Kinder- und Jugendarbeit / Digitalisierung und Medien

BKM-Preis 2018: Kulturelle Kinder- und Jugendbildung verhandelt große gesellschaftliche Fragen

Scherenschnitt bunter Pappfiguren die sich an den Händen halten
Bild: © Dreaming Andy - Fotolia.com

Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat am 29. Juni drei Projekte der kulturellen Kinder- und Jugendbildung mit dem BKM-Preis Kulturelle Bildung ausgezeichnet. In den prämierten Projekten befassen sich Kinder und Jugendliche mit aktuellen und brisanten Themen, die von der Migrations- und Asylpolitik über die Erinnerung an den Nationalsozialismus bis hin zur Digitalisierung reichen.

Der Vorsitzende der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ), Prof. Dr. Gerd Taube, gratuliert den Preisträgern und betont: „Mit ihrer mutigen und innovativen Praxis zeigen die ausgezeichneten Projekte, dass sich kulturelle Kinder- und Jugendbildung in aktuellen gesellschaftlichen und politischen Debatten positioniert. Sie vermitteln jungen Menschen Zugangsweisen und Ausdrucksformen, um sich in einer komplexen, globalisierten Lebenswelt, die von vielen Ungleichheiten und Ungleichzeitigkeiten geprägt ist, zurechtzufinden, zu artikulieren und die Gesellschaft mitzugestalten. So können demokratische Prozesse erfahren, Selbstwirksamkeit erlebt und die Grundlagen für aktive Teilhabe an einer demokratischen Gesellschaft gelegt werden.“

Die Preisträger

Die Kunstschule Offenburg mit dem internationalen  Tanzprojekt „KorresponDanSe“: Junge Geflüchtete und Jugendliche aus Deutschland und Frankreich und tanzen auf der „Passerelle de Deux Rives“, einer Rheinbrücke, die die Städte Kehl und Straßburg verbindet. Während Einheimische problemlos die deutsch-französische Grenze auf der Brückenmitte überqueren können, dürfen die geflüchteten Jugendlichen das nicht. Ihr Tanz endet an der unsichtbaren Wand, die die Grenze bildet. Die jungen Tänzer*innen zeigen auf unmittelbar berührende Art, dass es „Zurückweisung an der Grenze“ auch mitten in Europa schon längst gibt und wie sich das für sie anfühlt.

Der Verein Spielen in der Stadt e. V. aus München mit „Stranger than – Aus Nachbarn werden Fremde“: 22 Jugendliche aus neun Nationen, teils selbst vor Krieg und Terror geflüchtet, erkunden ein Jahr lang intensiv Mechanismen der Ausgrenzung in der NS-Zeit – und in ihrer heutigen Lebenswirklichkeit. Mit künstlerischen Mitteln entwickeln sie eine Performance und präsentieren ihre Recherche-Ergebnisse aus Archiven, Bibliotheken, Theaterbesuchen und Gesprächen mit Zeitzeugen. Kooperationspartner des Projekts sind eine Münchner Mittelschule, das NS-Dokumentationszentrum und die KZ-Gedenkstätte Dachau.

Der Verein für Medienbildung mediale pfade und die Open Knowledge Foundation mit dem bundesweiten Projekt „Jugend hackt“: Programmier- und technikinteressierte Jugendliche von zwölf bis 18 Jahren entwickeln Prototypen, erfinden Programme und machen deutlich: Das Schreiben von Code ist eine Kulturtechnik, ein Mittel zur aktiven und kreativen Mitgestaltung von Gesellschaft. Neben aktuellen Themen rund um digitale Kommunikation, Fake News oder Datensicherheit geht es um zentrale gesellschaftspolitische Herausforderungen: von Flucht und Migration über Klimawandel bis hin zu sozialer Gerechtigkeit.

Politische Dimension der kulturellen Kinder- und Jugendbildung

Die BKM-Preisträger 2018 zeigen: Die kulturelle Kinder- und Jugendbildung schafft Räume für junge Menschen, um sich auf künstlerischem Wege mit brennenden gesellschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen und deren Bedeutung für ihr eigenes Leben zu erkunden:

  • Bin ich der Digitalisierung ausgeliefert – oder kann ich sie mitgestalten und sogar nutzen, um die Gesellschaft lebenswerter zu machen?
  • Kann ein Stück Papier tatsächlich die Macht besitzen, über den Raum zu entscheiden, in dem sich eine Person frei bewegen darf – oder eben nicht?
  • Wie ist es möglich, dass Ausgrenzung in einer Gesellschaft so extrem wird, dass aus Nachbarn plötzlich Feinde werden?

„Wir freuen uns sehr, dass der BKM-Preis Kulturelle Bildung in diesem Jahr die politische Dimension der kulturellen Kinder- und Jugendbildung eindrucksvoll verdeutlicht, und damit ihren wichtigen Beitrag für den gesellschaftlichen Dialog und Zusammenhalt betont.“, so der BKJ-Vorsitzende weiter.

Die Kulturstaatsministerin erklärte: „Kulturelle Bildung ist der Schlüssel zu gesellschaftlicher Teilhabe und zu gesellschaftlichem Zusammenhalt. Solche Projekte, solchen Elan und solche Leidenschaft für unser Zusammenleben brauchen wir mehr denn je.“

Über die BKJ

Die Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e.V. (BKJ) ist der Dachverband der kulturellen Kinder- und Jugendbildung in Deutschland. Sie ist ein Zusammenschluss von 56 bundesweit agierenden schulischen und außerschulischen Institutionen, Fachverbänden und Landesdachorganisationen der Kulturellen Bildung. Die Mitgliedsorganisationen repräsentieren die unterschiedlichen Künste, Kultursparten und kulturpädagogischen Handlungsfelder. Ihr Ziel ist die Weiterentwicklung und Förderung der Kulturellen Bildung: gesellschaftlich sensibel, nachhaltig, möglichst für jeden Menschen zugänglich, von Anfang an und ein Leben lang.

Quelle: Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e.V. (BKJ) vom 02.07.2018

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