Familienforschung

Viele Alleinerziehende in Baden-Württemberg sind berufstätig und dennoch von Armut betroffen

Ein Vater trägt seinen Sohn auf dem Arm.

Nach Berechnungen der amtlichen Sozialberichterstattung sind die Alleinerziehenden die am stärksten von Armut betroffene Gruppe. So waren im Jahr 2011 rund 43,5 Prozent der alleinerziehenden Mütter und Väter armutsgefährdet.

Am 15. Mai findet der Tag der Familie statt. Der Gedenktag wurde von den Vereinten Nationen im Jahr 1993 ins Leben gerufen und erinnert an die große Bedeutung der Familie als grundlegende Einheit unserer Gesellschaft. Im Mikrozensus, der größten amtlichen Haushaltebefragung in Deutschland, werden alle Eltern-Kind-Gemeinschaften als Familie erfasst, d.h. Ehepaare mit ledigen Kindern, nichteheliche und gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften mit ledigen Kindern sowie Alleinerziehende. Dadurch wird dem Wandel in den Familienstrukturen hin zu alternativen Lebensformen Rechnung getragen.

Nach Angaben des Mikrozensus lebten im Jahr 2011 rund 1,6 Millionen Familien in Baden-Württemberg, darunter 1,1 Millionen Familien mit Kindern unter 18 Jahren. Die Ein-Kind-Familie ist die am häufigsten gewählte Familienform: In 49,2 Prozent der Familien mit minderjährigen Kindern lebte ein lediges Kind. 39,2 Prozent der Familien hatten zwei Kinder, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, 11,6 Prozent der Familien hatten 3 Kinder und mehr. Gut drei Viertel der Familien mit unter 18-jährigen Kindern (77,6 Prozent) lebten im Jahr 2011 als Ehepaarfamilien zusammen. In 6,1 Prozent der Familien mit Kindern unter 18 Jahren lebten die Eltern in einer Lebensgemeinschaft, in 16,3 Prozent der Familien wuchsen die Kinder bei einem alleinerziehenden Elternteil auf.

Ein Indikator zur Bewertung der wirtschaftlichen Lage der Familien in Baden-Württemberg stellt das durchschnittliche monatliche Nettoeinkommen dar. 2,9 Prozent der Familien mit Kindern unter 18 Jahren standen in 2011 unter 900 Euro im Monat zur Verfügung. 8,5 Prozent der Familien bezogen ein durchschnittliches Nettoeinkommen von 900 bis unter 1.500 Euro sowie 9,4 Prozent der Familien von 1.500 bis unter 2.000 Euro. Knapp 17,4 Prozent der Haushalte mit minderjährigen Kindern verfügten über ein monatliches Nettoeinkommen in Höhe von 2.600 bis unter 3.200 Euro. Über 3.200 Euro monatlich hatten 44,8 Prozent der Haushalte zur Verfügung.

Zwischen den verschiedenen Lebensformen bestehen deutliche Unterschiede hinsichtlich der zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel. Besonders bei den Alleinerziehenden gestaltet sich die finanzielle Situation häufig als schwierig. 13,1 Prozent der Alleinerziehenden gaben an, weniger als 900 Euro netto im Monat zur Verfügung zu haben. Mit einem Anteil in Höhe von 35,2 Prozent fiel über ein Drittel der Familien mit nur einem Elternteil in die Gehaltsklasse von 900 bis unter 1.500 Euro. 4,6 Prozent bzw. 2,1 der Alleinerziehenden gaben an, 3.200 bis unter 4.500 bzw. mehr als 4.500 Euro monatlich zu verdienen.

Bei den Ehepaaren sowie bei den Familien, in denen die Elternteile in Form einer Lebensgemeinschaften zusammenleben, zeigt sich ein anderes Bild. Nur 0,8 Prozent der Ehepaare bzw. 1,8 Prozent der Personen in Lebensgemeinschaften fielen in 2011 in die Gehaltsklasse unter 900 Euro. Mehr als 3.200 Euro netto im Monat standen immerhin 52,9 Prozent der Ehepaare und 43,7 Prozent der Personen in Lebensgemeinschaften zur Verfügung.

Im Jahr 2011 waren 89,7 Prozent der Alleinerziehenden mit Kindern unter 18 Jahren Frauen. Diese bestreiten die Mittel für Ihren Lebensunterhalt überwiegend aus der eigenen Erwerbstätigkeit: Fast 70 Prozent der alleinerziehenden Frauen mit minderjährigen Kindern gingen im Jahr 2011 einer Berufstätigkeit nach. 16,6 Prozent der Frauen bezogen Arbeitslosengeld I oder Leistungen nach Hartz IV, rund 2,5 Prozent der Frauen empfingen Sozialhilfe. 4,8 Prozent der alleinerziehenden Frauen wurden von Ihren Angehörigen finanziell unterstützt, 6,4 Prozent der alleinerziehenden Frauen bezogen Einkünfte aus sonstigen Quellen wie beispielsweise Einkünfte aus Renten und Pensionen sowie Elterngeld.

Nach Berechnungen der amtlichen Sozialberichterstattung sind die Alleinerziehenden die am stärksten von Armut betroffene Gruppe. So waren im Jahr 2011 rund 43,5 Prozent der alleinerziehenden Mütter und Väter armutsgefährdet. In Haushalten, in denen zwei Erwachsene und ein Kind zusammenleben, lag diese Quote bei 8,8 Prozent. Mit steigender Kinderzahl nimmt jedoch auch hier die Armutsgefährdung zu: in Haushalten mit zwei Erwachsenen und drei oder mehr Kindern lag die Armutsgefährdungsquote im Jahr 2011 bei 25,3 Prozent.

Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg vom 13.05.2013