Schweiz

Im Einsatz gegen Gewalt an Kindern – mit dem Plüschmonsterli „EMMO“

Ein Mädchen versteckt die Augen hinter den Händen. Im Hintergrund ein Mann und eine Frau, beide mit verschränkten Armen
Bild: Gerd Altmann – pixabay.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Durchschnittlich gibt es in jeder Schulklasse ein Kind, das regelmäßig körperliche Gewalt in der Erziehung erlebt. Um den Betroffenen zu helfen, hat der Kinderschutz Schweiz ein neues Hilfsmittel lanciert: das Plüschmonsterlein „EMMO“. Damit sollen Kinder Gefühle leicht und ohne Worte zum Ausdruck bringen können – denn es gibt immer eine Alternative zur Gewalt.

Die Studie „Bestrafungsverhalten von Eltern in der Schweiz“ der Universität Freiburg im Üechtland belegt, dass körperliche und psychische Gewalt an Kindern Teil des Alltags ist. Jedes zwanzigste Kind wird zu Hause regelmäßig körperlich bestraft. Gar jedes vierte Kind erfährt regelmäßig psychische Gewalt. Kinderschutz Schweiz hat sich zum Ziel gesetzt, Gewalt an Kindern zu reduzieren. Zu diesem Zweck ist nun ein neues Hilfsmittel beim Kinderschutz Schweiz erhältlich: das Plüschmönsterli „EMMO“.

Und wer ist „EMMO“?

  • Einfache Kommunikation ohne Worte

EMMO ist eine Plüschfigur, die im Ausgangszustand über beide Wangen lacht. Das auf dem fröhlich bunten Körper aufgenähte rote Herz signalisiert: Mir geht es gut! Wird EMMO jedoch umgestülpt, so verwandelt sich das „Mönsterli“. Ein tristes, graues Antlitz kommt zum Vorschein. Das Lachen ist vergangen, die Mundwinkel weit nach unten gezogen und das rote Herz in zwei Stücke zerbrochen. Damit kommuniziert das Kind auf einfache Art, dass es ihm nicht gut geht. Der Name EMMO leitet sich vom Wort Emotion ab.

  • Alle Gefühle sind erlaubt, aber nicht alle Handlungen

„Oft übersehen Eltern in stressigen Alltagssituationen die Gefühle ihrer Kinder oder die Kinder können diese nicht in Worte fassen. Das Mönsterli hilft den Kindern zu zeigen, wie es ihnen geht und den Eltern, emotionale Situationen zu erkennen, bevor diese eskalieren“, so Regula Bernhard Hug, Leiterin Geschäftsstelle von Kinderschutz Schweiz.

EMMO ist ein einfaches, aber effektives Instrument zur Deeskalation. Die Plüschfigur stärkt die Eltern-Kind-Beziehung im entscheidenden Moment und sorgt für eine gute Beziehung der Eltern zum Kind und diese ihrerseits verhindert Gewalt.

„Sind Eltern zu stark mit den eigenen Gefühlen beschäftigt, vermittelt EMMO bevor die Gewalthandlung passiert“, so Bernhard Hug.

  • In der Schweiz gefertigt

Das kleine Plüschmonster wurde vollständig in der Schweiz designt und hergestellt. „Social Fabric“ – eine unabhängige Non-Profit-Organisation, die sich für Arbeitsintegration und Ausbildung von Menschen mit Fluchthintergrund in der Schweiz einsetzt – entwickelte den Prototypen und war zusammen mit der Ausbildungsstätte „Nähwerk IDM“ in Thun verantwortlich für die Näharbeiten. „EMMO“ ist auf kinderschutz.ch zum Selbstkostenpreis von 38 Franken erhältlich.

Weitere Präventionsangebote

Neben EMMO unterstützen insbesondere die Elternkurse des Programms Starke Eltern – Starke Kinder® Erziehende dabei, angespannten Situationen vorzubeugen und sie konstruktiv und gewaltfrei zu lösen. Die Angebote verbessern die Beziehung zu den Kindern, was zu einem gelasseneren Familienalltag beiträgt. Bis Ende 2021 werden noch rund 20 Kurse für Eltern angeboten und auch 2022 wird dieses Programm weitergeführt, neue Kurse werden laufend online aufgeschaltet. Neben dem vierteiligen Elternkurs gibt es auch thematische Workshops oder Onlineaustausche, die zum Beispiel unter dem Titel „Geschwisterstreit“, „Pubertät“ oder „Wege aus der Stressfalle“ stehen und spezifisches Wissen vermitteln. Einige Kurse werden in der ganzen Schweiz physisch vor Ort angeboten, andere wiederum finden kostenlos online statt.

Gewaltfreie Erziehung durch das Gesetz unterstützen

Erziehen ohne Gewalt braucht auch ein starkes Signal von Gesellschaft und Politik. Das Recht auf gewaltfreie Erziehung im Gesetz schafft Klarheit für die Erziehenden und hat Signalwirkung. Ein solch positives Signal kam diesbezüglich aus dem Nationalrat in der Herbstsession: dieser sprach sich erstmals klar für die Einführung des Rechts auf gewaltfreie Erziehung aus. Nun liegt der Ball, voraussichtlich in der Wintersession, beim Ständerat.

Weitere Materialien

Die Studie Bestrafungsverhalten von Eltern in der Schweiz sowie Bild- und Videomaterial zur Präventionskampagne „Starke Ideen – Es gibt immer eine Alternative zur Gewalt“ sind auf der Website des Kinderschutz Schweiz zu finden.

Quelle: Kinderschutz Schweiz vom 27.10.2021