Bildung anerkannt werden können, wenn eine Lernleistung nachgewiesen wird.

Lehrlinge und Hochschulabsolventinnen und -absolventen erhalten ein Abschlusszeugnis, wenn sie ihre Berufsausbildung bzw. ihr Studium abschließen.

Einige Universitäten bieten Zertifikate für Studierende an, wenn sie an wirtschafts- und/oder gründerbezogenen Kursen teilgenommen haben:

Partnerschaften / Netzwerke

Wirtschaftliche und unternehmerische Bildung findet auch in Zusammenarbeit mit Partnern außerhalb der Schule statt, zum Beispiel mit Unternehmen, Jugendverbänden oder öffentlichen Einrichtungen.

Netzwerke wie SCHULEWIRTSCHAFT fördern schul- und branchenübergreifend die Zusammenarbeit von Schulen und Unternehmen.

Die branchenübergreifende Interessenvertretung DIE JUNGEN UNTERNEHMER schreibt seit 1980 das Projekt „Schüler im Chefsessel“ aus. Hier wird Schüler(inne)n ein realistisches Bild des Unternehmerberufs vermittelt. Das Projekt findet als Wettbewerb unter Schüler(inne)n ab 15 Jahren von Realschulen, Gymnasien, Gesamtschulen oder Berufsfachschulen statt, die einen Unternehmer einen Tag lang in seiner Firma begleiten. Dabei lernen sie den Betrieb und die Mitarbeiter/-innen kennen, nehmen an Beratungen und Kundengesprächen teil und schreiben über ihren Praxistag einen Aufsatz. Dieser wird von einer regionalen Jury bewertet.

Das Projekt startup@school wird in verschiedenen Bundesländern angeboten (Sachsen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz). Der Innovationen in der Bildung e.V. arbeitet mit verschiedenen Partnern zusammen, z.B. den Industrie- und Handelskammern in Sachsen (Chemnitz), Rheinland-Pfalz (Rheinhessen) und Niedersachsen (Lüneburg-Wolfsburg). Ziel ist es, ökonomische Bildung und wirtschaftliche Zusammenhänge zu vermitteln.

Non-formales und informelles Lernen

Im außerschulischen Bereich engagieren sich Vereine, Initiativen und Stiftungen, um unternehmerische Kompetenz zu vermitteln. Die außerschulische, unter anderem die naturwissenschaftlich-technische, Jugendbildung trägt mit ihren Angeboten dazu bei, unternehmerische und beschäftigungsrelevante Fähigkeiten und Fertigkeiten bei Jugendlichen zu entwickeln. Wichtige Einrichtungen sind die Landesverbände für naturwissenschaftlich-technische Jugendbildung und die Technische Jugendfreizeit- und Bildungsgesellschaft (tjfbg) gGmbH.

Die Arbeitsgemeinschaft der Juniorenfirmen Deutschland e.V. möchte Schüler/-innen und Auszubildende mithilfe des Konzepts der Juniorfirma zum Thema 'Selbständige Tätigkeit' qualifizieren.

Informationen zur Rolle der Jugendarbeit im Kontext von unternehmerischem Lernen in Deutschland gibt es in der Publikation der Europäischen Union „Taking the future into their own hands. Youth work and entrepreneurial learning” (PDF 5,75 MB).

Anerkennung

Bisher gibt es kein bundesweites Anerkennungssystem für individuell erworbene informelle und non-formale Lernergebnisse. Das in Deutschland bekannteste qualitative Portfolioverfahren ist der Profil-PASS. Neben formalen Abschlüssen aus Schule und Berufsausbildung können hier auch Kompetenzen und Fähigkeiten erfasst werden, die in non-formalen und informellen Lebensbereichen erworben wurden. Die Seite „ProfilPass für junge Menschen“ richtet sich speziell an Jugendliche.

Von 2015 bis 2018 wurde die Initiative Valikom vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Ziel der Initiative war es, Standards zu entwickeln, um berufliche Kompetenzen, die sich Personen ohne Berufsabschluss im Laufe der Zeit am Arbeitsplatz und im non-formalen Bereich angeeignet haben, festzustellen. Fördervolumen: 1,5 Millionen Euro. Das entwickelte Validierungsverfahren wird seit November 2018 im Rahmen des Projekts ValiKom Transfer von 30 Kammern (Handwerk, Industrie und Handel, Landwirtschaft) in ganz Deutschland angeboten.

Das „Aktionsbündnis Anerkennung International“ setzt sich für die gesellschaftliche Anerkennung von Kompetenzen ein, die Jugendliche im Rahmen einer internationalen Maßnahme (Jugendaustausch, Freiwilligendienst etc.) erworben haben. Es möchte verschiedene Akteure aus der Zivilgesellschaft, Sozialpartner, Bildungsinstitutionen, Bund, Länder und Kommunen, Akteure der Bildungs- und Jugendpolitik sowie der Wirtschaft in einem Bündnis vereinen. Das Aktionsbündnis unterstützt beim Austausch und der Vernetzung von Akteuren im Rahmen von Aktionen und Veranstaltungen und macht die Potenziale internationaler und europäischer Jugendarbeit für junge Menschen und die Gesellschaft deutlich.

