Jugendforschung / Gesundheit

Neue Studie zu sitzendem Verhalten bei Kindern und Jugendlichen

mehrere jugendliche Mädchen sitzen zusammen
Bild: © Scott Griessel Creatista- Fotolia.com

Wann und wie lange Kinder und Jugendliche sitzen, liegen oder sich bewegen, untersucht das Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS jetzt in einer vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Studie.

Für die Studie werden Jugendliche einer Bremer Schule einen Bewegungsmesser für eine Woche im Juni tragen und im Anschluss zu ihrem sitzenden Verhalten befragt. Zu Beginn des Schuljahres 2015/16 wird die Studie an weiteren Bremer Schulen durchgeführt.

Sitzendes Verhalten bislang wenig erforscht

Europaweit liegen nur wenige Daten darüber vor, wie viel, wann und wo Kinder und Jugendliche täglich sitzen, da die geeigneten Messmethoden fehlen. Dieses Wissen ist jedoch grundlegend um zu erkennen, wo Handlungsbedarf besteht oder Interventionen schon Erfolge zeigen. Bewegung ist die Basis für eine gesunde Entwicklung – sie stärkt das Herz-Kreislauf-System und die Knochen und hilft, ein gesundes Körpergewicht zu halten. Studien zeigen auch, dass körperlich aktive Kinder besser lernen können als diejenigen, die sich weniger bewegen. Daher ist es wichtig, längere Sitzzeiten zu vermeiden und Sitzen regelmäßig zu unterbrechen – sei es auch nur für einen kurzen Moment.

Fragebogen und Bewegungsmesser

Um sitzendes Verhalten und die Gründe hierfür zu erfassen, hat das BIPS mit europäischen Partnern einen Fragebogen entwickelt. Dieser wird jetzt erstmals an der Bremer Wilhelm-Olbers-Schule erprobt. Jugendliche der 9. Klassen tragen für eine Woche ein neuartiges Gerät, das erstmals zuverlässig Sitzen messen kann. Im Anschluss erhalten sie den Fragebogen, der Informationen über ihr Verhalten und die Einflussfaktoren über den Zeitraum einer Woche erfragt. BIPS-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler geben ihnen nach der Auswertung Rückmeldung, wie viel Zeit sie sitzend, liegend und körperlich aktiv verbracht haben und ob sie die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von mindestens 60 Minuten moderater bis starker körperlicher Aktivität pro Tag erreichen. Der neu entwickelte Fragebogen soll zukünftig in europaweiten Befragungen zur Gesundheitsberichterstattung eingesetzt werden.

Dr. Antje Hebestreit, Leiterin der Fachgruppe "Lebensstilbedingte Erkrankungen" am BIPS, erklärt: "Es ist selbstverständlich, dass Kinder und Jugendliche in der Schule, beim Lesen oder beim Musikhören sitzen. Wichtig ist es, dass die sitzenden Phasen nicht zu lang sind und immer wieder von Bewegung unterbrochen werden. Auch Schulen müssen überlegen, wie sie Sitzzeiten im Schulalltag regelmäßig unterbrechen können."

Die Studie wird im Rahmen des DEDIPAC-Netzwerks durchgeführt und ist Teil der europäischen Initiative "Eine gesunde Ernährung für ein gesundes Leben". Ziel des Netzwerks ist es, das Verständnis zu verbessern, wie individuelle, soziale, ökonomische, kulturelle und biologische Faktoren das Ernährungsverhalten, die körperliche Aktivität sowie sitzende Verhaltensweisen beeinflussen.

Quelle: Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS vom 08.06.2015

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