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Sozialpolitik / Jugendsozialarbeit

GEW: „Mehr Qualität in der Ausbildung, Aufwertung nicht dualer Berufe und Ausbildungsgarantie!“

Eine lachende junge Frau sitzt auf einer Treppe in der Stadt mit ihrem Handy in der Hand
Bild: © contrastwerkstatt - fotolia.com

Für mehr Qualität in der Ausbildung macht sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mit Blick auf die veröffentliche „Integrierte Ausbildungsberichterstattung“ des Statistischen Bundesamtes stark. Rund 180.000 junge Menschen haben im Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialwesen eine vollzeitschulische Ausbildung aufgenommen. Die GEW fordert u. a.die Aufwertung dieser nicht dualen Berufe.

„Die Zahl der Anfänger in der Berufsausbildung ist mit 723.000 weiterhin hoch. Allein knapp 180.000 junge Menschen haben im bislang wenig beachteten Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialwesen eine vollzeitschulische Ausbildung aufgenommen. Das bedeutet einen Anstieg gegenüber 2005 von 25 Prozent. Deshalb müssen diese nicht dualen Berufe dringend aufgewertet werden“, sagte Ansgar Klinger, für Berufliche Bildung und Weiterbildung verantwortliches GEW-Vorstandsmitglied, am 7. März 2019 in Frankfurt a.M.

Überprüfung der Ausbildungsqualität erforderlich

Die Zahl der Anfänger in dualen Berufen sei hingegen mit knapp 495.000 nahezu konstant geblieben. Klinger betonte, dass die Abbrecherquote in der Ausbildung bei mehr als 25 Prozent liege, in einigen Berufen sogar bei über 50 Prozent. „Das sind Fehlentwicklungen, die ein genaues Überprüfen der Ausbildungsqualität erfordern. Diese Zahlen müssen Konsequenzen haben, wenn die Große Koalition das Berufsbildungsrecht reformiert“, unterstrich der GEW-Berufsbildungsexperte.

Beschäftigungs- und Aufstiegsperspektiven für beruflich Qualifizierte nötig

Die Zahl der Studienanfänger sei mit 514.000 gegenüber dem Vorjahr nahezu konstant geblieben. Das dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieser Sektor am stärksten gewachsen sei: seit 2005 um 40 Prozent. „Das ist kein Beleg dafür, dass berufliche Abschlüsse entwertet werden“, sagte der Gewerkschafter. Diese Entwicklung sei mit dem individuellen Wunsch der Lernenden nach gesellschaftlichem Aufstieg zu erklären. Hier seien vor allem die Arbeitgeber gefordert, klare Beschäftigungs- und Aufstiegsperspektiven für beruflich Qualifizierte zu bieten und die berufliche Ausbildung attraktiver zu gestalten. Zudem müssten auch die mit einem Drittel wesentlich höheren Abbruchquoten im Hochschulbereich kritisch hinterfragt werden.

Mehr als 2,1 Millionen junge Erwachsene zwischen 20 und 34 Jahren haben keinen Berufsabschluss

„In der Debatte um die ‚Akademisierung‘ dürfen wir nicht aus dem Blick verlieren, dass mehr als 2,1 Millionen junge Erwachsene zwischen 20 und 34 Jahren keinen Berufsabschluss haben, Tendenz zuletzt sogar steigend. Das ist ein Skandal ersten Ranges. Die Bundesrepublik darf sich dies gesellschaftspolitisch, aber auch ökonomisch nicht mehr erlauben. Wir brauchen dringender denn je eine Ausbildungsgarantie“, betonte Klinger. Nachdem die Zahl der jungen Menschen im sogenannten „Übergangsbereich“ bis 2013 auf gut 250.000 gesunken sei, ist sie bis 2018 wieder auf knapp 274.000 gestiegen. Für Bildung und Qualifizierung geflüchteter älterer Jugendlicher und junger Erwachsener müssten die berufsbildenden Schulen besser unterstützt werden. Ferner solle das Deutschsprachförderkonzept des Bundes und der Länder dringend nachgebessert werden.

Hintergrundinformation

Die „Integrierte Ausbildungsberichterstattung“ informiert für die Bundes- und die Länderebene über die Zahl der Anfängerinnen und Anfänger in den „Sektoren“ der Berufsausbildung, im sogenannten Übergangsbereich sowie über den Erwerb der Hochschulzugangsberechtigung und das Studium.

Quelle: Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) vom 07.03.2019

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