Youthpass ist das europäische Instrument zur Anerkennung non-formalen und informellen Lernens im Programm Erasmus+ JUGEND IN AKTION sowie im Europäischen Solidaritätskorps (ESK). Mit dem Youthpass können Jugendliche und Fachkräfte der Jugendarbeit die Kompetenzen, die sie im Rahmen einer geförderten Maßnahme im Programm Erasmus+ und im ESK entwickeln, festhalten und sichtbar machen. Der Youthpass basiert auf den europaweit definierten acht Schlüsselkompetenzen für Lebenslanges Lernen (PDF 453 KB). 2017 wurde er in Deutschland von 406 Organisationen in 665 Projekten genutzt. Insgesamt wurden 2017 11.641 Youthpass-Zertifikate in Deutschland (127.651 europaweit) ausgestellt. Insbesondere profitieren die jungen Menschen in den Bereichen Kompetenzentwicklung bei den sozialen, fremdsprachlichen und kulturellen Kompetenzen sowie bei der Eigeninitiative und unternehmerischen Kompetenz. Der Youthpass wird immer dialogisch und begleitet entwickelt, damit die Teilnehmer/-innen ihre eigenen Fähigkeiten besser einzuschätzen lernen. Dadurch stärkt der gesamte Youthpass-Prozess die Verantwortung für das eigene Lernen und die Persönlichkeitsentwicklung – und ist somit auch für die berufliche Kompetenzentwicklung von Bedeutung.

Informationen zum Thema Anerkennung non-formalen und informellen Lernens bietet auch der Länderbericht zu Deutschland (PDF 1,1 MB) im Rahmen der Europäischen Bestandsaufnahme zur Anerkennung non-formalen und informellen Lernens.

Das Thema Anerkennung non-formalen und informellen Lernens wird auch im Youth-Wiki-Kapitel Allgemeine und berufliche Bildung aufgegriffen.

Unterstützung von Lehrkräften im Bereich Unternehmerische Bildung

Zielgruppen: Lehrkräfte an allgemeinbildenden und Berufsschulen, Ausbilder/-innen, Anbieter im non-formalen Bereich, Fachkräfte der Jugendarbeit

Zugang zu Weiterbildung

Weiterbildung- oder auch Erwachsenenbildung ist in der Bundesrepublik Deutschland gesetzlich gere-gelt. Die Bundesländer regeln dazu die notwendigen Rahmenbedingungen. Die Aus- und Fortbildung von Lehrern ist aufgrund der Länderhoheit im Bereich Bildung ebenfalls Sache der Bundesländer. Für die Lehrerfortbildung gibt es dazu Institute der Bundesländer zur Lehrerfortbildung. Lehrkräfte und Ausbilder haben einen Anspruch auf eine bestimmte Anzahl von Fortbildungstagen pro Jahr für berufsbegleitende Fort- und Weiterbildung, um ihre Kompetenzen auf dem aktuellen Stand zu halten.

Der sogenannte Bildungsurlaub ist eine gesonderte Form der Weiterbildung. Er dient der beruflichen oder politischen Weiterbildung.

Um innerhalb eines Betriebs Auszubildende zu betreuen, müssen die entsprechenden Personen je nach Betrieb und Branche eine Ausbildungseignungs- oder Meisterprüfung absolviert haben.  

Anbieter von Fortbildungen im Bereich Unternehmerische Bildung

  • Institutionen der Lehrerfortbildung in den Bundesländern: Fortbildungen in den unterschiedlichsten Bereichen an, darunter auch wirtschafts- und unternehmensbezogene Themen,
  • Bildungswerke der Landesvereinigungen der Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände aller deutschen Bundesländer in der Arbeitsgemeinschaft der Bildungswerke der Deutschen Wirtschaft (ADBW): Fortbildungen im Kontext unternehmerischer Bildung,
  • Mitglieder des Netzwerks SCHULEWIRTSCHAFT: Lehrerfortbildungen zu Wirtschaftsthemen,
  • Initiative „Unternehmergeist in die Schulen": eTrainings zu unternehmerischer Bildung für Lehrer/-innen,
  • Team des Schülerwettbewerbs „Jugend gründet“: Webinare zur Einbindung in den Unterricht,
  • NFTE Deutschland e.V.: bundesweit dreitägige Fortbildungen für Lehrer/-innen, die am Ende eines Kurses ein Zertifikat als Certified Entrepreneurship Teacher (CET) erhalten,
  • Volkshochschulen: Weiterbildungen zu Themen der unternehmerischen Kompetenz,
  • Joachim-Herz-Stiftung: Projekte für Lernende, Lehrende und Forschende zu wirtschaftlichen Themen sowie Fortbildungen für Lehrkräfte zu unternehmerischem Denken

Informationen zur Lehrerausbildung an Hochschulen und Universitäten gibt es auch unter Hochschulbereich.

Beispiele für Websites, Handbücher etc. zu unternehmerischer Kompetenz

Dieser Artikel wurde auf www.youthwiki.eu in englischer Sprache erstveröffentlicht. Wir danken für die freundliche Genehmigung der Übernahme.

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