Kinder- und Jugendschutz / Digitalisierung und Medien

Junge Menschen wirken engagiert und gelassen im Umgang mit Hassrede im Netz

Eine Grafik zum Thema Cyber-Mobbing
Bild: © thingamajiggs - Fotolia.com

Neue forsa-Zahlen zur Wahrnehmung von Hassrede im Netz zeigen: 14- bis 24-Jährige sind von Hassrede am stärksten betroffen und geben überdurchschnittlich häufig an, Hasskommentare gemeldet zu haben. Gleichzeitig nimmt das Entsetzen über Hasskommentare ab.

Hassrede im Netz bleibt ein gesamtgesellschaftliches Problem. Ihre Wahrnehmung ist von 2016 bis 2018 gestiegen und bleibt seither unverändert hoch (2020: 73%). Die Altersgruppe der 14- bis 24-Jährigen begegnet Hassrede dabei überdurchschnittlich häufig. 94 Prozent der jungen Befragten geben an, Hassrede im Netz schon mal erlebt zu haben. Im 5-Jahresvergleich lassen sich nun deutliche Entwicklungen in der Altersgruppe der 14- bis 24-Jährigen erkennen.

Jüngere Befragte heben sich deutlich ab

Die jüngeren Befragten heben sich insgesamt deutlich ab – sowohl von anderen befragten Altersgruppen als auch im Jahresvergleich innerhalb ihrer Altersgruppe. Haben vor fünf Jahren nur 34 Prozent der Befragten schon einmal einen Hasskommentar gemeldet, so sind es im Jahr 2020 bereits 67 Prozent. Zugleich sehen die Befragten in dieser Altersgruppe in der Befassung mit Hasskommentaren, über die Jahre kontinuierlich zunehmend, eine Zeitverschwendung (2020: 64%; 2016: 47%) und interessieren sich nicht dafür (2020: 49%; 2016: 27%). Überdurchschnittlich häufig befassen sich 14- bis 24-Jährige zudem mit Hasskommentaren, weil sie diese unterhaltsam finden (25%; gesamt nur 16%).

Fazit der Befragung

„Insgesamt machen uns die aktuellen Zahlen zwei Dinge deutlich: Wir haben das Problem der Hassrede im Netz noch nicht im Griff. Gleichzeitig sind es vor allem die jüngeren Internetnutzerinnen und -nutzer, die Hasskommentare melden und gegen sie aktiv werden. Es muss uns gemeinsam gelingen, ein klares Zeichen gegen Hass und Hetze im Netz zu setzen, um auch zukünftig das Internet als demokratisches Medium zu schützen“, kommentiert Dr. Tobias Schmid, Direktor der Landesanstalt für Medien NRW, die Auswertung der forsa-Befragung.

Weiterhin besteht auch die deutliche Diskrepanz zwischen der Wahrnehmung von Hassrede und derer, die angeben, sie schon einmal verbreitet zu haben. Insgesamt 38 Prozent der Befragten geben an, dass es im Netz häufiger Hasskommentare als sachliche Meinungsäußerungen gibt. Unter den 14- bis 24-Jährigen sind sogar 50 Prozent der Befragten dieser Meinung. Zugleich geben nur ein Prozent der Befragten an, bereits Hassrede verbreitet zu haben (5% in der Altersgruppe der 14- bis 24-Jährigen).

Weitere Informationen

Im Rahmen der Initiative „Verfolgen statt nur Löschen“ arbeiten Staatsanwaltschaft, Medienunternehmen und Medienaufsicht in NRW aktiv zusammen, um das Internet vor Hass und Hetze zu schützen. Sie setzen sich gemeinsam für die Verfolgung strafrechtlich relevanter Hasskommentare ein. Diese können im Rahmen von „Verfolgen statt nur Löschen“ zur Anzeige gebracht werden. Auch Einzelpersonen können sich mit Hasskommentaren an die Landesanstalt für Medien NRW wenden.

Die Ergebnispräsentation (PDF, 226 KB) sowie der Ergebnisbericht (PDF, 306 KB) der forsa-Befragung zu Hassrede im Netz stehen zum Download zur verfügung.

Quelle: Landesanstalt für Medien NRW vom 10.06.2020

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