Familienpolitik / Sozialpolitik

Ausbildung: In Teilzeit zum Berufsabschluss

Klassensituation: Junge Frau schreibt
Bild: © Moritz Wussow - Fotolia.com

Werden junge Leute während ihrer Ausbildung Eltern, brauchen sie Unterstützung, um die Ausbildung fortzusetzen. Ebenso Mütter und Väter kleiner Kinder oder junge Menschen mit Behinderung, die einen Ausbildungsplatz suchen. Ihnen ermöglicht die Teilzeit-Ausbildung den Berufseinstieg, teilt die Bundesregierung mit.

"Es ist schade, dass die Fähigkeiten von Müttern nicht gesehen und genutzt werden, sondern dass man gleich aussortiert wird." so resümiert Anita L. ihre Erfahrungen in Bewerbungsverfahren. Sie ist 26 Jahre alt und hat zwei Kinder. Ihre Bewerbungen auf einen Ausbildungsplatz im Büro wurden meist abgelehnt. Bei der Telekom konnte sie nun als IT-Systemkauffrau anfangen – als Teilzeit-Auszubildende.

Ausbildung flexibel organisieren

Hier gibt es viel Potenzial. Die Telekom und die Bundesagentur für Arbeit haben daher neue Wege in die Berufsausbildung gebahnt. Seit 2011 werben sie in einem Pilotprojekt gezielt alleinerziehende Mütter und Väter mit SGB II-Hintergrund (Hartz IV) als Fachkräftenachwuchs. Kinder dürfen kein Grund dafür sein, dass sich junge Eltern nicht qualifizieren können.

Bei der Telekom haben in den letzten zwei Jahren insgesamt 33 junge Mütter eine Teilzeit-Ausbildung begonnen. Statt 34 Stunden in der Woche verbringen sie 25 Stunden im Betrieb. So bleibt Zeit für die Familie. Ihr Lernprozess wird intensiv begleitet. Die Ausbilderinnen und Ausbilder helfen auch bei persönlichen Schwierigkeiten. Die Abschlussprüfung findet ganz normal nach drei Jahren statt.

"In der "normalen" Ausbildung müssen sich die Auszubildenden nach dem Betrieb richten. Bei uns richtet sich der Betrieb nach den Auszubildenden. Wir informieren die Partner im Betrieb ausführlich und planen die Anwesenheitszeiten flexibel. Es gibt konkrete Absprachen. Dadurch sind wir auf ganz offene Arme gestoßen. In der Praxis gibt es bei der Teilzeit-Ausbildung keine Einschränkungen." So sieht es Dorit Krinelke, die stellvertretende Leiterin des Ausbildungszentrums der Telekom in Berlin.

Karriere auch mit Kind

Wer alleinerziehend ist, hat gelernt, vieles gleichzeitig zu organisieren. Alleinerziehende sind belastbar: loyale und engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Anita L. hat durch die Ausbildung bei der Telekom ihre technische Begabung entdeckt. "Wie gut ich lerne, hängt davon ab, wie ich mich mit der Betriebskraft verständige", sagt sie. "Wenn ich etwas nicht verstehe, hake ich immer mit einer Frage nach. Aber ich denke, die Betriebskraft geht auch anders mit mir um, weil die ja auch wissen, dass ich darauf angewiesen bin, alles in etwas kürzerer Zeit gut zu verstehen."

Julia E. ist 36 Jahre, ihr Kind ist drei Jahre alt. Nach der Elternzeit hat sie den beruflichen Neustart gewagt. "Die Bezahlung im Friseurberuf ist so schlecht, dass ich immer auf ergänzende Unterstützung angewiesen war", sagt die gelernte Frisörin. "Und das fand ich so schlimm, dass ich mir nicht vorstellen wollte, so auf Dauer weiter zu leben." Sie hat sich im öffentlichen Dienst beworben. Beim Bundesumweltministerium macht sie eine Teilzeitausbildung zur Fachangestellten in der Bürokommunikation.

"Zuerst habe ich Vollzeit gearbeitet. Das war schlimm für meinen Sohn, denn er war immer der letzte, der aus der Kita abgeholt wurde", blick Julia E. zurück. "Dann habe ich es so gemacht, dass er der erste war. Aber Einkaufen und Haushalt stehen ja auch noch an. Ich habe dann den Ausbildungsleiter beim Bundesverwaltungsamt auf Teilzeit angesprochen." Dieser habe das gleich befürwortet und bewilligt. "Und auch meine Ausbilderin hat sofort gesagt, sie steht hinter mir. Ich arbeite jetzt am Tag eine Stunde weniger und habe dadurch mehr Luft", so die Auszubildende.

Ausbildung erleichtert, weil es Behinderte schwerer haben

Weil sie durch eine Behinderung eingeschränkt ist, hat Ellen J. eine Teilzeitausbildung vereinbart. Die 21-Jährige hat eine Muskelerkrankung. Sie ist teilweise auf den Rollstuhl angewiesen. Statt acht Stunden arbeitet sie sechs Stunden im Betrieb. Sie macht eine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten. Die Arbeitsabläufe sind ihren Anwesenheitszeiten angepasst. "Die Ausbildungsleitung und die Personalstelle setzen sich sehr für mich ein. Ich habe großes Glück." Die anderen Auszubildenden finden es in Ordnung, dass sie kürzere Anwesenheitszeiten hat. "Die sehen ja, dass ich es dafür an anderer Stelle schwerer habe."

Teilzeitausbildung

2005 wurde das Berufsbildungsgesetz Handwerksordnung reformiert und die Teilzeitausbildung auf eine rechtliche Grundlage gestellt. Die tägliche oder wöchentliche Ausbildungszeit kann reduziert werden, wenn ein "berechtigtes Interesse" vorliegt. Dabei muss nicht die Gesamtdauer der Ausbildung verlängert werden. Die Auszubildenden können ebenfalls nach drei Jahren ihre Abschlussprüfung absolvieren.

Quelle: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung vom 07.02.2013