Kindertagesbetreuung / Sozialpolitik

Kita-Kosten: Länder äußern sich zur Elternbefragung „ElternZOOM“

Drei Kinder sind auf einer Wiese und tragen lächelnd eine Kiste mit Plastiflaschen
Bild: rawpixel.com

Die Studie „ElternZOOM“ der Bertelsmann Stiftung zum Thema Kita-Kosten zeigt unter anderem, dass Eltern in Schleswig-Holstein durchschnittlich 9% ihres Einkommens für den Kita-Besuch ihrer Kinder aufwenden, im bundesweiten Vergleich ist dies der höchste Wert. Reformen zur Entlastung von Eltern sind wie in Schleswig-Holstein auch in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen auf den Weg gebracht worden. In Mecklenburg-Vorpommern soll eine komplette Beitragsfreiheit ab 2020 durchgesetzt und in Niedersachsen ab 1. August 2018 der Kindergarten beitragsfrei sein.

Schleswig-Holstein

Studie bestätigt Kitareform Schleswig-Holsteins: Qualität steigern, Eltern entlasten

Zur veröffentlichten Studie „ElternZOOM“ der Bertelsmann Stiftung zum Thema Kita-Kosten betont Familienminister Dr. Heiner Garg: „Die Studienergebnisse bestätigen voll den eingeschlagenen Weg dieser Landesregierung bei der Kitareform. Mein Ziel heißt: Elternbeiträge runter, Kita-Qualität rauf! Das sind zwei wichtige Kernpunkte der gemeinsam mit den Partnern eingeleiteten Reform in Schleswig-Holstein. Wir wollen die Elternbeiträge deckeln und so Eltern spürbar entlasten. Zugleich stärken wir die Qualität deutlich und zwar bereits in diesem Jahr. Für den Kita-Bereich stellen wir rund eine halbe Milliarde Euro an zusätzlichen Mitteln bis zum Jahr 2022 bereit. Konkrete Verbesserungen für Familien, Kitas und Kommunen sind mein Ziel und ein Schwerpunkt der Landesregierung“.

Zudem gebe die Studie Rückenwind für Schleswig-Holsteins Anstrengungen gegenüber dem Bund für mehr Engagement im Kita-Bereich. Minister Garg hatte dazu einen Antrag auf der Jugend- und Familienministerkonferenz eingebracht, der eine deutliche Zustimmung der Länder fand. „Wenn der Bund es ernst meint mit Verbesserungen in den Kitas und mit Elternentlastung, muss er dies auch entsprechend finanziell hinterlegen!“, so Garg. Die Bertelsmann Stiftung kritisiert im Hinblick auf die geplante Kita-Finanzierung des Bundes ein „Auseinanderklaffen zwischen Anspruch und Wirklichkeit“.

Die Stiftung hatte im Rahmen des jährlichen Ländermonitors eine Studie zur finanziellen Belastung von Eltern durch Kita-Beiträge und zur Beitragsfreiheit veröffentlicht. Hierzu wurden bundesweit 10.491 Eltern befragt, deren Kinder in Kindertageeinrichtungen betreut werden. Von den befragten Eltern kamen 615 aus Schleswig-Holstein. Laut Umfrage-Ergebnis wenden Eltern in Schleswig-Holstein durchschnittlich 9% ihres Einkommens für den Kita-Besuch ihrer Kinder auf. Dies ist im bundesweiten Vergleich der höchste Wert. Zugleich ist laut Studie den Eltern die Qualität in den Kindertageseinrichtungen wichtiger als eine vollkommene Beitragsfreiheit. Dies gelte auch für die Mehrheit der Eltern in Schleswig-Holstein, so das Ergebnis.

Damit trifft die in Schleswig-Holstein eingeleitete Reform die ermittelten Bedürfnisse: Neben einer Entlastung von Eltern durch eine Deckelung der Beiträge und der Entlastung der Kommunen steht die weitere Verbesserung der Qualität in den Einrichtungen im Fokus der hier eingeleiteten Kitareform. Einhergehend soll diese mit einer deutlichen Vereinfachung des Finanzierungssystems. Die rund 500 Millionen Euro an zusätzlichen Mitteln werden bereits ab diesem Jahr gezahlt. Die Finanz-Reform soll 2020 umgesetzt werden.

Hintergründe zur Reform in Schleswig-Holstein und weitere Informationen sind zu finden auf den Themen-Seiten  "Kindertagesstätten - Bildung für die Kleinsten".

Mecklenburg-Vorpommern

Von Beitragsfreiheit profitieren Haushalte mit geringem Einkommen überproportional

Für Mecklenburg-Vorpommern wird sichtbar, dass die finanzielle Belastung bezogen auf den Anteil am Haushaltsnettoeinkommen der Eltern verhältnismäßig hoch ist. Hauptgrund dafür sind die im Bundesvergleich niedrigeren Löhne und Gehälter.

„Unser Stufenplan zur Elternbeitragsfreiheit ist genau deshalb richtig“, erklärte Sozialministerin Stefanie Drese am 28. Mai in Schwerin. „Von der Geschwisterkindentlastung 2019 und der kompletten Beitragsfreiheit ab 2020 für die Kindertagesförderung profitieren Eltern mit geringem Einkommen überproportional und besonders. Das ist sozialpolitisch gewollt und für die frühkindliche Bildung sinnvoll“, so Drese.

