Familienforschung / Gesundheit

Elternschaft in der Sucht-Selbsthilfe: Erste Ergebnisse der Forschungsstudie im Rahmen des Deutschen Suchtkongresses

Tunnel
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Auf dem Deutschen Suchtkongress 2013 in Bonn stellten Agnes Kulinski von der Evangelischen Hochschule in Nürnberg (EVHN) und Knut Kiepe vom Gesamtverband für Suchtkrankenhilfe (GVS) die ersten Ergebnisse der aktuellen Forschungsstudie „Das Thema Elternschaft in der Sucht-Selbsthilfe“ vor.

In den Gruppen der drei diakonischen Sucht-Selbsthilfeverbände Blaues Kreuz in Deutschland e.V., Blaues Kreuz in der Evangelischen Kirche Bundesverband e.V. und den Freundeskreisen für Suchtkrankenhilfe – Bundesverband e.V. wurden sowohl eine allgemeine Befragung (quantitativer Studienteil) als auch eine Reihe von Telefoninterviews (qualitativer Studienteil) anonymisiert durchgeführt.

Die Hypothesen

Rückmeldungen aus der Sucht-Selbsthilfe führten zu einigen Hypothesen, die als Grundlage und „Initialzündung“ für dieses Forschungsvorhaben dienten:

  • Das Thema „Elternschaft“ ist eher selten ein intensives Thema in den Gruppen der Sucht-Selbsthilfe. Ein Grund hierfür könnte das hohe Durchschnittsalter in den Gruppen sein. Auf den ersten Blick rückt das Thema damit zunächst in den Hintergrund.
  • Potentiell können aber alle Menschen in der Sucht-Selbsthilfe zum Thema beitragen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich beispielsweise um „aktive“ Eltern (mit Kindern im Haushalt) oder um Großeltern handelt. Erfahrungen als Eltern oder auch mit den eigenen Eltern beinhalten für beide Gruppen in der Regel wichtige und zumeist prägende Erlebnisse.
  • Eine intensivere Auseinandersetzung der Sucht-Selbsthilfe mit dem Thema Elternschaft könnte zum einen vielleicht helfen, „Reflexionslücken“ zu schließen – könnte darüber hinaus aber auch dazu beitragen, das Verständnis zwischen den Generationen zu verbessern.
  • Prägende Erlebnisse und Erfahrungen treffen in der Diskussion allerdings häufig einen wunden Punkt – so kommt es eher zu einer Verdrängung statt zur Offenheit im Umgang mit dem Thema Elternschaft.

Erste Ergebnisse

Eine erste Analyse der im Rahmen der Befragung sowie der Telefoninterviews erlangten Ergebnisse erlaubt bereits jetzt einige hervorzuhebende Aussagen:

  1. Der Besuch einer Selbsthilfegruppe kann zu einem „Türöffner“ für das Thema Elternschaft werden!
    Die Kontinuität des Besuchs einer Sucht-Selbsthilfegruppe – 84,78% der Befragten nehmen länger als ein Jahr an der Gruppe teil – macht das Ansprechen sensibler Themen (wie auch das Thema „Elternschaft“) wahrscheinlicher. 75% der Teilnehmer erleben den dauerhaften Besuch der Gruppe als vertrauensbildend und geben an, dass sich das Bild von Elternschaft schon in dieser Zeit verändert hat.
  2. Viele Menschen in der Selbsthilfe wünschen sich eine stärkere Familienorientierung!
    Mit 48% spricht sich fast die Hälfte der Befragten für eine deutlichere Familienorientierung und damit für eine Einbeziehung der (anderen) Familienmitglieder in die Prozesse und Angebote der Sucht-Selbsthilfe aus – vor allem auch mit der Intention, dass eine solche Einbeziehung helfen kann, besser mit den (eigenen) Kindern über das Thema Sucht und die eigene Erkrankung bzw. Betroffenheit sprechen zu können.
  3. Spezielle Angebote für Eltern und Familien könnten die Selbsthilfe für „jüngere Menschen“ attraktiver machen!
    Die Frage nach den Möglichkeiten einer stärkeren Einbeziehung bzw. Ansprache von jüngeren Menschen bewegt die Sucht-Selbsthilfe schon seit langem (Wichtig: Mit „jüngere Menschen“ ist bereits die Gruppe der 40 bis 50 Jährigen gemeint – in dieser Gruppe befinden sich noch viele „aktive“ Eltern mit eigenen Kindern im Haushalt). Viele Befragte formulieren konkrete Ideen, welche die Attraktivität der Sucht-Selbsthilfe für „Jüngere“ steigern könnte. Die Ideenpalette reicht dabei von der aktiven Einbeziehung der Kinder im Rahmen von Gruppenstunden über das Angebot spezieller Eltern-Kind-Gruppen bis hin zum organisierten Babysitting während der Gruppensitzung. 

Schlussfolgerungen

Zusammenfassend stellt sich die Frage nach den möglichen Auswirkungen einer stärkeren Sensibilisierung der Sucht-Selbsthilfe zum Thema Elternschaft. Hier bieten sich unter anderem die folgenden Zielorientierungen an:

  • Sucht-Selbsthilfe wird insgesamt familienorientierter.
  • Die Sucht-Selbsthilfe bietet verstärkte (spezielle) Angebote für aktive Eltern an und schafft so neue Zugänge für jüngere Menschen.
  • Großeltern in der Sucht-Selbsthilfe geben Ihre „Elternerfahrungen“ noch deutlicher „vorbildhaft“ weiter.
  • Betroffenenkompetenz in der Sucht-Selbsthilfe erweitert sich um das Spannungsfeld „Elternschaft und Suchterkrankung“.
  • Die ehrenamtlichen/freiwilligen Ausbildungen im Sucht-Selbsthilfebereich berücksichtigen das Thema Elternschaft.

Weitere Informationen zur Studie finden Sie hier. Eine Veröffentlichung der kompletten Studienergebnisse ist für das Frühjahr 2014 geplant.

Quelle: Gesamtverband für Suchtkrankenhilfe (GVS) vom 14.11.2013

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