Kinder- und Jugendpolitik / Sozialforschung

Arme Kinder in reichen Ländern – OECD-Kurzstudie zum Internationalen Tag gegen Armut

Eine Jugendliche im Kapuzenpullover sitzt allein auf dem Boden und schaut ernst
Bild: © Mr Korn Flakes - fotolia.com

In den meisten OECD-Ländern sind Kinder stärker von Armut betroffen als die Gesamtbevölkerung. Gleichzeitig hat die Kinderarmut seit der Wirtschaftskriese 2008 in 2/3 der OECD-Länder zugenommen. So das Ergebnis einer OECD-Kurzstudie zum Internationalen Tag gegen Armut am 17. Oktober. Die Autoren empfehlen Anreize über die Steuer- und Sozialsysteme, um Kinder dauerhaft vor Armut zu schützen.

Kinder sind einem höheren Armutsrisko ausgesetzt 

Die Studie zeigt, dass unter den OECD-Ländern in der Slowakei die Kinderarmut zwischen 2007 und 2015-16 mit 5,4 Prozentpunkten am stärksten gestiegen ist. Auch in Ländern wie Frankreich, Ungarn, Griechenland, Italien, Litauen und Schweden hat im gleichen Zeitraum der Anteil der Kinder, der in relativer Armut lebt, deutlich zugenommen. 

Heute lebt in OECD-Ländern durchschnittlich fast jedes siebte Kind in relativer Armut, wobei Kinder oft einem höheren Armutsrisiko ausgesetzt sind als andere Bevölkerungsgruppen. Besonders hoch sind die Raten in Chile, Israel, Spanien, der Türkei und den Vereinigten Staaten, wo mehr als jedes fünfte Kind in Einkommensarmut lebt. Das ist fast siebenmal so viel wie in Dänemark. 

Kinder von Alleinerziehenden besonders betroffen 

Besonders stark hat das Armutsrisiko bei Kindern zugenommen, die nur mit einem Elternteil leben: 39 Prozent zählen im Jahr 2014 im OECD-Durchschnitt als arm, mehr als 4 Prozentpunkte mehr als noch in 2007. Kinder, die mit nur einem Elternteil leben, sind im OECD-Durchschnitt fast dreimal so häufig arm wie Kinder mit zwei Elternteilen. Armut betrifft aber auch Kinder, die mit beiden Eltern aufwachsen. So sank beispielsweise das Einkommen von Kindern in Zwei-Eltern-Familien im unteren Viertel der Einkommensverteilung in zehn Ländern, darunter Griechenland, Irland, Ungarn, Großbritannien und Spanien.

Der Studie zufolge könnte Kinderarmut durch einen gezielten Fokus auf benachteiligte Kinder deutlich verringert werden. Gleichzeitig empfehlen die Autoren, über das Steuer- und Sozialsystem Anreize zu setzen, dass beide Eltern erwerbstätig sind, um Kinder dauerhaft vor Armut zu schützen. Zudem sollte nach der Elternzeit der Zugang zu einer erschwinglichen ganztägigen Kinderbetreuung verbessert werden, damit einkommensschwache Eltern in Beschäftigung bleiben und Vollzeit arbeiten können.

Der OECD-Policy Brief „Poor children in richt countries - why we need policy action“ (PDF, 662) steht bei der OECD zum Download zur Verfügung. 

Das OECD Child Well-Being Portal gibt außerdem umfangreiche Informationen rund um die Themen Kindheit, Wohlbefinden und Chancengerechtigkeit für alle Kinder. 

Quelle: Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung vom 16.10.2018

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