Jugendforschung

Jugendstudie Baden-Württemberg 2013 vorgestellt

Flagge des Landes Baden-Württemberg
Bild: © aldorado - Fotolia.com

Kultusminister Andreas Stoch hat gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Landesschülerbeirats, Selman Özen, und Wolfgang Antes, Geschäftsführer der Jugendstiftung Baden-Württemberg, die Jugendstudie 2013 der Öffentlichkeit vorgestellt.

80 Prozent der befragten Jugendlichen gaben darin an, sich an ihrer Schule wohlzufühlen, in ihrem Klassenverband sind es sogar 87 Prozent.

„Diese Rückmeldung freut mich besonders und belegt, welch unschätzbare Arbeit die Lehrkräfte im Land täglich leisten. Gleichzeitig zeigt uns die Studie, dass wir uns bei der beruflichen Orientierung, der Medienbildung und bei der Mitbestimmung im Schulalltag noch stärker für die Belange der Jugendlichen einsetzen müssen“, sagte der Kultusminister. Stoch dankte allen Jugendlichen, die sich bei der Studie engagiert sowie den Schulleitungen und Lehrkräften, die dieses Projekt unterstützt haben: „Die Jugendstudie gibt unseren Jugendlichen im Land eine Stimme und ermöglicht uns eine Politik, die auf ihre Bedürfnisse eingeht.“

Die Jugendstudie ist ein gemeinsames Projekt der Jugendstiftung und des Landesschülerbeirats (LSBR) und wird vom Kultusministerium gefördert. Für die Studie wurden rund 2.400 Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 12 und 18 Jahren aus nahezu allen Stadt- und Landkreisen Baden-Württembergs zu Themen wie Freundschaft, Medien, Schule, Engagement, Werte und Zukunft befragt. Eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse der Studie finden Sie im separaten Überblick.

Mehr Unterstützung bei der Berufsorientierung

Die Mehrheit der befragten Jugendlichen hat für ihre Zukunft konkrete Pläne. So gaben 39 Prozent an, dass sie bereits einen festen Berufswunsch haben, 51 Prozent freuen sich auf ein Studium oder eine Ausbildung. Über die Hälfte der Jugendlichen, 53 Prozent, ist sich sicher, später einen Arbeitsplatz zu finden. Allerdings fühlt sich ein gutes Drittel bei der Berufsorientierung nicht ausreichend unterstützt, vor allem von der Schule (60 Prozent) wünschen sich die Jugendlichen mehr Unterstützung. Unterschiedlich ist dabei die Einschätzung von Schülern der verschiedenen Schularten: 75 Prozent der Gymnasiasten geben an, in der Schule bei der Berufsorientierung zu wenig unterstützt zu werden, bei den Realschülern sind es 52 Prozent und bei den Haupt-/Werkrealschülern 47 Prozent. „Dieses Ergebnis bestärkt uns in unserem Vorhaben, die berufliche Orientierung an den weiterführenden Schulen auszuweiten. Eine frühzeitige und intensive Berufsorientierung ist die Voraussetzung für eine gute Zukunftsplanung der Jugendlichen“, betonte Stoch.

Im Rahmen der Bildungsplanreform 2015 soll dieses Themenfeld in allen Schularten noch zielgerichteter weiterentwickelt werden, um die Berufs- und Studienwahl stärker zu unterstützen. Da es dafür in verschiedenen Fächern Anknüpfungspunkte gibt, soll die Berufs- und Studienorientierung als durchgängiges Leitprinzip „Berufliche Orientierung“ in allen Schularten fächerübergreifend und durchgängig verankert werden. Für die Werkrealschulen, Realschulen, Gymnasien und Gemeinschaftsschulen soll außerdem ein neues Fach "Wirtschaft und Berufs- und Studienorientierung" eingeführt werden. Durch ein eigenständiges Fach werden sowohl die ökonomische Bildung der Schülerinnen und Schüler gestärkt als auch ihr Berufs- und Studienorientierungsprozess gezielt gefördert.

