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Sozialpolitik / Kinder- und Jugendpolitik

Baden-Württemberg: Ideale Vorbereitung auf Ausbildung und Beruf

Meister und Azubi vor einem Computer
Bild: © industrieblick - Fotolia.com

Junge Menschen im Land sollen eine gute Ausbildung bekommen und viele Chancen bei der beruflichen Entwicklung haben. Darum stärkt die Landesregierung den Stellenwert der beruflichen Orientierung an den Schulen und darüber hinaus. Schülerinnen und Schüler sollen informiert und gut begleitet in den Beruf starten.

Frühzeitige berufliche Orientierung und die kontinuierliche Begleitung schaffen die Grundlage dafür, dass Schülerinnen und Schüler die erforderlichen Kompetenzen für einen direkten Übergang in Ausbildung, Studium und Beruf entwickeln. Die Landesregierung nimmt dabei die berufliche Orientierung an den Schulen verstärkt in den Fokus. Schülerinnen und Schüler sollen künftig einfacher nach der Schule in eine Ausbildung wechseln. Aber auch in überbetrieblichen Bildungsstätten und der außerschulischen Bildung bekommt die Berufsorientierung mehr Gewicht. Dabei setzt die Landesregierung auf neue Ansätze, aber auch auf den Ausbau und die bessere Verzahnung bereits bestehender Konzepte.

Höherer Stellenwert für berufliche Orientierung 

Darüber hinaus stärkt die Landesregierung gezielt das berufliche Profil der Haupt- und Werkrealschulen. Ihnen kommt schon heute eine besondere Rolle bei der Berufsvorbereitung zu. „Dieses berufliche Profil wollen wir nun gezielt stärken, denn die Berufsorientierung ist der Markenkern der Haupt- und Werkrealschulen“, betont Kultusministerin Susanne Eisenmann.

Dafür wird die Zusammenarbeit mit den beruflichen Schulen intensiviert. An „Werkstatttagen“ erhalten Schülerinnen und Schüler der achten Klassen einen praktischen Einblick in Berufsschulen und konkrete Ausbildungsinhalte verschiedener Berufsbilder.

Die Neuerungen knüpfen dabei an bereits bestehende, bewährte Angebote an: etwa die kooperative Berufsorientierung, bei der die Schüler gemeinsam mit ihren Lehrkräften und mit außerschulischen Partnerbetrieben ein ganzes Schuljahr an einem gemeinsamen Projekt arbeiten, oder der Bildungsgang AVdual, der Schulabgänger ohne Ausbildungsplatz an eine duale Ausbildung heranführt.

Vorbereitung auf das Berufsleben 

Mit dem neuen Schuljahr startet außerdem an insgesamt elf Schulen im Land das Modellprojekt „Beratungsort Schule“. Berufsberaterinnen und Berufsberater der Bundesagentur für Arbeit besuchen dabei verstärkt Schulen. „Mit dem Modellprojekt kommen wir unserem Ziel, der beruflichen Orientierung an den Schulen einen höheren Stellenwert zu geben, einen wichtigen Schritt näher. Die enge Zusammenarbeit von Schule und Berufsberatung ist wichtig, um die bestehenden Angebote zur Berufsorientierung besser zu koordinieren. Denn die Schülerinnen und Schüler aller Schularten sollen rechtzeitig den für sie jeweils passenden Anschluss und dann auch Abschluss finden. Gleichzeitig können wir durch die Berufsberatung vor Ort die Lehrerinnen und Lehrer entlasten“, sagt Kultusministerin Susanne Eisenmann. Das Projekt bietet Schülerinnen und Schülern, aber auch deren Eltern, im vertrauten Rahmen einen direkten und niedrigschwelligen Zugang zur Berufsberatung. Schnell und unkompliziert können die Jugendlichen kurzfristige Anliegen zum Thema Berufsberatung klären.

Aktuell findet das Projekt in Zusammenarbeit mit den Bezirksagenturen der Agentur für Arbeit im Rems-Murr-Kreis und in Freiburg statt und ist auf zwei Jahre befristet. Bei Erfolg folgen danach weitere Agenturbezirke. Mittelfristig soll die Berufsberatung so stärker in den Schulalltag integriert werden und selbstverständlicher Bestandteil des schulischen Konzeptes zur beruflichen Orientierung vor Ort werden.

