Jugenddialog

Was junge Menschen nach einem Jahr Corona brauchen

Eine Jugendliche lacht fröhlich während ein Jugendlicher Gitarre spielt
Bild: Genessa Panainte - unsplash.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Beim Jugenddialog-Event „Ein Jahr Corona – Wie es uns geht und was wir jetzt brauchen“ kamen junge Teilnehmer/-innen mit Verantwortlichen aus Politik und Verwaltung zusammen. Einmal mehr wurde deutlich, dass Kinder und Jugendliche stärker in den Fokus politischer Entscheidungen rücken müssen.

Als Dialogpartner/-innen waren bei der Online-Veranstaltung die beiden Bundestagsabgeordneten Beate Walter-Rosenheimer (Bündnis 90/Die Grünen) und Susann Rüthrich (SPD) sowie Dr. Lars Schulhoff (Abteilungsleiter Gestaltung Jugendhilfe in der Sozialbehörde Hamburg) und Andreas Gladisch (Jugendamtsleiter in Berlin-Neukölln) zu Gast. Im Zentrum des Austauschs stand die Frage, wie es jungen Menschen nach einem Jahr Pandemie geht und wie ihre Situation verbessert werden kann.

Junge Menschen wollen selbst gehört werden

Eine Hauptforderung der jungen Teilnehmer/-innen war, dass Verantwortliche aus Politik und Verwaltung aufhören sollten, nur über junge Menschen statt mit ihnen zu sprechen. Junge Menschen seien Expert/-innen ihrer eigenen Lebensrealität und wüssten am besten wie es ihnen gehe und was sie brauchten.

Dazu zähle auch, dass junge Menschen weitaus mehr seien als Schüler/-innen, Studierende oder Auszubildende. Der Bereich der formalen Bildung allein kompensiere nicht die vielschichtigen Bedürfnisse junger Menschen. An Verantwortliche aus Politik und Verwaltung wurde appelliert, alle Lebensbereiche junger Menschen in den Blick zu nehmen. Außerdem betonten die Teilnehmer/-innen entschlossen, dass sie nicht unsolidarisch und verantwortungsunbewusst handelten. Junge Menschen würden seit mehr als einem Jahr ihre Kontakte beschränken, die Corona-Regeln einhalten und Personen aus Risikogruppen unterstützen. Sie unter Generalverdacht zu stellen sei schlicht falsch.

Auch die politisch Verantwortlichen waren sich einig, dass junge Menschen sich solidarisch zeigen und seit einem Jahr auf vieles verzichten würden. Dazu gehörten vor allem Einschränkungen von Angeboten der Kinder- und Jugendarbeit, die an den Interessen junger Menschen anknüpfen und unter normalen Umständen von ihnen mitbestimmt und mitgestaltet werden, sie zur Selbstbestimmung befähigen und zu gesellschaftlicher Mitverantwortung und zu sozialem Engagement anregen würden.

Jugend(verbands)arbeit inzwischen mehr Arbeit als Spaß

Die Teilnehmenden berichteten, dass Jugend(verbands)arbeit inzwischen mehr Arbeit als Spaß sei. Unklare und lückenhafte Regelungen, das Fehlen von finanziellen und materiellen Ressourcen sowie die Frage nach der Verantwortungsübernahme seien nur einige Beispiele für die Planungsunsicherheit, mit der Jugendverbände seit gut einem Jahr konfrontiert sind.

In Hinblick auf Schule, Ausbildung und Studium beschrieben die Jugendlichen Einsamkeit, Chancenungleichheit und Zukunftsängste. So fehle beispielsweise die Möglichkeit, sich zum Lernen zu treffen oder der Austausch in den Pausen. Die Akzeptanz innerhalb der Gesellschaft, wenn sich junge Menschen mal im öffentlichen Raum unter Einhaltung der Corona-Regeln treffen, stuften die Teilnehmer/-innen als gering ein. Zudem sei zu bedenken dass nicht jeder Jugendliche ein zu Hause habe.

Am Ende des Jugenddialog-Events fassten die Dialogpartner/-innen ihre Erkenntnisse aus dem Austausch zusammen und nannten mögliche Lösungsansätze. Susann Rüthrich bekräftigte, dass Kinder und Jugendliche bei neuen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie institutionalisiert zu Wort kommen oder bei der Umsetzung von Beschlüssen beteiligt werden müssten.

Junge Menschen dürfen nicht immer nur „an letzter Stelle“ kommen

Die politisch Verantwortlichen teilten die Meinung, dass junge Menschen nicht immer nur „an letzter Stelle“ kommen dürften. Insbesondere während der Umsetzung der Impfstrategie in Deutschland dürfe es nicht dazu kommen, so Susann Rüthrich, dass geimpfte Personen wieder ihren gewohnten Alltag aufnehmen, während junge Menschen es nicht dürften.

Beate Walter-Rosenheimer forderte die Entwicklung einer Teststrategie, um mehr soziale Angebote für junge Menschen zu ermöglichen. Freizeiteinrichtungen und Bildungsstätten müssten rasch entsprechend ausgestattet werden. Sie plädierte dafür, Jugend(verbands)arbeit als systemrelevant einzustufen.

Dr. Lars Schulhoff erklärte, es müssten noch mehr Beteiligung und Dialogformate gefördert werden und stattfinden, um in den Austausch mit jungen Menschen zu kommen. Es sei wichtig, nicht nur über, sondern viel mehr mit jungen Menschen zu reden und ihre Anliegen und Forderungen zu berücksichtigen.

Andreas Gladisch plädierte für die Schaffung von Möglichkeiten für Kontakte, auch außerhalb der Schule. Junge Menschen dürften nicht nur auf ihre Rolle als Schüler/-in, Studierende oder Auszubildende reduziert werden.

Quelle: Deutscher Bundesjugendring vom 30.03.2021

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