Kinder- und Jugendschutz

Ist eine leichte Ohrfeige okay? Studie zum Schutz von Kindern vor Gewalt und Missbrauch in Österreich erschienen

Ängstlicher Junge sitzt auf Treppe
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Die Ergebnisse der von den möwe-Kinderschutzzentren veröffentlichten repräsentativen Studie zum Thema "Bewusstsein und Einstellungen der Österreicher/-innen zum Thema Gewalt und Missbrauch an Kindern“ zeigen, dass der Schutz von Kindern vor Gewalt aktuell ist und notwendig bleibt. Auch wenn immerhin 95 % der österreichweit 1.000 Befragten die "Tracht Prügel" vom Vater eindeutig als Gewalt benennen, wird eine leichte Ohrfeige von lediglich 34 % als gewaltvolle Handlung eingestuft.

Manche Formen der Gewalt würden trotz mehr als 25-jährigem Gewaltverbot in der Erziehung noch immer verharmlost, meint Hedwig Wölf, Geschäftsführerin und fachliche Leitung der möwe Kinderschutzzentren. Doch es gibt durchaus positive Aspekte aus dieser Studie, denn so Wölfl weiter: "Mut macht uns, dass Menschen, die mit Kindern in einem Haushalt leben deutlich sensibilisierter sind und es in dieser Gruppe immerhin 42% sind, die auch eine leichte Ohrfeige als Gewalt einstufen."

Aufklärungsbedarf sieht Wölfl vor allem im Bereich psychischer Gewalt und emotionaler Vernachlässigung, denn bei Fragen nach psychischen Gewaltformen wie dem Anschweigen des Kindes oder Bloßstellen vor den Freunden wird deutlich, dass hier das Problembewusstsein nach wie vor nicht ausgeprägt ist. Nur 26% beurteilen das Szenario "Eltern sprechen zur Strafe länger nicht mehr mit ihrem achtjährigen Kind" eindeutig als Gewalt. "Die negativen Auswirkungen von Kommunikationsverweigerung auf das Kindwerden massiv unterschätzt", sagt Hedwig Wölfl, "denn wenn Kinder nicht lernen wie Konflikte konstruktiv und gewaltfrei gelöst werden können, wenn sie nicht im Alltag erfahren, dass Darüberreden – nämlich das gegenseitige Zuhören und Erklären –hilft, wird es später immer schwieriger mit zwischenmenschlichen Schwierigkeiten respektvoll umgehen zu lernen."

Viel Verwirrung und scheinbare Verunsicherung gibt es in Bezug auf sexuelle Gewalt an Kindern. Hier werden eindeutige Situationen wie Geschlechtsverkehrmit Kindern oder das Zeigen von pornografischen Bildern auch eindeutig klassifiziert, aber in Bezug auf Themen wie sexuelle Aufklärung von Kindern, gemeinsames Nacktbaden oder sich nackt vor Kindern zu zeigen, wurden sehr unterschiedliche Antworten gegeben. "Es kann sein, dass das, was in der einen Familie als normal empfunden wird, in anderen Familienstrukturen unmöglich ist" meint Wölfl, "trotzdem werden wir nicht müde zu betonen, wie wichtig alters-und zeitgerechte sexuelle Aufklärung im Sinne der Prävention ist. Kinder, die sich selbst und ihren Körper gut kennen, können besser erkennen und benennen, wenn jemand übergriffig wird oder ihnen zu nahe kommt."

Die Studie, die bereits 2009 und 2012 zum gleichen Thema durchgeführt wurde, fragt auch nach den Wünschen im Kampf gegen körperliche, psychische und sexuelle Gewalt an Kindern sowie den eigenen Gewalterfahrungen in der Kindheit.

Weitere Informationen: www.die-moewe.at

Quelle:  möwe-Kinderschutzzentren

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