Orientierung durch praktische Erprobung von Berufen

Auch die Berufsorientierung in den überbetrieblichen Bildungsstätten in Baden-Württemberg ist der Landesregierung ein großes Anliegen. 1,9 Millionen Euro stellt das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau für Berufserprobungen im Schuljahr 2017/2018 bereit. Damit können rund 9.600 Schülerinnen und Schüler an berufsorientierenden Maßnahmen teilnehmen. „Schülerinnen und Schüler der Klassen acht und neun von Haupt-, Werkreal- Real- und Gemeinschaftsschulen erleben in rund 80 Stunden durch praktische Berufserprobung, wo ihre individuellen Stärken liegen und bekommen so realistische Vorstellungen von den Ausbildungsberufen“, erklärte Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut. Viele Jugendliche wüssten nicht, wie vielfältig die Ausbildungsberufe seien und welchen Chancen eine Berufsausbildung böte. Die frühzeitige Praxiserfahrung zeige diese Chancen und biete zudem Orientierung und Motivation für eine berufliche Ausbildung.

An den baden-württembergischen Haupt-, Werkreal- und Realschulen wurde ab Klasse sieben verbindlich eine Potenzialanalyse eingeführt. Ziel ist es, dass mehr Jugendliche eine bewusste Berufswahl treffen, ihnen der direkte Übergang von der Schule in die betriebliche Ausbildung gelingt und Ausbildungsabbrüche vermieden werden. Die Ergebnisse der Potenzialanalyse dienen als Grundlage für die anschließenden Berufserprobungen. Das Spektrum der Berufe ist dabei breit gefächert und reicht von Berufen aus den Berufsfeldern Textil, Dienstleistung, Design über Berufsfelder in der Metalltechnik und Holz bis hin zu IT- und kaufmännischen Berufen.

Ausbildungskampagne „gut-ausgebildet.de“

Die Ausbildungskampagne „gut-ausgebildet.de“ will Jugendliche und ihre Eltern für eine duale Ausbildung begeistern. Auszubildende stellen in jugendgerechten Filmen ihre Berufe vor und ein Facebook-Auftritt bietet Jugendlichen die Chance zum Dialog über Ausbildungsfragen. Träger der Kampagne ist das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau in enger Abstimmung mit den Partnern des Ausbildungsbündnisses: Landesministerien, Kammern, Verbände der Wirtschaft, Gewerkschaften und die Bundesagentur für Arbeit. „Wir müssen jungen Menschen zeigen, dass sie in einer betrieblichen Ausbildung hervorragend aufgehoben sind“, stellt Wirtschaftsministerin Hoffmeister-Kraut anlässlich eines Fachkongresses zur Ausbildungsqualität klar. Gut ausgebildete junge Menschen seien in Zeiten des Fachkräftemangels unerlässlich für die Zukunft des Wirtschaftsstandortes Baden-Württemberg.

Auch nach der Entscheidung für eine Berufsausbildung ist die Begleitung junger Menschen der Landesregierung ein Anliegen. Um bei Auszubildenden und Betrieben die Motivation für die Ausbildung hochzuhalten, müsse Ausbildungsabbrüchen vorgebeugt werden. Dafür sorgen beispielsweise Ausbildungsbegleiterinnen und Ausbildungsbegleiter. Damit es erst gar nicht so weit kommt, sollen Schülerinnen und Schüler in der Lage sein „ihre Interessen und Fähigkeiten realistisch einzuschätzen. Sie sollen passende Berufsausbildungen kennen und sich erfolgreich bewerben können,“ so die Wirtschaftsministerin.

Weitere Informationen zur Vorbereitung auf Ausbildung und Beruf in Baden-Württemberg finden sich auf der Webseite des Landesjugendministeriums. 

Hintergrund

Informationen zur bundesweiten Rahmenvereinbarung über die Zusammenarbeit von Schule und Berufsberatung finden sich auch auf dem Fachkräfteportal der Kinder- und Jugendhilfe. Die Rahmenvereinbarung zwischen Kultusministerkonferenz und Bundesagentur für Arbeit war erst kürzlich erneuert worden und regelt die Zusammenarbeit von Schule und Berufsberatung. 

Quelle: Ministerium für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg vom 09.10.2017