Kinder- und Jugendarbeit / Europa

Mehr Mitbestimmung, Transparenz und Mut zur Veränderung fordert die katholische Jugend im deutschsprachigen Raum

Ein Kreuz im Wasser
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Mehr Mitbestimmung junger Menschen, die Anerkennung von sexueller Orientierung und Geschlechtervielfalt und eine transparente Kirche fordern Vertreter der katholischen Jugendarbeit aus Deutschland, Österreich, Südtirol und der Schweiz. Im Vorfeld der Jugendsynode der katholischen Kirche veröffentlichen sie eine gemeinsame Erklärung.

Verantwortliche der katholischen Jugendarbeit aus Deutschland, Österreich, Südtirol und der Schweiz haben im Vorfeld der Jugendsynode eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht, in der sie klar Position zu aktuellen Themen in der Kirche beziehen. In dem Papier sprechen sich die Verantwortlichen der Länder unter anderem für mehr Mitbestimmung junger Menschen, für die Anerkennung von sexueller Orientierung und Geschlechtervielfalt und für eine transparente Kirche aus. Unterzeichnet ist die Erklärung von der Katholischen Jungschar Südtirols (KJS), Südtirols Katholischer Jugend (SKJ), der Katholischen Jugend Österreichs (KJÖ), dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und Vertreter/-innen der Jugendpastoral aus der Schweiz.

Vernetzung und Austausch im deutschsprachigen Raum 

Die gemeinsame Erklärung ist das Ergebnis des ersten Vernetzungstreffens von Vertreter/-innen kirchlicher Jugendarbeit aus dem deutschsprachigen Raum, das vom 7. bis 9. September in München stattfand. Der BDKJ hatte das Treffen organisiert, um eine gemeinsame Position der deutschsprachigen katholischen Jugendarbeit für die im Oktober anstehende Jugendsynode zu entwickeln und die Möglichkeiten eines dauerhaften Austausches zu prüfen. Eingeladen waren dazu Akteur/-innen der Jugendpastoral aus Österreich, der Schweiz, Südtirol und Deutschland.

„Mit diesem Papier bringen wir die Perspektive von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in die aktuellen Diskussionen ein. Jungen Menschen müssen eigene Räume in Kirche zur Verfügung stehen, und es muss für sie eine Mitsprache in allen Angelegenheiten möglich sein. Ich freue mich auch auf den zukünftigen intensiven Austausch mit unseren Freund/-innen aus Österreich, Südtirol und der Schweiz“, sagt BDKJ-Bundesvorsitzender Thomas Andonie.

Gespräch zeigt gemeinsame Themen und neue Perspektiven

Magdalena Bachleitner, ehrenamtliche Vorsitzende der Katholischen Jugend Österreichs (KJÖ), erklärt: „Der Austausch mit anderen Ländern zeigt uns einerseits neue Perspektiven auf, andererseits wird deutlich, dass die Themen, die uns unter den Nägeln brennen, auch die anderen Länder beschäftigen. Die offene Gesprächskultur und den Mut, heikle Themen anzusprechen, wie wir das an diesem Wochenende gelebt haben, wünschen wir auch den Bischöfen und Synodenvätern.“

Auch für Viktor Diethelm vom Kompetenzzentrum Jugend der Deutschschweiz ist die gemeinsame Erklärung ein wichtiger Schritt: „Das Positionspapier spiegelt die Sichtweisen junger Menschen gegenüber der katholischen Kirche wider. Diese konnten durch verschiedene Aktionen in der Schweiz erfasst werden. Das Vernetzungstreffen zeigte die große Übereinstimmung im deutschsprachigen Raum auf und fordert ein vernetztes Engagement für die Jugend in der katholischen Kirche. Dies soll unbedingt über dieses Treffen hinaus weitergeführt werden.“

Sichtweisen junger Menschen gegenüber der Kirche

Ähnlich sieht es die Vorsitzende der Katholischen Jungschar Südtirols, Verena Dariz: „Das Treffen in München zeigt einmal mehr: Wir Kinder und Jugendliche wollen Kirche mitgestalten und zwar wie! Wir sind gestärkt und motiviert nach Hause gefahren und freuen uns sehr auf die nächste Zusammenarbeit.“

Ein wichtiger Teil des Vernetzungstreffens war das öffentliche Hearing „Synodale Kirche – nur mit uns!“ am Samstag, dem 8. September, an dem rund 40 Jugendverbandler/-innen und weitere Interessierte teilnahmen. Im Rahmen des Hearings berichteten deutschsprachige Teilnehmer/-innen von ihren spannenden Eindrücken der Vorsynode in Rom. In mehreren Workshops wurden dabei vier Themen diskutiert, die bei der Vorsynode sehr präsent waren und den Weg in das Arbeitsdokument der Jugendsynode gefunden haben: Politisches Engagement und Mitbestimmung, Rechte von Frauen in Kirche und Gesellschaft, Geistliche Begleitung und pastorale Berufe, Unterschiedlichkeit und Dezentralisierung.

Ausführliche Informationen zur Jugendsynode in der katholischen Kirche und die gemeinsame Erklärung stehen unter www.jugend-synode.de zur Verfügung.

Gefördert wurde das Vernetzungstreffen als internationaler Fachkräfteaustausch aus Mitteln des Kinder- und Jugendplanes des Bundes.

Hintergrund

Der BDKJ ist Dachverband von 17 katholischen Jugendverbänden mit rund 660.000 Mitgliedern. Er vertritt die Interessen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Kirche, Staat und Gesellschaft.

Die Katholische Jugend Österreich ist die offizielle Jugendorganisation der römisch-katholischen Kirche in Österreich und gestaltet die kirchliche Jugendarbeit.

Südtirols Katholische Jugend ist eine selbstständige Jugendorganisation und beschäftigt sich mit der außerschulischen, kirchlichen Jugendarbeit in Südtirol auf Landes-, Bezirks- und Ortsebene.

Die Katholische Jungschar Südtirols ist mit knapp 300 Jungschar- und MinistrantInnengruppen und der Vielzahl an Sternsingengruppen die größte Kinderorganisation in Südtirol, die sich mit der außerschulischen kirchlichen Arbeit mit Kindern im Alter von 8 bis 13 Jahren beschäftigt.

Die Vertreter/-innen aus der Schweiz repräsentieren Akteure auf deutschschweizer und kantonaler Ebene.

Quelle: Bund der Deutschen Katholischen Jugend vom 09.09.2018

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