Kinder- und Jugendarbeit / Demokratie

„Nordrhein-Westfalen zum Ausmalen“ – Verbände der Offenen Kinder- und Jugendarbeit positionieren sich

Viele bunte Spielfiguren stehen dicht nebeneinander.
Bild: © Ingo Bartussek - fotolia.com

Die Parteispitze der AfD in Nordrhein-Westfalen hat nach anfänglich vehementer Verteidigung des Werks und der Ankündigung einer weiteren Auflage ihr Malbuch „Nordrhein-Westfalen zum Ausmalen“ zurückgezogen. Diese Vorgehensweise ist laut Landesarbeitsgemeinschaft Katholische Offene Kinder- und Jugendarbeit Nordrhein-Westfalen (LAG Kath. OKJA NRW) nicht glaubwürdig und veranlasst die LAG und andere Verbände zum Malbuch Stellung zu beziehen.

Das Statement der Landesarbeitsgemeinschaft Katholische Offene Kinder- und Jugendarbeit Nordrhein-Westfalen zum Malbuch „Nordrhein-Westfalen zum Ausmalen“ der AfD im Wortlaut:

„Die AfD zeigt mit den Bildern im Malbuch ihre rechtspopulistische Sicht auf die Gesellschaft in NRW, indem sie fremdenfeindliche und gewaltverherrlichende Darstellungen verwendet und damit gezielt ein Klima der Angst und des Hasses verbreitet.

Die LAG Kath. OKJA NRW setzt sich für die Vielfalt in unserer Gesellschaft ein – für die Vielfalt in unseren Einrichtungen, mobilen Angeboten und Projekten. Auf Landesebene wurde dazu gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Offene Türen Nordrhein-Westfalen e.V. (AGOT-NRW e.V.) das Label „Vielfalt – wir leben sie!“ entwickelt. Die LAG Kath. OKJA NRW fordert eine Politik, die sich für eine Gesellschaft der Vielfalt einsetzt, in der alle gut leben können. Sie setzt sich dafür aktiv in der Landespolitik, aber auch innerkirchlich ein und wendet sich gegen jegliche Form von Rechtspopulismus. Sie gibt ein Zeugnis ab für die Vielfalt, indem sie die Diversität der Gesellschaft als Chance begreift und ein Miteinander aller Menschen fördert. Rechtspopulismus widerspricht den politischen Grundsätzen der UN-Menschenrechte und des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland sowie dem auf dem christlichen Menschenbild basierenden Wertesystem.

Mit der Veröffentlichung ihres Malbuches hat die AfD die Grenzen eines friedlichen und demokratischen Miteinanders überschritten. Dies ist jedoch das höchste Gut einer gelingenden und sozialen Gesellschaft und damit über alle Maßen schützenswert.

Unter dem Titel „Nordrhein-Westfalen zum Ausmalen“ finden sich in dem Buch fremdenfeindliche Bilder, die rassistische Klischees bedienen. Im Grußwort des Malbuchs spricht die AfD „Betrachter aller Altersstufen“, auch gezielt Kinder „Liebe Kinder“ nach dem Motto „ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte“ an. Damit beeinflusst die AfD schon Kinder mit ihren menschenverachtenden Ansichten!

Die AfD-Landtagsfraktion äußerte durch ihren Fraktionsvorsitzenden Wagner „Man wolle mit diesem Buch auf eine ungewöhnliche Art und Weise die Grundzüge unserer parlamentarischen Arbeit vorstellen, die medial nicht in dem Maße gewürdigt wird, wie wir uns das wünschen“. Darüber hinaus bezeichnete er die Bilder als „humorvolle Zeichnungen“ und „poetische Beiträge“ zu einzelnen „Problemkreisen und Politikfeldern“. Rechtes Gedankengut wird hier als selbstverständlich mit demokratischen Strukturen und Grundwerten verbunden. Eine solche Verbindung existiert in einer Demokratie nicht und führt geltendes Demokratieverständnis ad absurdum!

Das Malbuch ist der Versuch schon Kinder mit rechtspopulistischem Gedankengut vertraut zu machen und zu beeinflussen. Die AfD setzt bewusst Mittel der Satire ein, um ihre rechtspopulistische Auffassung zu verbreiten und malt sich die Welt, wie sie ihr gefällt! Sie gibt ein fiktives Bild Nordrhein-Westfalens vor, die sie zur Legitimation ihrer politischen Ausrichtung benötigt. Mit der von Offenheit und Toleranz geprägten demokratischen Lebenswirklichkeit in NRW hat dies aber rein gar nichts zu tun.

Die LAG Kath. OKJA NRW stellt sich gegen diesen und weitere strategische Versuche und Äußerungen Rechtspopulismus in der Gesellschaft und den Parlamenten zu etablieren. Sie verachtet zutiefst den Verstoß Kinder und Jugendliche gegen jedes demokratische Verständnis und für das eigene parteipolitische Agieren zu instrumentalisieren.

Offene Kinder- und Jugendarbeit ist seit ihrem Entstehen durch ihre Grundprinzipien, wie Subjekt- und Sozialraumorientierung, Partizipation und Offenheit und ihrem gesetzlichen Auftrag (§11 SGB VIII) zur Ermöglichung und Anerkennung von Vielfalt verpflichtet. Vielfalt ist eine Bereicherung für Alle!

Alle demokratischen Parteien des Landtages sind für das Land und die Menschen, die darin leben, verantwortlich. Satirische Darstellungen mit rassistischen Motiven tragen nicht zur Weiterentwicklung eines demokratischen Bundeslandes bei. Sie arbeiten bewusst gegen das Miteinander und instrumentalisieren in diesem Fall sogar – in Form eines Malbuches – Minderjährige!

Mit dieser Positionierung möchte die LAG Kath. OKJA NRW öffentlich signalisieren, dass sie aufsteht gegen Rechtspopulismus! Gleichzeitig will sie Träger*innen und Mitarbeiter*innen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit Rückhalt und Wertschätzung für ihren täglichen Einsatz für Vielfalt in den Einrichtungen und der Gesellschaft entgegenbringen.“

Hintergrund

Die LAG Kath. OKJA NRW ist Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Offene Türen Nordrhein-Westfalen e.V. (AGOT-NRW), die weit über 1.000 Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in Nordrhein-Westfalen vertritt.

Die weiteren Trägergruppen der AGOT-NRW e.V. schließen sich dieser Stellungnahme an. Diese sind:

  • ABA Fachverband für Offene Arbeit mit Kindern und Jugendliche e.V.
  • Evangelische Landesarbeitsgemeinschaft Offene Türen NRW
  • Falken Bildungs- und Freizeitwerk NRW e.V.

Quelle: Landesarbeitsgemeinschaft Katholische Offene Kinder- und Jugendarbeit Nordrhein-Westfalen vom 28.02.2020

Info-Pool