Nach der „ElternZOOM-Studie“ zahlen in Mecklenburg-Vorpommern neun von zehn Eltern zwischen 0,4 Prozent und 23,1 Prozent ihres Einkommens für KiTa-Beiträge und Zusatzgebühren. Drese: „Das belegt deutlich, wie wichtig, die von der Landesregierung auf den Weg gebrachte Beitragsfreiheit für unsere Eltern ist. Wir entlasten damit Gering- und Normalverdiener erheblich und sorgen für Chancengerechtigkeit im Bereich der frühkindlichen Bildung für alle Familien.“ Im bundesweiten Durchschnitt müssen laut Studie Eltern, die über weniger als 60 Prozent eines durchschnittlichen Einkommens verfügen, fast 10 Prozent ihres Einkommens für den Kita-Besuch ihrer Kinder entrichten. Bei Eltern oberhalb der Armutsrisikogrenze sind es nur rund 5 Prozent.

Als interessantes Meinungsbild bewertet Ministerin Drese die Befragungsergebnisse zur Bereitschaft von Eltern, höhere Beiträge für eine Verbesserung der Qualität zu zahlen. „Ich warne allerdings davor, Qualität und Beitragsfreiheit gegeneinander auszuspielen“, sagte Drese. „Wir müssen in beiden Bereichen vorankommen. Genau das tun wir in Mecklenburg-Vorpommern, z.B. mit der verstärkten Fachkräftedeckung durch unsere neue praxisorientierte  Erzieher/-innen-Ausbildung speziell für 0-10-Jährige.“

Niedersachsen

Frühkindliche Bildung: Teilhabe, mehr Plätze, mehr Fachkräfte und mehr Qualität gehen in Niedersachsen Hand in Hand

Zum ElternZOOM sagt der Niedersächsische Kultusminister Grant Hendrik Tonne:  „Es ist gut und richtig, dass die neue Studie der Bertelsmann-Stiftung den Fokus auf die Qualität in den Kindertagesstätten legt. Die Schlussfolgerung - erst eine Verbesserung der Qualität, dann die Beitragsfreiheit im Kindergarten - halte ich hingegen für falsch.

Ab 1. August 2018 wird der Kindergarten in Niedersachsen beitragsfrei. Das ist eine gute Entscheidung für die Familien in unserem Land! Bildung darf kein Luxusgut sein und Bildung beginnt in unseren Kindertagesstätten. Kein Kind darf aus finanziellen Gründen von frühkindlicher Bildung ausgeschlossen werden. Denn das ist ein zentrales Ergebnis der Bertelsmann-Studie: Kita-Ausgaben belasten Eltern, deren Einkommen unterhalb der Armutsrisikogrenze liegt, doppelt so stark wie wohlhabendere Eltern. Ich freue mich daher sehr, dass wir in der vergangenen Woche zu einer Einigung mit den Kommunalen Spitzenverbänden gekommen sind, die den Weg frei macht für die Beitragsfreiheit zum neuen Kindergartenjahr. Damit ist in Niedersachsen zukünftig sichergestellt, dass alle Kinder an frühkindlicher Bildung im Kindergarten teilhaben können.

Ich habe aber auch immer deutlich gemacht, dass es sich bei der Frage von Gebührenfreiheit und Qualitätsverbesserungen nicht um ein Entweder-oder, sondern um ein Sowohl-als-auch handelt. Wir haben deshalb mehrere Schritte bereits in die Wege geleitet. Für weitere Qualitätsverbesserungen ist es unerlässlich, dass wir mehr Fachkräfte für unsere Kindertagesstätten gewinnen. Jetzt Qualitätsverbesserungen zu fordern, ohne den Weg aufzuzeigen, wie wir zu mehr Fachpersonal kommen, macht keinen Sinn. Wir haben daher im März den Niedersachsen-Plan für mehr Fachkräfte in den Kindertageseinrichtungen vorgestellt. Wir wollen die Zahl der Ausbildungsplätze weiter steigern, eine dualisierte Form der Ausbildung ermöglichen, das Schulgeld abschaffen und den Quereinstieg erleichtern. Bereits heute befinden sich mehr als 14.000 junge Menschen in Niedersachsen in der Ausbildung zum Erzieher bzw. zur Erzieherin. Das sind so viele wie nie zuvor!

Darüber hinaus haben wir im Rahmen der Einigung mit den Kommunalen Spitzenverbänden zugesagt, aus den Bundesmitteln für die nächsten drei Jahre 61 Millionen Euro für weitere Investitionen und Qualitätsverbesserungen zur Verfügung zu stellen. Damit können Personalaufstockungen ebenso finanziert werden wie der weitere Ausbau von Betreuungsplätzen. Hieran werden wir anknüpfen.

Zu diesen wichtigen Themen möchte ich auch den Dialog mit den Trägern der Kindertageseinrichtungen sowie Vertreterinnen und Vertretern aus der Praxis im Rahmen eines neu zu gründenden Forums Kita suchen. Den Eltern in Niedersachsen ist eine gute Qualität der frühkindlichen Bildung wichtig - und dies völlig zurecht! Wir haben das Thema Qualität deshalb fest im Blick und werden weiter intensiv an Verbesserungen arbeiten."

Über ElternZOOM

Weitere Informationen zum ElternZOOM, einer repräsentativ angelegte Befragung von Kita-Eltern, die von infratest dimap im Auftrag der Bertelsmann Stiftung durchgeführt wurde, sind der Berichterstattung auf dem Fachkräfteportal zu entnehmen sowie auf den Seiten des Ländermonitors frühkindliche Bildungssysteme zu finden.

Quelle: Ministerium für Soziales, Gesundheit, Jugend, Familie und Senioren des Landes Schleswig-Holstein / Ministerium für Soziales, Integration und Gleichstellung Mecklenburg-Vorpommern / Niedersächsisches Kultusministerium vom 28.05.2018

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