Kindertagesbetreuung / Qualifizierung

Anzahl der männlichen Fachkräfte in hessischen Kitas steigt

Ein kleiner Junge liest auf dem Schoß seines Vaters
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Die Zahl der männlichen Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen ist in Hessen gestiegen. Das erklärte der Hessische Sozialminister Stefan Grüttner. Der Anteil männlicher Fachkräfte lag im Jahr 2011 bei rund 5,3 Prozent. Damit liege Hessen deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt von rund 3,5 Prozent.

Noch 2007 lag der Anteil der männlichen Fachkräfte in Hessen bei 4,3 Prozent. „Hier haben wir in den letzten Jahren eine klare Steigerung erreichen können“, lobte der Sozialminister.

In Deutschland seien im Jahr 2011 insgesamt 14.575 männliche Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen beschäftigt gewesen; in Hessen waren davon 1.907 tätig. Bundesweit arbeiten somit rund 1.300 Männer mehr in Kitas als im Vorjahr. In Hessen stieg die Zahl im gleichen Zeitraum um 90 männliche Fachkräfte an. Vor allem in hessischen Städten konnten guten Fortschritte erzielt werden. In Frankfurt betrug der Anteil männlicher Erzieher 2011 bereits über 10 Prozent; auch Kassel (9,4 Prozent) und Darmstadt (7,0 Prozent) näheren sich der zweistelligen Marke.

In den kommenden Jahren könne ein weiterer Anstieg des Anteils männlicher pädagogischer Fachkräfte in Hessen erwartet werden, stellte Sozialminister Grüttner fest. „Die Entwicklung des Männeranteils an den hessischen Fachschulen für Sozialpädagogik ist besonders gut. Der Anteil der Männer in der Ausbildung wächst stärker als die gesamt Anzahl der Personen in der Erzieher/innenausbildung“, so Grüttner weiter. Im Schuljahr 2011/12 habe ein allgemeiner Zuwachs von 13,4 Prozent bei den Schülerzahlen stattgefunden. Bei den männlichen Schülern lag der Zuwachs im gleichen Schuljahr bei 20 Prozent.

"MEHR Männer in Kitas"

Hessen sei im Bereich der Fachkräftegewinnung – auch männlicher Fachkräfte – besonders aktiv. Daher sei es erfreulich, dass sich zwei Projekte aus Hessen an dem Programm „MEHR Männer in Kitas“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend beteiligen, berichtete Sozialminister Grüttner. Durch dieses Programm sollen Ideen zur Gewinnung männlicher Fachkräfte für Kitas entwickelt und erprobt werden. Das Modellprogramm läuft bis 2013. „Hessen ist mit zwei Projekten sehr gut vertreten – bundesweit gibt es insgesamt 13 Projekte“, sagte Grüttner. In der Landeshauptstadt Wiesbaden erproben in einem trägerübergreifenden Verbund sieben Kindertageseinrichtungen Ansätze zur geschlechtersensiblen Erziehung, der Lebenswelt von Männern in Kitas, dem Arbeitsplatz Kita als jungengerechter Bildungs- und Erlebnisort, der Öffnung von Kitas für Väter sowie der Öffentlichkeitsarbeit und Stärkung des Berufsbilds des Erziehers. Außerdem ist die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau mit 26 evangelischen Kindertageseinrichtungen in dem Programm vertreten. Sie arbeiten am Aufbau eines regionalen Netzwerks zur Gendersensibilisierung, mit dem eine nachhaltige Genderkompetenz beim pädagogischen Fachpersonal erzielt werden soll.

"Kinder brauchen auch männliche Vorbilder"

Trotz des erfreulichen Anstiegs der Zahl der männlichen Erzieher in Hessen seien jedoch weitere Anstrengungen aller beteiligten Akteure nötig, um die erzielten Erfolge zu festigen und weiter zu entwickeln, betonte Grüttner. „Mit Blick auf einen erfolgreichen Erziehungsprozess ist es wichtig, dass Kinder Bezugspersonen und Vorbilder haben. Gerade bei der Betreuung und Bildung in der frühen Kindheit sind auch männliche Bezugspersonen für die Sozialisation wichtig“, betonte der Sozialminister und forderte Jungen und Männer auf, sich für den Erzieherberuf zu engagieren.

In den nächsten Jahren sei ein Mehrbedarf an Fachkräften in den Kindertageseinrichtungen zu erwarten, hob der Sozialminister hervor. „Das Hessische Sozialministerium hat bereits im Jahr 2011 eine bundesweit modellhafte Untersuchung des Forschungsverbunds Deutsches Jugendinstitut/TU Dortmund gefördert, um so den Bedarf an Fachkräften in Hessen anhand valider Daten diskutieren zu können“, berichtete Grüttner. Die Studie zeige, dass bis zum Rechtsanspruch für die Betreuung von unter dreijährigen Kindern im Jahr 2013 hessenweit von einem Fehlbedarf von 3.520 Fachkräften auszugehen sei. „Die Untersuchung rückt bundesweit erstmals auch regional zu erwartende Entwicklungen in den Mittelpunkt“, betonte Sozialminister Grüttner.

Initiativen zur Deckung des Fachkräftebedarfs

Zur Deckung des Fachkräftebedarfs in Kindertageseinrichtungen gebe es vielfältige Initiativen der Landesregierung, die teilweise bundesweiten Modellcharakter besitzen, wie die Werbe- und Imagekampagne „GROSSE Zukunft mit kleinen HELDEN – Werde Erzieherin / Erzieher!“ zur Stärkung der Anerkennung und Werbung für den Erzieherberuf oder die Öffnung der Fachschulen für Sozialpädagogik zur beruflichen Qualifizierung von als arbeitssuchend gemeldeten Personen. Das Hessische Sozialministerium habe den hessischen Fachschulen für Sozialpädagogik zur Förderung von Quereinsteigerinnen und –einsteigern das Angebot zur Kostenübernahme der Zertifizierung entsprechend der Anerkennungs- und Zulassungsverordnung Weiterbildung gemacht. „Dieses Angebot wurde von der Mehrzahl der Fachschulen angenommen. Dies ist ein wichtiger Schritt zur Öffnung und Erweiterung des Ausbildungsangebots.“ Rund zwei Drittel von insgesamt 33 Fachschulen für Sozialpädagogik in Hessen verfügen über das Zertifikat oder befinden sich im Zertifizierungsprozess. „Damit liegt Hessen bundesweit an der Spitze“, unterstrich Grüttner.

Dass diese Initiativen erfolgreich seien, zeige sich am gewachsenen Interesse an der Erzieherausbildung. In den vergangenen Jahren seien die Ausbildungszahlen an den sozialpädagogischen Fachschulen in Hessen kontinuierlich gestiegen. Im Schuljahr 2004/2005 waren noch 4.084 Schülerinnen und Schüler an den hessischen Fachschulen. Im Schuljahr 2011/2012 wurden über 6.100 Schülerinnen und Schüler ausgebildet. „Damit liegen wir auf einem historischen Höchststand“, so der Sozialminister. Von den Auszubildenden werden dem Arbeitsmarkt im Sommer 2013 über 2.000 Erzieherinnen und Erzieher zur Verfügung stehen. Dies sind gute Voraussetzungen, um dem Bedarf an Fachkräften gerecht zu werden.“

Quelle: Hessisches Sozialministerium vom 14.09.2012

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