Außerdem wird bereits zum kommenden Schuljahr 2013/2014 die Kompetenzanalyse Profil AC an den Realschulen flächendeckend umgesetzt. Sie ist dann verbindlich für alle Schülerinnen und Schüler der Klassen 8. Durch das Verfahren können überfachliche, ausbildungsrelevante Kompetenzen erkannt und die Schülerinnen und Schüler bei ihrer Berufsorientierung individuell gefördert werden. Dafür erhalten die Realschulen zwei Stunden zusätzlich in der Stundentafel.

Medienbildung soll stärker verankert werden

Über alle Altersgruppen und Schularten hinweg liegt die Nutzung von Sozialen Netzwerken bei 86 Prozent – bei den 17- bis 18-jährigen sogar bei 93 Prozent. „Im Bereich Medienerziehung ist deshalb ein bedeutendes Maß an Präventionsarbeit zu leisten. Diese sollte nicht auf eine Einschränkung der Souveränität von Jugendlichen abzielen, sondern deren Kompetenz im Umgang mit der Freiheit im Netz stärken“, erklärte Selman Özen. Kultusminister Stoch ergänzte, dass der Umgang mit Medien heute eine der wichtigsten Schlüsselkompetenzen sei: „Wir müssen alle Kinder und Jugendliche bei einem selbstbewussten und souveränen Umgang mit digitalen Medien begleiten.“ Deshalb werde bei der Bildungsplanreform die Medienbildung als fächerübergreifendes Leitprinzip in allen Schularten und Jahrgangsstufen als zentrales Element im Unterricht verankert. Außerdem werde es für alle Schülerinnen und Schüler in Klasse 5 einen Basiskurs Medienbildung geben. Darüber hinaus unterstütze das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg alle Schulen durch ein umfangreiches Angebot, wie Informationsveranstaltungen, Workshops, Unterrichtsmaterial und durch die Medienpädagogische Beratungsstelle.

Partizipation und Schülerrechte stärken

Die Studie zeigt, dass sich 46 Prozent der befragten Schülerinnen und Schüler über die eigenen Rechte aufgeklärt fühlen, bei 32 Prozent ist dies nicht der Fall. „Die Mitbestimmungsrechte der Schüler sind mir ein wichtiges Anliegen“, betonte Stoch. Noch in diesem Jahr soll eine Schulgesetzänderung auf den Weg gebracht werden, die die Schülerinnen und Schülern zu gleichberechtigten Partnern in der Schulkonferenz macht. So sollen künftig Schulleitung und Lehrkräfte, Eltern sowie Schülerinnen und Schüler zu je einem Drittel in der Schulkonferenz vertreten sein. Das Kultusministerium werde dazu in Kürze Gespräche aufnehmen.

Die befragten Jugendlichen wurden in drei Altersgruppen aufgeteilt: 12 bis 14, 15 bis 16 und 17 bis 18 Jahre. Gemeinsam mit Jugendlichen aus dem Vorstand des LSBR wurde der Fragebogen entwickelt, die Erhebungsmethoden festgelegt und die Durchführung der Befragung abgestimmt. Die Studie ist damit nicht nur eine statistische Erfassung von aktuellen Daten, sondern ein Jugendbildungs- und Beteiligungsprojekt. „Die Jugendstudie erreicht eine hohe Repräsentativität durch die direkte, begleitete Befragung vor Ort – im Gegensatz zu den üblichen Telefonbefragungen“, betonte Wolfgang Antes. Besondere Bedeutung gewinnt neben den statistischen Darstellungen und Auswertungen die Kommentierung einzelner Teilergebnisse der Studie von Wissenschaftlern und durch den LSBR.

Bestellung und Download der Studie: http://www.jugendstiftung.de/index.php?id=20

Quelle: Ministerium für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg

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