Sozialforschung / Digitalisierung und Medien

Pioniere des Medienwandels: Analyse der Quantified-Self- und Maker-Bewegung

Zwei junge Männer sitzen Rücken an Rücken und arbeiten an ihren Laptops
Bild: rawpixel.com

Welchen Einfluss haben medienbezogene Pioniergemeinschaften auf die gesellschaftliche Verbreitung und Entwicklung digitalier Medien? Forscher der Universität Bremen untersuchen aktuell die Quantified-Self- und Maker-Bewegung. Diesen geht es um die digitale Selbstvermessung bzw. die kollaborative Entwicklung digitaler Produktionsweisen in sogenannten MakerSpaces.

Im vergangenen Jahrzehnt haben sich weltweit medienbezogene Pioniergemeinschaften entwickelt. Sie sind sowohl soziale Bewegungen als auch Denkfabriken und streben danach, den Wandel von Medien, Kultur und Gesellschaft zu beeinflussen. Markante Beispiele hierfür sind die Quantified Self- und Maker-Bewegung: Bei der Quantified-Self-Bewegung stehen digitale Praktiken der Selbstvermessung im Vordergrund. Die Maker-Bewegung zielt unter anderem in offenen Werkstätten – sogenannten MakerSpaces – auf die kollaborative Entwicklung digital gestützter, selbstorganisierter Produktions- und Herstellungsweisen. Die Wissenschaftler der Universität Bremen wollen nun vergleichend für Deutschland und Großbritannien untersuchen, wie diese ursprünglich aus den USA stammenden Pioniergemeinschaften länderübergreifend agieren, und welchen Einfluss sie auf die gesellschaftliche Verbreitung und Entwicklung digitaler Medien haben.

Ein Blick in die Zukunft

„Pioniergemeinschaften wie die Quantfied-Self- und Maker-Bewegung sind Ideenlabore des Medienwandels“, sagt Projektleiter Professor Andreas Hepp vom Zentrum für Medien-, Kommunikations- und Informationsforschung (ZeMKI) der Universität Bremen: „In der Forschung zu dem, was diese Pioniere machen, lassen sich Möglichkeiten der zukünftigen Entwicklung erfassen“. Weit bevor beispielsweise Selbstvermessung mit Fitness-Trackern und Smart-Watches zu einem Alltagsphänomen geworden ist, haben die Pioniere der Quantified-Self-Bewegung damit experimentiert. Heute loten sie neue Potenziale einer datenbasierten Lebensführung aus. Über die Maker-Bewegung haben sich 3-D-Druck und andere digital basierte Formen der Produktion verbreitet.

Mehrdimensionaler Forschungsansatz

Insgesamt wird das Projekt von der DFG mit knapp 460.000 Euro gefördert. Die Wissenschaftler wollen sich auf drei verschiedenen Ebenen mit den Pioniergemeinschaften auseinandersetzen: Als erstes rekonstruieren sie vergleichend die Netzwerke der Quantified-Self und Maker-Bewegung sowie deren Machtbeziehungen und Einflüsse. Danach untersuchen sie die in den Bewegungen verbreiteten Vorstellungen von Gemeinschaft und von den Möglichkeiten des gesellschaftlichen Wandels durch Technologien. Darüber hinaus erforschen die Wissenschaftler die öffentliche Berichterstattung über die Pioniergemeinschaften und damit den Einfluss, den diese indirekt über die traditionellen Medien entfalten.

Kooperation zwischen Bremen und Hamburg

Die Forschung für das Projekt wird in Deutschland und Großbritannien vor allem in Berlin und London, den europäischen Knotenpunkten der Quantified-Self- und Maker-Bewegung, durchgeführt. Zusätzlich widmet sich das Team um Andreas Hepp der amerikanischen Bay Area um San Francisco und New York als Ursprungsorten der Gemeinschaften sowie ausgewählten europäischen Events. Dabei arbeiten die Wissenschaftler in enger Kooperation mit dem Forschungsverbund „Kommunikative Figurationen“ der Universitäten Bremen und Hamburg sowie des Hans-Bredow-Instituts für Medienforschung in Hamburg.

Weitere Informationen zum Forschungsprojekt finden sich auf der Internetseite der Universität Bremen.

Quelle: Universität Bremen vom 17.01.2018

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