Drogenbeauftragte

„Die Pandemie stellt Suchthilfesystem vor eine Jahrhundertaufgabe“

Eine Frau trinkt hochprozentigen Alkohol und sitzt sehr traurig vor der Falsche und einer brennenden Zigarette im Aschenbecher.
Bild: © nenetus - fotolia.com

Die Hilfe für Suchtkranke, ihre Familien und Kinder muss weitergehen, so die Drogenbeauftragte Daniela Ludwig bei der Vorstellung ihres Jahresberichts. Für das kommende Jahr setzt sie unter anderem Schwerpunkte auf die Prävention von Tabak- und Medienabhängigkeit.

Am 26. November hat die Drogenbeauftragte der Bundesregierung ihren Jahresbericht 2020 vorgestellt. Darin finden sich neben aktuellen Trends und Zahlen rund um die Themen Tabak, Alkohol, illegale Drogen, Medien- und Glücksspielsucht umfangreiche Informationen zur Arbeit der Drogenbeauftragten, zu ihrer bisherigen Schwerpunktsetzung und ihren Zielen für das kommende Jahr.

Dazu die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig: „Die Corona-Pandemie stellt alle Akteure vor immense Herausforderungen, schafft neue Suchtgefahren und erfordert schnelle und wirksame Entscheidungen. Elementar wichtig ist, dass Beratungsstellen, niedrigschwellige Hilfsangebote und Suchtkliniken für alle Bedürftigen offenbleiben. Denn der Bedarf ist größer denn je! Ich bin sehr froh, dass wir es mit einer Eilverordnung geschafft haben, die Substitutionsversorgung für Opiatabhängige in der Krise zu sichern. Mehr Hilfe als bisher brauchen aber auch die Kinder von Suchtkranken. Viele von ihnen sind nahezu auf sich allein gestellt. Wir dürfen niemanden vergessen!“

Neue Schwerpunkte für 2021

Schwerpunkte der Drogenbeauftragten sind aktuell der Ausbau lebensrettender Maßnahmen wie Substitution oder die bundesweite Verbreitung des Nasensprays Naloxon gegen Atemstillstand bei Überdosierungen. Hierdurch sollen Todesfälle durch den Konsum illegaler Drogen verhindert werden.

Weitere Schritte sind auch beim Thema Tabak vorgesehen. Neueste Zahlen belegen, dass in Deutschland jährlich 127.000 Menschen an den Folgen des Rauchens versterben. Die Drogenbeauftragte plant daher im kommenden Jahr weitere Maßnahmen zum Thema Tabakentwöhnung.

Ludwig: „Wir haben mittlerweile mehrere wissenschaftliche Belege dafür, dass Raucher sich einem doppelten Risiko für einen schweren Covid-19 Verlauf aussetzen. Jedes Jahr versterben auch ohne Corona 127.000 Menschen an den Folgen ihres Tabakkonsums. Daher sind wir – trotz insgesamt rückläufiger Zahlen – hier lange noch nicht am Ziel. Rauchen ist das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko, gerade in dieser Zeit!“

Suchtprävention gerade im Jugendalter

Zusätzliche Meilensteine sind der Fokus auf die zunehmende Zahl medienabhängiger Kinder und Jugendlicher in Deutschland. Hier hat die Drogenbeauftragte gemeinsam mit der Staatministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär, die Kampagne „Familie. Freunde. Follower“ gestartet. Gerade während des ersten Lockdowns haben Jugendliche etwa 70 Prozent häufiger zu digitalen Spielen gegriffen und soziale Netzwerke genutzt. Damit steigen auch in diesem Bereich die Suchtgefahren.

Mit der neuen Cannabispräventionskampagne „Mach Dich schlau“ soll darüber hinaus den steigenden Konsumzahlen entgegengewirkt und die Aufklärung junger Menschen gefördert werden.

Der Jahresbericht kann auf der Webseite der Drogenbeauftragten der Bundesregierung heruntergeladen werden.

Quelle: Drogenbeauftragte der Bundesregierung vom 26.11.2020

Info-Pool