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Amani. sieh nicht zurück!

Cover der Publikation mit Titel und Zeichnung einer dreiköpfigen syrischen Familie auf der Flucht
neuDENKEN Media UG

Handlungsfeld:

  • Kinder- und Jugendarbeit
  • Kinder- und Jugendschutz
  • Andere Aufgaben
  • Kindertagesbetreuung
  • Hilfen zur Erziehung
  • Förderung der Erziehung in der Familie
  • Jugendsozialarbeit

Materialienkategorie: Monographie / Buch

Medientyp: Print

Strukturebene: Bund

Kurzbeschreibung:

Amani, sieh nicht zurück ist ein zweisprachiges, deutsch-arabisches Kinderbuch über die Flucht aus Syrien und den Neubeginn in Deutschland. Wir lernen ein kleines Mädchen und seine Familie kennen. Amani mag ihr Leben, wie es ist. Sie mag, ihren Freund Binan, mit dem sie sich gerne zum Fußballspielen trifft, ihre Schule und ihre Katze. Aber der Krieg verändert alles, die Familie flieht nach Deutschland und es dauert lange, bis ihr neues Leben wirklich beginnen kann.

In einfacher Sprache und Illustration, sachlich-beschreibend, aber nicht schockierend wird dargestellt, was Krieg und Flucht bedeuten. Ein Mädchen, das gestern noch fröhlich spielte und gar nicht wusste, dass Gefahr im Verzug ist, erlebt unvorbereitet Angst, Zerstörung und Ungewissheit, und auch ihre Eltern können sie davor nicht schützen. Plötzlich ist die Stadt zerstört und wie ausgestorben, der Schulweg ist gefährlich, die Schule wird angegriffen. „Spät in der Nacht liegt Amani in ihrem Bett. Sie kann nicht schlafen. Sie zittert vor Angst. Immer wieder hört sie Schüsse und Explosionen“ (S. 34). Dann holt ihr Vater sie aus dem Bett, Amani läuft mit ihren Eltern in die Nacht: Die Flucht hat begonnen.

Aber nicht nur der Krieg ist schrecklich, die Flucht ist es auch. Amani und ihre Eltern verstecken sich im Feld, erleben Hunger und Durst, leben zunächst in einem Flüchtlingscamp im Libanon: „In einem Zelt wohnen sie zusammen mit anderen Familien. Es wird durch Holzlatten und Autoreifen auf dem Dach zusammengehalten. Die Zeltplanen sind aus Lebensmittelsäcken. Damit sie beim Wind nicht davonfliegen, liegen Steine auf dem Rand. Wellblechtoiletten, die aussehen wie Litfasssäulen, stehen davor. Die Kinder aus dem Libanon spielen nicht mit Amani. (…) Sie will nur noch weg von diesem schrecklichen Ort“ (S. 48). Dann geht es weiter in einem Boot über das eiskalte Meer, schließlich kommt die Familie in Deutschland an, wo sie wieder mit anderen zusammen in einem Zelt wohnt: „Amani friert. Das Essen schmeckt nicht. In ihrer Heimat war alles anders. Amani vermisst ihr Zuhause. (…) Heute darf Amani zum ersten Mal in Deutschland in die Schule gehen. Zuerst freut sie sich. Aber dann hat sie schreckliche Angst vor den fremden Kindern. Sie versteht ihre Sprache nicht“ (S. 56). Nach Krieg und Flucht geht es nun um das innere Ankommen und darum, das Erlebte zu verarbeiten. „Den ganzen Tag rutscht Amani nervös auf ihrem Stuhl hin und her. Sie sieht immer wieder aus dem Fenster. Sie beobachtet den Himmel aus Angst vor Flugzeugen“ (S. 56) Schließlich findet Amani eine Freundin in Deutschland, aber vor allem „Frieden, den sie sich so sehr gewünscht hat“ (S. 64).

Die Erzählung wirkt vollkommen echt und authentisch, und sie ist es in gewisser Weise auch. Denn das Buch ist entstanden aus einem Projekt an einer Schule in Bayern (FOSBOS Schwandorf), in dem es um den Austausch von Schülerinnen und Schülern mit und ohne Fluchterfahrung ging. Aus vielen einzelnen Geschichten entstand dann in Kooperation mit dem Verlag neuDENKEN Media und der Horsch-Stiftung dieser Band, der sozusagen viele Anteile aus einzelnen echten Geschichten und Erlebnissen zu einer Gesamterzählung verschmilzt.

Der Band kann in vielerlei Hinsicht helfen, Brücken zu bauen. Amanis Flucht wird in deutscher und arabischer Sprache erzählt, und lädt so zum gemeinsamen Lesen ein. Die Geschichte gibt denen eine Stimme, die vielleicht Ähnliches erlebt haben, aber darüber nicht sprechen wollen oder können. Und ermöglicht den anderen, sich vorzustellen, was Krieg und Flucht bedeuten. Allerdings ist es wichtig, den dafür richtigen Zeitpunkt und die richtige Situation zu wählen – dies müssen Eltern und Fachkräfte gut abschätzen.

Gelesen von Annegret Erbes

Schlagworte:
Entwicklungspsychologie, Integration, Integrativer Unterricht, Unterricht, Zuflucht, Flüchtling, Krieg, Traumapädagogik, Trauma

Herausgabedatum: 2016

Sprache: deutsch, andere

Link zum Material:
http://neudenken-media.de/produkt/amani-sieh-nicht-zurueck/

Autor/-in bzw. Herausgeber/-in der Materialien:
Katrin Holle (Autorin)

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