Geschlechterrollen

Kochende und nähende Männer sind Kindern selbstverständlich

Ein Vater sitzt neben seiner Tochter am Küchentisch. Sie lachen. Man sieht den Arm der Mutter. Alle bereiten gemeinsam Pizza vor
Bild: Jimmy Dean – Unsplash

Das Können ist entscheidender als das Geschlecht – das ergibt eine erziehungswissenschaftliche Studie aus dem Forschungsschwerpunkt „Empirische Sozialforschung zu Bildung und Arbeit“ der Universität Bamberg.

Die Frau kocht, der Mann verdient Geld? Geht es nach Kindergartenkindern, sollten Aufgaben unabhängig vom Geschlecht verteilt werden. Kinder besitzen ein flexibles Rollenverständnis und einen Sinn für Gerechtigkeit. Zu diesem Ergebnis kommt ein erziehungswissenschaftliches Forschungsteam der Universität Bamberg. Ihre Studie wurde 2020 im Fachmagazin Diskurs Kindheits- und Jugendforschung veröffentlicht. „Viele Kinder verbinden bestimmte Tätigkeiten mit Personen, die erwachsen sind oder geeignete Kompetenzen besitzen. Weniger entscheidend ist für sie, ob jemand männlich oder weiblich ist“, schildert Hauptautor Dr. Lars Burghardt vom Lehrstuhl für Frühkindliche Bildung und Erziehung an der Universität Bamberg.

Interviews zeigen Geschlechtervorstellungen der befragten Kinder

Für die Studie haben Lars Burghardt, Fabian Hemmerich und Anna Mues Interviews mit 23 Jungen und 20 Mädchen aus drei Kindertageseinrichtungen in Oberfranken ausgewertet. Die insgesamt 43 Kinder waren im Jahr 2019 zwischen vier und sechs Jahre alt. Eine geschulte Interviewerin las ihnen das Bilderbuch Sigurd und die starken Frauen von Jutta Nymphius und Volker Fredrich vor. Darin geht es um ein Wikingerdorf, in dem Frauen in See stechen und kämpfen, während Männer Hausarbeiten erledigen und sich um die Kinder kümmern. Mit dieser Aufgabenverteilung sind nicht alle Dorfbewohnerinnen und -bewohner zufrieden. Schließlich einigen sie sich darauf, dass sie die Tätigkeit unabhängig vom biologischen Geschlecht wählen können.

Zum Inhalt dieses Buches wurden die Kinder befragt, um ihre eigenen Geschlechtervorstellungen zu erfassen. Beispielsweise lautete eine Frage an die Kinder: „Glaubst du, die Frida kann gut mit Axt und Schwert umgehen?“. 29 Kinder bejahten die Aussage. Warum? Sie antworteten unter anderem, dass sie es nicht wüssten, dass Frida geübt habe oder dass Frida schon groß sei. 13 Kinder verneinten die Frage, etwa mit der Begründung, dass Frida noch zu klein sei oder sich mit Waffen verletzen könne.

Eltern sollten mit Kindern über Bilderbücher sprechen

„Insgesamt weisen unsere Befunde darauf hin, dass viele Kinder flexible Vorstellungen haben, was das Verhalten von männlichen und weiblichen Figuren angeht“, sagt Lars Burghardt. Die Mehrheit der Kinder hatte zum Beispiel keine Zweifel daran, dass auch Väter sich gut um Kinder kümmern und kochen können. Sie waren der Ansicht, dass Tätigkeiten wie Nähen, Kämpfen oder Bügeln keinem Geschlecht mehr oder weniger liegen. „Einem Großteil der Kinder scheint es auch sehr wichtig zu sein, dass Männer und Frauen die gleichen Rechte und Möglichkeiten haben“, ergänzt Hemmerich. So empfanden die meisten Kinder die Aufgabenverteilung zwischen Männern und Frauen als ungerecht. Die im Buch eingeführte Gerechtigkeit der freien Aufgabenwahl stieß bei fast allen Kindern auf große Zustimmung.

„Wegen der kleinen Stichprobe sind diese Befunde nicht allgemeingültig“, schränkt Burghardt ein. Dennoch erlauben ihm die Ergebnisse, Eltern einen Ratschlag zu geben: „Bilderbücher sind gut geeignet, um mit Kindern offen und reflektiert über gesellschaftlich relevante Themen zu sprechen. Dafür können Eltern auch stereotype Bilderbücher verwenden, zum Beispiel über Prinzessinnen. Wichtig ist, auf die vielfältigen Möglichkeiten im realen Leben einzugehen. Nicht alle Mädchen müssen eine Prinzessin sein, wenn sie sich mit dieser Rolle nicht wohlfühlen.“ Denn: Bekommt ein Kind nur ein Lebensmodell vorgelebt, das nicht zu ihm passt, schränkt es dessen Vorstellungen und Entscheidungen möglicherweise ein.

Weitere Informationen stellen die Forschenden auf der Webseite ihrer Universität zur Verfügung.

Quelle: Otto-Friedrich-Universität Bamberg vom 14.12.2020

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