Kinder- und Jugendpolitik / Nachhaltigkeit

Internationales Youth Hearing beim Weltjugendtag in Panama

Teilnehmende des Youth Hearings auf dem Weltjugendtag in Panama in der Diskussion
Bild: © Jürgen Escher / Adveniat

Rund 200.000 junge Menschen aus 155 Ländern feiern vom 22. bis 27. Januar 2019 beim Weltjugendtag in Panama und leben gemeinsam ihren Glauben. Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) veranstaltete zum Weltjugendtag ein Youth Hearing, bei dem 250 Jugendliche aus Deutschland ihre Forderungen zum Umweltschutz und zu den Rechten indigener Völker formulierten.

„Zu träumen ist sehr wichtig, aber wir müssen anfangen, unsere Träume in die Tat umzusetzen – hier in Panama und in der ganzen Welt.“ Das hat Eidigili Gypsi Valiente zum Abschluss des internationalen Youth Hearings vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und dem Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat, das am Mittwoch, 23. Januar 2019, stattfand, gesagt. Zu dieser jugendpolitischen Veranstaltung waren 250 deutsche Weltjugendtagspilger in den Veranstaltungsraum im Museo de Canal in der Altstadt von Panama-Stadt gekommen. „Wir haben alle etwas gemeinsam, das ist unser gemeinsames Haus“, sagte die 24-Jährige. „Wir müssen beginnen, unser gemeinsames Haus zu schützen!“, lautete der eindringliche Appell der jungen Frau vom indigenen Volk der Kuna. „Ihr habt viel mehr Chancen als wir – deshalb nutzt eure Möglichkeiten“, sagte sie zu den Jugendlichen aus Deutschland. Jeder zehnte Kuna in Panama lebt in Armut oder extremer Armut. In vier Gruppen hatten die Teilnehmer der Veranstaltung zuvor gearbeitet und Forderungen aufgestellt. Diese lauteten in der Arbeitsgruppe von Eidigili Gypsi Valiente: Bildungschancen für indigene Jugendliche schaffen; die indigenen Völker beim Erhalt der Natur unterstützen und beim Weltjugendtag ein sichtbares Zeichen für die Bewahrung der Schöpfung setzen.

Forderungen zum Umweltschutz und den Rechten indigener Völker

Adveniat-Geschäftsführer Stephan Jentgens versprach den Jugendlichen, ihre Forderungen zum Thema Umweltschutz während der Amazonas-Synode, die im Oktober im Vatikan stattfindet, über das panamazonische Netzwerk Repam mit einzubringen. Repam (Red Eclesial PanAmazónica), das länderübergreifende, kirchliche Netzwerk für die Rechte der indigenen Völker, wurde 2014 von Bischöfen, Priestern, Ordensleuten und Laien aus dem Amazonasgebiet gegründet. Zudem werde das Hilfswerk das Thema beim Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Panama, Uwe Wolfgang Heye, und der deutschen Bundesregierung vorbringen, weil es noch immer ein Skandal sei, die ILO 169 der Vereinten Nationen zu unterzeichnen, aber nicht durch den Deutschen Bundestag zu bringen. Die UN-Konvention ILO Nummer 169 ist das einzige verbindliche internationale Abkommen zum Schutz indigener Völker und garantiert beispielsweise, dass diese Völker angehört werden müssen, wenn auf ihrem Gebiet Rohstoffe ausgebeutet werden.

Wertschätzung füreinander und gegenüber der Umwelt

Vier Selbstverpflichtungen sprach BDKJ-Bundespräses, Pfarrer Dirk Bingener, aus: Der BDKJ würde sich dazu verpflichten, über die große soziale Ungerechtigkeit in Panama zu informieren und sich dafür einzusetzen, dass Deutschland wieder monetäre Entwicklungshilfe in Panama leiste. Zudem werde sich der BDKJ dafür stark machen, dass mehr junge Menschen über den Freiwilligendienst „weltwärts“ die Chance bekämen, Länder wie Panama kennenzulernen. Im Rahmen der 72-Stunden-Aktion werde der Jugendverband tatkräftig an einer gerechteren Welt mitbauen und sich in Deutschland auch für nachhaltiges Handeln der katholischen Kirche einsetzen.

Vom Youth Hearing habe die 26-jährige Tina Büttner aus Forchheim mitgenommen, dass die Bedürfnisse von Jugendlichen in Panama und Deutschland gar nicht so unterschiedlich seien: „Es geht darum, akzeptiert zu werden, in den offenen Dialog zu treten und Minderheiten zu akzeptieren, man selbst sein zu dürfen und angenommen zu werden, so wie man ist.“ Dafür brauche es ganz viel Wertschätzung: „Wertschätzung gegenüber einander und Wertschätzung gegenüber der Umwelt“, sagte die Erzieherin sowie Kinder- und Jugendtherapeutin. Um eine andere Welt zu ermöglichen, müsse Platz für Dialog geschaffen werden: „Das wollen wir nicht nur, sondern wir leben es auch.“

Hintergrund

Vom 22. bis 27. Januar 2019 findet in Panama der XXXIV. Weltjugendtag statt. Er steht unter dem Leitwort „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast“ (Lk 1,38). Rund 200.000 junge Menschen aus 155 Ländern, darunter rund 2.300 aus Deutschland, feiern und leben gemeinsam ihren Glauben. Sie beschäftigen sich zudem mit der sozialen Realität des Landes.

Am 22. Januar 2019 hatten jugendliche Pilger aus dem Erzbistum Hamburg eine indigene Gemeinde am Stadtrand von Panama-Stadt besucht. Sie sprachen mit Bischof Dr. Stefan Oster SDB (Passau), Vorsitzender der Jugendkommission der Deutschen Bischofskonferenz und dem deutschen Botschafter in Panama Uwe Wolfgang Heye, mit Jugendlichen aus dem Volk der Kuna. Weitere Informationen zum Treffen mit den Kuna finden sich beim BDKJ.

Bisherige internationale Weltjugendtage fanden unter anderem in Krakau (2016), Rio de Janeiro (2013), Madrid (2011), Sydney (2008) und Köln (2005) statt. Weitere Informationen zum Weltjugendtag stehen beim BDKJ zur Verfügung und unter www.wjt.de.

Quelle: Bund der Deutschen Katholischen Jugend vom 24.01.2019

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