Jugendsozialarbeit / Ganztagsbildung

BAG Evangelische Jugendsozialarbeit fordert flächendeckende Absicherung von Schulsozialarbeit

Trauriger Junge sitzt auf Treppe
Bild: © Jörg Rautenberg - Fotolia.com

Immer weniger Jugendliche verlassen die Schule ohne Abschluss - das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Die Abbrecher/-innen-Quote (im Jahr 2010 waren es 6,5%) sinkt im Schneckentempo, mancherorts scheitert fast jeder siebte Jugendliche in der Schule. Und: Es gibt eine erschreckend große Gruppe von Problem- oder Risikoschüler(inne)n, die seit zehn Jahren ziemlich stabil bei 15 bis 20 Prozent liegt.

In Deutschland wird der Zugang zu Bildung entscheidend von der sozialen Herkunft geprägt. Benachteiligte Kinder und Jugendliche sind oft diejenigen, die in den vorhandenen Regelsystemen von Schule scheitern. Daher fordert die Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugendsozialarbeit (BAG EJSA) eine flächendeckende Absicherung der Schulsozialarbeit mit Qualitätskriterien.

Schulschwänzen – Wo liegen die Probleme?

Die Kinder- und Jugendlichen, die ganz oder häufig die Schule „schwänzen“, stehen im Mittelpunkt der im Rahmen des Kooperationsverbundes Jugendsozialarbeit von der BAG Evangelische, der BAG Katholische Jugendsozialarbeit und dem Paritätischen Gesamtverband organisierten Fachveranstaltung „Die Wiederentdeckung der Schule … durch junge Menschen ermöglichen“ am 17. und 18. April in Berlin. Forschungen zur Ursachenanalyse und wirksame Angebote aus der Praxis der Jugendsozialarbeit stehen hier im Mittelpunkt.

Im Eröffnungsreferat, der mit über 100 TeilnehmerInnen gut besuchten Veranstaltung beschreibt Dr. Thomas Heckner von der Flex-Fernschule in Oberrimsingen (www.flex-fernschule.de), wie Schule zur Resilienzbildung von jungen Menschen beitragen kann - gerade auch bei denen, die vermeintlich nicht gerne zur Schule gehen. Das gelingt, wenn Schule zu einer zweiten Heimat wird, LehrerInnen sich interessieren, herausfordern, ohne zu überfordern, wenn positive Erfahrungen ermöglicht werden und Schulaktivitäten angeboten werden, die das Selbstvertrauen stärken und Berufs- und Lebensziele erreichbar machen.

Irene Hofmann-Lun von Deutschen Jugendinstitut in München belegt durch empirische Studien, dass Schulschwänzen den Übergang von Schule in Arbeit erschwert, dass aber durch gezielte Maßnahmen in Kooperation zwischen Lehrkräften, SozialpädagogInnen und weiteren Partnern diese Erschwernis aufgebrochen werden kann.

Schulsozialarbeit: Ein Handlungsfeld mit Zukunft

Schulsozialarbeit hat sich als eine besonders intensive und wirksame Form der Kooperation von Jugendhilfe und Schule in der Praxis bewährt und in den vergangenen Jahren kontinuierlich weiterentwickelt. Nach Angaben der Kinder- und Jugendhilfestatistik ist die Anzahl der Fachkräfte, die bei öffentlichen und freien Trägern der Jugendhilfe für Schulsozialarbeit zuständig sind, deutlich gewachsen (siehe auch 14. Kinder- und Jugendbericht, Seite 329 ff, http://www.dji.de/bibs/14-Kinder-und-Jugendbericht.pdf).

Der 14. Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung stellt die Arbeit mit „schulmüden und schulverweigernden“ jungen Menschen als zentrale Aufgabe der Schulsozialarbeit, als institutionalisierter Form der Kooperation von Jugendhilfe und Schule in den Vordergrund. Daneben werden jedoch auch auf die nicht schulbezogenen Angebote der Schulsozialarbeit verwiesen. Es geht vorrangig um eine präventive Ausrichtung. Hierin kommt der Schulsozialarbeit die eigenständige Rolle zu, die Schule mit sozialpädagogischer Kompetenz zu bereichern. Die Stärkung der Persönlichkeitsentwicklung und die Entwicklung von Bewältigungsstrategien nennt der Bericht als wesentliche Aufgabe der Schulsozialarbeit. Er sieht auch belegt, dass sich Schule verändern muss. Der Bericht bestätigt die wichtige Rolle der Schulsozialarbeit und unterstreicht die Forderungen der BAG EJSA nach einer kontinuierlichen und stabilen Kooperation von Jugendhilfe und Schule. Die Verantwortung muss bei der Jugendhilfe liegen.


Es gibt jedoch nicht die Schulsozialarbeit. Bedingt durch sehr unterschiedliche Rahmenbedingungen und Zuständigkeiten in den einzelnen Bundesländern und durch eine oft löcherige Patchwork-Decke der Finanzierung, sieht sie in den einzelnen Ländern und Kommunen immer wieder anders aus. Sie ist von einer Vielfalt von Definitionen, Konzepten und Qualitätskriterien geprägt. Und sie kämpft um ihre Kontinuität.

Der BAG EJSA ist es im vergangenen Jahr gelungen, in diesem differenzierten und unübersichtlichen Feld einen verbandlichen Konsens herzustellen. In der Standortbestimmung zur Schulsozialarbeit (www.bagejsa.de/publikationen-und-downloads/downloads/positionierungen/) ist aus Sicht der Evangelischen Jugendsozialarbeit dargestellt, wie Schulsozialarbeit organisiert, gestaltet und ausgestattet sein soll.

Schulsozialarbeit aus Sicht der BAG EJSA

Schulsozialarbeit als ein zentrales Element einer umfassenden Schulentwicklung und das Zusammenspiel von Lehrkräften der Regelschulen und der SonderpädagogInnen hat in der neu gestalteten Schule ihren festen Platz. Sie ist ein kontinuierliches professionelles Angebot der Jugendhilfe, das von sozialpädagogischen Fachkräften am Ort Schule vorgehalten wird.

Schulsozialarbeit findet nach dem Verständnis der BAG EJSA hauptsächlich in dem Zeitfenster statt, in dem Unterricht an der Schule stattfindet. Sie setzt weitgehend präventiv an, beinhaltet ein niedrigschwelliges sozialpädagogisches Angebot und organisiert im Kontext Schule Bildungsprozesse, die sowohl die Vermittlung sozialer Kompetenzen als auch die schulischen und berufsbezogenen Qualifikationen zum Ziel haben. Die Angebote der Schulsozialarbeit berücksichtigen in einem ganzheitlichen Ansatz die verschiedenen Lebensbereiche der Schülerinnen und Schüler, deren Situation in der Familie, die Freizeit und die Anforderungen seitens des Schulsystems.

Quelle: Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugendsozialarbeit e.V. (BAG EJSA)

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