Kinder- und Jugendarbeit / Flucht und Migration

JiVE-Impulstagung endet mit konkreten Empfehlungen

Impulstagung zur strukturellen Zusammenarbeit von Jugendsozialarbeit/Jugendintegrationsarbeit und der internationalen Jugendarbeit endet mit konkreten Empfehlungen

 

Teilnehmende auf der Jump Tagung/Copyright IJAB

Teilnehmende der JiVE Tagung bei der eifrigen Diskussion.

Jump Tagung/Copyright: jasper ehrich

Das Logo der JiVE-Tagung.
Copyright: jasper ehrich

Das Ziel ist ein gemeinsames: Bildung und Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Um dies zu erreichen, wollen internationale Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit künftig stärker kooperieren. Auf der Impulstagung „Teilhabe junger Menschen ermöglichen“ forderten sie deshalb veränderte strukturelle und politische Rahmenbedingungen. „Wir konnten zur richtigen Zeit die richtigen Menschen aus Praxis, Politik und Wissenschaft zusammenbringen“, freuten sich die Veranstalter IJAB und JUGEND für Europa. Sie hatten im Rahmen des Projektes „JiVE. Jugendarbeit international – Vielfalt erleben“ zur Impulstagung am 17. und 18. März eingeladen.  

Der Wille zur Zusammenarbeit ist groß. Aus beiden Arbeitsfeldern waren Entscheider/-innen der bundeszentralen Träger nach Hannover gekommen. Viele betraten Neuland: Bislang sind Formate der internationalen Jugendarbeit als Maßnahme zur Integration von Jugendlichen mit besonderem Förderbedarf in der Jugendsozialarbeit nur punktuell etabliert. Dass dies jedoch beeindruckend gut funktionieren kann und hohen Mehrwert für die Beteiligten bietet, zeigte die mitreißende Präsentation von drei Good Practice Beispielen. 

Wissenschaftlich belegt...  

Bestätigung erhielten die Praktiker/-innen durch die Forschung. Professor Andreas Thimmel von der FH Köln präsentierte zentrale Ergebnisse seiner Studie, die internationale Jugendbegegnungen und Fachkräfteprogramme im Rahmen des Projektes „JiVE“ ausgewertet hat. Sie zeigen, dass internationale Jugendarbeit einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Teilhabe von Jugendlichen mit Migrationshintergrund leistet und zur interkulturellen Öffnung der Akteure beitragen kann. 

...und für gut befunden

Diese Ergebnisse will die Politik nutzen. Albert Klein-Reinhardt unterstrich das Interesse des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), die positiven Erfahrungen der internationalen Jugendarbeit mit der Initiative JUGEND STÄRKEN zu verknüpfen und damit die Angebote der Jugendsozialarbeit um einen gewinnbringendes Format zu ergänzen. Umso mehr begrüßt das Ministerium den Ansatz der Impulstagung, beide Arbeitsfelder stärker zu vernetzen.   

Konzeptionen anpassen... 

Wie und unter welche Bedingungen dies passieren kann, diskutierten die Teilnehmenden in vier Fachgruppen. Das Ergebnis? Erstaunlich homogen, wie Michael Fähndrich im abschließenden Podiumsgespräch äußerte. Ein Zeichen dafür, dass die Ansätze und Strategien fundiert sind, so der Geschäftsführer der BAG EJSA. Die Beteiligten wollen den bereits begonnenen Dialog weiter öffnen und gemeinsam mit den Akteuren der Jugendsozialarbeit, der internationalen Jugendarbeit und den Vereinen junger Migranten gestalten. Internationale Jugendarbeit soll als integraler Bestandteil der Jugendsozialarbeit verankert und als Förderinstrument und Integrationsmodul anerkannt werden. Dafür müssen die Träger der Jugendsozialarbeit und die Jugendmigrationsdienste ihre Konzeptionen auf der Basis des gemeinsamen Ziels „Bildung und Integration“ überprüfen und anpassen und dabei die Qualifizierung von Personal mitdenken. Um diesen Ansatz auch politisch zu fundieren, könnte die internationale Jugendarbeit in den §13 des Kinder- und Jugendhilfegesetztes aufgenommen werden. 

...den Förderdschungel lichten... 

Einigkeit herrschte auch hinsichtlich der bestehenden Förderstrukturen. Diese müssen einfacher und transparenter werden. Dringend geboten ist eine ressortübergreifende Zusammenarbeit der Ministerien, um Förderprogramme individuell an die Bedarfe der Jugendlichen anpassen zu können. 

...und den Informationsfluss verbreitern

Ebenfalls verbessert werden muss nach Meinung der Teilnehmenden die Öffentlichkeitsarbeit – intern wie extern. Um die Jugendlichen wie Fachkräfte gleichermaßen von den Angeboten der internationalen Jugendarbeit zu überzeugen, bedarf es einer „Informationsoffensive Internationale Jugendarbeit“.  Hier ist eine Argumentationshilfe vonnöten, um den pädagogischen Wert der internationalen Jugendarbeit für die Integrationsarbeit darzustellen und der Jugendsozialarbeit zu vermitteln. 

„Aber bitte auf vier Seiten!“

Einige ganz konkrete Empfehlungen hatte eine Arbeitsgruppe entwickelt. Eine praktische Arbeitshilfe zur internationalen Jugendarbeit mit benachteiligten Jugendlichen soll es geben, die über das Selbstverständnis, die pädagogischen Ziele und fachlichen Standards informiert und bei der Konzept- und Methodenentwicklung sowie der personellen und finanziellen Planung unterstützt. Das Ganze bitte auf vier Seiten, so der augenzwinkernd vorgetragene Wunsch der Gruppe. Wünschenswert sind darüber hinaus auch mobile Projektcoaches, die die Praktiker/-innen der Jugendsozialarbeit und der Migrantenselbstorganisationen bei der Entwicklung von internationalen Projekten unterstützen, sowie ein zentrales Adressverzeichnis mit allen Akteuren. 

Neue Ideen im Gepäck   

Die Teilnehmenden reisten zufrieden und mit vielen Anregungen für ihre Arbeit vor Ort wieder ab. Auch Albert Klein-Reinhardt zog ein durchweg positives Fazit. „Die Impulstagung hat strukturierte, präzise Forderungen formuliert, die umsetzungsorientiert sind – eine gute Ausgangsbasis für die weitere Debatte. “ Die Veranstalter kündigten an, das Thema weiterzuverfolgen. Die Ansätze der Impulstagung werden in die Weiterentwicklung des Projektes „JiVE“ direkt einfließen – beispielsweise bei dem für den 17. Mai geplanten Sondierungstreffen mit Vertreter/-innen von Kommunen und regionalen Trägern.


Verena Münsberg, IJAB 

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