Kindertagesbetreuung

Kongress »Bewegte Kindheit« ging nach drei Tagen zu Ende

Mit einem alle Sinne ansprechenden Finale ging jetzt der Kongress „Bewegte Kindheit“ in Osnabrück zu Ende. Er konnte, so Kongress-Leiterin Prof. Dr. Renate Zimmer, „wichtige Impulse für den Reformprozess in der frühkindlichen Bildung geben“.

Im Fokus des von der Universität Osnabrück und dem Niedersächsischem Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe) ausgerichteten Kongresses stand die Bewegung als Motor für die gesamte Bildung und Persönlichkeitsentwicklung von Kindern. Drei Tage lang konnten die 3.000 Teilnehmenden in rund 180 Vorträgen, Seminaren und Workshops hierzu neue wissenschaftliche Erkenntnisse sowie konkrete Ansätze für die Praxis in Krippe, KiTa oder Frühförderung kennen lernen und diskutieren.

Angesichts einer regelrechten Flut isolierter Förder- und Bildungsangebote bot der Kongress auch Gelegenheit, sich auf den Kern der frühkindlichen Bildung zu besinnen, die Bundespräsident Christian Wulff in seiner Eröffnungsrede „als das wichtigste Anliegen für die Zukunft unseres Landes“ herausgehoben hatte.

„Bindung, Soziale Interaktion, Bewegung, Spiel und Freiräume“ sind grundlegend für die Entwicklung und Bildung der Kinder“ resümierte Prof. Dr. Renate Zimmer, die auch Direktorin des nifbe ist. Bewegung sei dabei als elementare Handlungs- und Ausdrucksform der Kinder ein idealer Katalysator für die Entwicklung sozialer, emotionaler und kognitiver Basis-Kompetenzen. Sie forderte die Bewegung ebenso wie die Sprache als Querschnittthema in die Kita-Bildungspläne der Länder aufzunehmen und entsprechende Schwerpunkte in der Aus- und Weiterbildung von Erzieherinnen und Erziehern zu setzen. „Nur so bekommen wir wirklich in vielerleich Hinsicht starke und kompetente Kinder“.

Die Bedeutung der Bewegung auch für geistige Leistungen untermauerte auf dem Kongress der international bekannte Neurowissenschaftler Prof. Dr. Manfred Spitzer. Er zeigte auf, dass Bewegung die Neuronen und Synapsen wachsen lässt und dass ein Lernen in und mit Bewegung – z.B. bei Latein-Vokabeln – wesentlich effektiver ist.

Aus bildungspolitischer Sicht sah Prof. Dr. Dr. Dr. Wassilos Fthenakis das „Bildungssystem vor der größten Herausforderung seiner Geschichte.“ Er plädierte für einen bundesweiten Bildungsplan für die KiTas, der dann in föderaler Verantwortung „im Wettkampf um die besten Ressourcen und Ideen“ umzusetzen sei. Er verwies auf eine gravierende Schieflage bei der Finanzierung des deutschen Bildungssystems: „Dort, wo die volkswirtschaftliche Rendite am höchsten ist, nämlich in der frühkindlichen Bildung, wird am wenigsten investiert“. Fthenakis markierte Bildung als „das Ergebnis von sozialen Interaktionen und Diskursen, als ko-konstruktiven Prozess.“ Der „Schlüssel für eine höhere Effizienz der Bildungsinstitutionen“ sei die „Qualität der Interaktionen und der Prozesse.“

Als Vertretung des Kultusministeriums verwies Regierungsdirektorin Helga Weber in der Abschlussveranstaltung auf ein „breit gefächertes Maßnahmenpaket zur Bewegungsförderung“ in Niedersachsen und hob die zentrale Bedeutung der „Querschnittaufgabe Sprachentwicklung und Sprachförderung“ heraus.

Die Sprachförderung bildete auch einen Schwerpunkt des Kongresses „Bewegte Kindheit“ - von der Sprachförderung durch Lieder, Rhythmus, Musik und Tanz bis zur psychomotorischen und bewegungsbasierten Sprachförderung. So stellte Prof. Dr. Renate Zimmer auch ihr Projekt „Sprachförderung durch Bewegung“ vor, an dem im Osnabrücker Raum 50 Krippen und KiTas teilnehmen. Neueste Evaluations-Ergebnisse zeigten dabei im Vergleich zu den Kontrollgruppen signifikante Steigerungen der teilnehmenden Kinder im Bereich der aktiven Sprachkompetenz, in Wortschatz und Grammatik sowie in der Kommunikationsfreudigkeit insgesamt. „Besonders erfreulich ist“, so Zimmer, „dass dieser Ansatz gerade auch bei Kindern mit Migrationshintergrund starke positive Effekte hat und somit auch zu einer gelungenen Integration beitragen kann.“

Am Schluss des Kongresses wurde die Kongress-Leiterin und ihr Team aus 100 studentischen MitarbeiterInnen von den begeisterten TeilnehmerInnen mit Standing Ovations gefeiert. 2013 soll der 8. Kongress „Bewegte Kindheit“ in Osnabrück stattfinden.

Das nifbe wird durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) von 2008 - 2012 mit insgesamt 5,5 Millionen Euro jährlich gefördert. nifbe e.V. ist als An-Institut an der Universität Osnabrück verankert.

Mehr Informationen:

 http://bewegtekindheit.de/

Quelle: Niedersächsisches Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe)

 

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