Kinder- und Jugendarbeit / Sozialforschung

Kinder- und Jugendring Sachsen-Anhalt e.V. kritisiert Verharmlosung der Kinderarmut

Wort "Kinderarmut" mit Magnetbuchstaben gelegt
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Magdeburg. „Es ist schon zynisch, sich darüber zu freuen, dass nur jedes vierte Kind unter 15 Jahren in Sachsen-Anhalt ‚Hartz IV-Leistungen‘ bezieht“ kommentiert Olaf Schütte (Vorstand KJR LSA) die aktuelle Berichterstattung.

Natürlich sei es ein positiv Trend, dass die Zahl der betroffenen Kinder laut einer Analyse der Bundesagentur für Arbeit seit 2006 um 14,6% gesunken ist - ein Grund zur Freude ist der nach wie vor hohe Wert in Sachsen-Anhalt aus Sicht des Kinder- und Jugendring Sachsen-Anhalt dennoch nicht.

Generell hinterfragt der KJR LSA die vorgestellten Zahlen kritisch. In der Armutsforschung wird als arm bezeichnet, wer weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens zur Verfügung hat. „Den Bezug von Hartz IV-Leistungen mit Armut gleichzusetzen, ist zu kurz gedacht,“ erläutert Schütte. Familien die Wohngeld oder den Kinderzuschlag erhalten, werden beispielsweise nicht mitgezählt. Die Kinder aus diesen Familien sind aberkeineswegs weniger von Armut bedroht.

„Die Lebenssituation der von Armut betroffenen Kinder und Jugendlichen ist oft schon schwer genug“, berichtet Schütte „Die Öffentlichkeit sollte mit der Problematik offen umgehen. Dann fällt es den jungen Menschen und deren Familien leichter, darüber zu sprechen.“ Dies ist wichtig, um gezielt Hilfe anzubieten. So kann zum Beispiel einem Jugendlichen Unterstützung bei der Finanzierung der Teilnahme an einer Sommerfreizeit ermöglicht werden – ohne dass er aus Scham Ausreden erfinden muss, warum er nicht teilnehmen möchte.

Vor allem ein gleichberechtigter Zugang zu Kinder- und Jugendarbeit ist dabei aus Sicht des KJR LSA notwendig, um Kinderarmut frühzeitig abzufedern. „In Jugendverbänden steht das gemeinsame Erleben und nicht die Markenjeans und das Top-Smartphone und damit der finanzielle Status im Mittelpunkt. Kinder und Jugendliche machen hier vielfältige positive Erfahrungen, die ihnen helfen, ihr Leben selbstbestimmt zu meistern. Sie erfahren, dass sie unabhängig von ihrer sozialen Situation gleichwertige Mitglieder der Gesellschaft sind.“ erläutert Schütte. Der KJR LSA setze sich daher dafür ein, dass allen Kindern und Jugendlichen ein gleichberechtigter und freier Zugang zu den Angeboten der Kinder- und Jugendarbeit und der Jugendverbände ermöglicht werde. Dies gehe jedoch nicht ohne die Unterstützung seitens der Kommunen und des Landes. Sie seien es, die die Finanzierung der Kinder- und Jugendarbeit in Umfang und Vielfalt sicherstellen müssten. „Hier ist die öffentliche Hand auch in Zukunft massiv gefordert, damit durch eben diese Angebote allen Kindern und Jugendlichen die gleiche Teilhabe an unserer Gesellschaft ermöglicht werden kann.“ mahnt Schütte.

Quelle: Kinder- und Jugendring Sachsen-Anhalt e.V.

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