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Kinder- und Jugendarbeit

Frühkindliche Bildung: Kinder- und Jugendtheater stärker im Studium verankern

Einem Mädchen wurde ein großer Schmetterling ins Gesicht gemalt.

„Wir haben eine reiche und nicht kommerzielle Theaterkultur in Deutschland“, sagt Dr. Geesche Wartemann, Professorin für Kinder- und Jugendtheater an der Uni Hildesheim. Auch in der frühkindlichen kulturellen Bildung tue sich einiges. Theaterwissenschaftler sollten in der Ausbildung mit Kinder- und Jugendtheater in Berührung kommen, fordert Wartemann.

Forscher im Bereich des Kinder- und Jugendtheaters sind rar, aber international gut vernetzt. Theaterwissenschaftler aus den USA, Großbritannien, der Türkei, Kroatien, Norwegen, Belgien, Kanada und Deutschland stellten in dieser Woche neue Forschungsergebnisse auf einer Konferenz an der Universität Hildesheim vor. Besonders auffällig: Während europäische Theaterwissenschaftler eher die Künste, Aufführungen und Proben und das Verhältnis von Zuschauer und Bühne im Kinder- und Jugendtheater analysieren, untersuchen amerikanische Forscher vor allem, welche Vorstellungen von Kindheit und Gesellschaft in Theaterproduktionen auftauchen. So befassen sich Forscher am weltweit einzigen PhD-Programm „Theater for Youth“ an der Arizona State University (USA) zum Beispiel mit den Kinderbildern in Inszenierungen und welche Geschlechter und Religionen im Theater für junges Publikum entworfen werden.

Nach der Station in Hildesheim geht es für die Theaterwissenschaftler weiter nach Berlin. Bis Ende April nehmen sie am größten deutschen Festival für Kinder- und Jugendtheater „Augenblick Mal!" teil. Eine internationale Vernetzung der Forscher besteht über den Verband ASSITEJ mit seinen 80 nationalen Zentren in allen Teilen der Welt. Dort hat Prof. Dr. Geesche Wartemann das „International Theatre for Young Audiences Research Network“ (ITYARN) gegründet, um den Austausch zwischen Wissenschaftlern und Theaterpraktikern sowie die Entwicklung neuer Forschungsprojekte und Kooperationen zu stärken.

"Theater von Anfang an!"

In den vergangenen Jahren ist ein „Theater für die Allerkleinsten“ entstanden, also Theater für Zuschauer von 0 bis 3 Jahren. „Während in Italien, Frankreich und den skandinavischen Ländern schon seit 20 Jahren diese Theaterform gelebt wird, stößt das Theater für Kleinkinder in Deutschland und England erst mit der jüngeren Entwicklung einer ‚Pädagogik der frühen Kindheit‘ auf breitere Akzeptanz“, beobachtet Wartemann. Wichtige Impulse für die frühkindliche kulturelle Bildung kommen vom Kinder- und Jugendtheaterzentrum der Bundesrepublik Deutschland. Das Projekt „Theater von Anfang an!“ habe Experten aus Praxis und Theorie zusammengeführt. „Der stärkere Austausch von Pädagogen, Theaterpraktikern und Wissenschaftlern mit erziehungs- und theaterwissenschaftlichem Hintergrund ist notwendig“, sagt Geesche Wartemann. In Hildesheim analysiert sie mit ihren Studierenden seit 2003 in Forschung und Lehre Inszenierungen und Aufführungen des zeitgenössischen Kinder- und Jugendtheaters, erforscht Probenprozesse und Konzepte der Theatervermittlung.

Am Rande der Konferenz zeigten Studentinnen und Studenten in Praxisprojekten, „wie aus der theaterwissenschaftlichen Beschäftigung in Seminaren neue experimentelle Theaterformen entstehen“, sagt Wartemann. Die praktischen Studienanteile in Hildesheim haben „Laborcharakter“. So entwickeln Insa Schwartz und Lotte Schwarz begehbare Hörspiele. Die beiden Kulturwissenschaftlerinnen der Universität Hildesheim modernisieren das Hörspielformat „Kassette“. Das ist bundesweit einmalig. Noch bis zum 6. Mai nehmen etwa 100 Kinder an der Produktion „Wo ist Mo?“ am Ufer der Innerste in Hildesheim teil.

Theaterwissenschaftler sollten in der Ausbildung mit „Kinder- und Jugendtheater“ in Berührung kommen, fordert Geesche Wartemann. In Hildesheim gehören Theaterformen für Kinder und Jugendliche zum theaterwissenschaftlichen Lehrangebot. So sind viele Absolventen bundesweit als Theaterpädagogen tätig. „Die Arbeit im Ensemble und der Bezug zum Publikum, das Ereignis, der Dialog stärken das Theater – im Vergleich zu anderen Medien“, so Wartemann.

Zur Konferenz „Art meets Research. International symposium on concepts, contexts and methods of research in Theatre for Young Audiences (TYA)“ erscheint eine Veröffentlichung im „Theater Youth Journal”.

Quelle: Stiftung Universität Hildesheim vom 26.04.2013