Bildungspolitik / Ganztagsbildung

Abschlussbericht „School Turnaround“: Wie gelingt die Wende an Schulen in kritischer Lage?

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Über vier Jahre wurden im Pilotprojekt „School Turnaround - Berliner Schulen starten durch“ Unterstützungsangebote für Schulen in sozialen Brennpunkten erprobt. Mit dem jetzt erschienenen Abschlussbericht legt die Robert Bosch Stiftung eine Zusammenfassung vor. Die daraus abgeleiteten Empfehlungen sollen andere Bundesländer bei der Arbeit mit Schulen in kritischer Lage unterstützen.

„Wenn Schulen in sozialen Brennpunkten ihren Bildungsauftrag nicht mehr erfüllen können, leiden darunter vor allem die Kinder, die bereits durch ihre Herkunft benachteiligt sind“, sagt Uta-Micaela Dürig, stellvertretende Vorsitzende der Geschäftsführung der Robert Bosch Stiftung. „Deshalb sind wir dieses komplexe Thema gemeinsam mit unserem Partner angegangen. Das war keine leichte Aufgabe, aber es hat sich gelohnt.“ Einfache Rezepte für einen School Turnaround gebe es allerdings keine. So sei beispielsweise die zeitnahe Besetzung und Stärkung der Schulleitung entscheidend, aber nicht ausreichend für nachhaltige Veränderungsprozesse. „Ohne verlässliche Routinen und Prozesse geht es nicht. Dafür braucht es die vertrauliche und selbstverständliche Zusammenarbeit zwischen Schulleitung, Schulaufsicht, Schulträger und ministerieller Steuerungsebene“, so Dürig.

Vom Pilotprojekt ins Regelsystem - Maßnahmen in Berlin

An dem Kooperationsprojekt nahmen von 2013 bis 2017 zehn Berliner Schulen in sozialen Brennpunkten teil, die an die Grenze ihrer Handlungsfähigkeit gelangt waren. Gemeinsam mit der regionalen Schulaufsicht, dem Bezirk, ihrem externen Prozessbegleiter und den Projektpartnern arbeiteten sie an Zielen, die sie sich zu Beginn selbst gesetzt hatten. Im Fokus standen dabei die vier Bereiche Unterrichtsentwicklung, Schulmanagement, Schulkultur und Leistungsergebnisse.

„Nach dem Projektende im Juli 2017 haben die Schulen die eingeleiteten Veränderungen stabilisiert und weitergeführt“, sagt Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres. „Zur ihrer Unterstützung wurden Stellen für Verwaltungsleitungen eingerichtet und das Berliner Unterstützungssystem proSchul ausgebaut. Damit ist auch eine konzeptionelle Weiterentwicklung von proSchul verbunden, in die Erkenntnisse aus dem Projekt unmittelbar Eingang finden. Mit dem vorliegenden Ergebnisbericht werden die Berliner Erfahrungen auch anderen deutschen Großstädten zur Verbesserung der Schulqualität in sozialen Brennpunkten zur Verfügung gestellt.“

Stärkung des mittleren Managements und mehr Kooperation unter Lehrern

Wissenschaftlich begleitet wurde das Projekt durch Prof. Dr. Stephan Huber und ein Team der Pädagogischen Hochschule Zug (Schweiz). Für die Evaluation wurden in drei Erhebungszeiträumen über 720 Fragebögen ausgefüllt und mehr als 280 Interviews geführt. So konnten die Wissenschaftler beispielsweise zeigen, dass neben der Schulleitung insbesondere das mittlere Management mit erweiterter Schulleitung und Fach- und Jahrgangsstufenleitern an Bedeutung gewonnen hat. Auch die Kooperationskultur schätzten die Lehrkräfte gegen Ende des Projekts deutlich positiver ein, als noch zu Beginn. So wurden unter anderem feste Zeiten für Konferenzen, Team- und Dienstbesprechungen eingeführt, die vor dem Projekt entweder gar nicht oder nur eingeschränkt vorhanden waren. Auch das Betriebsklima und die Arbeitszufriedenheit haben sich an den Schulen im Verlauf des Projekts verbessert.

Entwicklungsnetzwerk bringt Bundesländer zusammen

Mit dem Abschlussbericht werden die Erkenntnisse aus Berlin und die aus der wissenschaftlichen Begleitung abgeleiteten Empfehlungen auch anderen Bundesländern zur Verfügung gestellt. Um die bundeslandübergreifende Zusammenarbeit und den Wissenstransfer zu ermöglichen, hat die Robert Bosch Stiftung bereits 2016 das „Entwicklungsnetzwerk zur Unterstützung für Schule in kritischer Lage“ ins Leben gerufen, in dem sich Vertreter von Schulverwaltungen, Schulaufsichten und Landesinstituten aus sieben Bundesländern kontinuierlich austauschen und gemeinsam Lösungsansätze weiterentwickeln. Seit 2017 bietet die Stiftung zudem eine Fachtagreihe an, die sich gezielt an Praktiker in Unterstützungssystemen und Wissenschaftler im Feld richtet.

Hintergrund zum Projekt

Am Berliner Projekt nahmen sieben Integrierte Sekundarschulen und drei Grundschulen teil. Die Bilanz zum Projektabschluss im Juli 2017 fiel deutlich positiv aus: Gemessen an ihren individuellen Zielen haben alle zehn Schulen eine Schulwende erreicht. So konnten beispielsweise der Unterrichtsausfall und die unentschuldigten Fehltage der Schüler gesenkt werden, den meisten teilnehmenden Integrierten Sekundarschulen gelang es, die Schulabbrecherquote zu senken. Am wirksamsten war der Einsatz von Prozessbegleitern an jeder Schule, die beim Aufbau geeigneter Team- und Steuerstrukturen geholfen haben. Insgesamt standen im Projektverlauf über 1,9 Millionen Euro zur Verfügung, um die Schulen in ihrer Schulentwicklung zu unterstützen.

Den Abschlussbericht und weitere Informationen zum Projekt sind verfügbar unter: www.bosch-stiftung.de/schoolturnaround

Quelle: Robert Bosch Stiftung GmbH vom 27.09.2018

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