Familienforschung

Neue FH-Studie untersucht Vater-Kind-Beziehung

Ein Vater mit geschlossenen Augen und Baby auf dem Arm
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Ein neues Forschungsprojekt, an dem neben der FH Dortmund Hochschulen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz beteiligt sind, nimmt eine weitgehend unerforschte Spezies in den Fokus: die Väter. Welche Motive und Ziele haben Väter für ihren Nachwuchs und welchen Einfluss haben sie auf die soziale Entwicklung ihrer Kinder?

Das und vieles mehr will die Psychologin Prof. Dr. Katja Nowacki von der Fachhochschule Dortmund herausfinden. „Für die Entwicklung von Kindern ist die Beziehung zu beiden Elternteilen wichtig. Doch anders als bei der gut erforschten Rolle der Mutter ist die Vaterrolle in der Forschung bislang vernachlässigt worden“, sagt Katja Nowacki. In den Mittelpunkt ihres „Väterprojektes“ stellt sie „Vaterschaft zwischen Jugendhilfeerfahrung und väterlicher Kompetenz” und nimmt hier Väter unter die Lupe, die selbst aus ungünstigen oder instabilen familiären Strukturen stammen. „Die Forschung über Väter in diesem Bereich beschränkt sich bislang, wenn überhaupt, eher auf die Rolle von Vätern als Täter“, sagt die Professorin am Fachbereich Angewandte Sozialwissenschaften. „Bisherige Untersuchungen zeigen, dass vor allem die eigenen Erfahrungen in der Kindheit für die Erziehung der Kinder wichtig sind, weil diese auch die Vorstellungen vom eigenen Vatersein beeinflussen oder prägen“. Eine interessante Forschungsfrage sei, wie sich Männer, die ihre eigene Sozialisation in solchen „broken homes“ erfuhren, in ihre eigene Vaterrolle einfinden.

In einer Mischung aus Grundlagen- und Anwendungsforschung will die Sozialpsychologin in den nächsten Monaten mit verschieden Methoden austesten, wie gut die jeweilige Vater-Kind-Beziehung ist und über welche Ressourcen und Schutzfaktoren die Väter verfügen. Rund 150 Väter sollen im Rahmen des Dortmunder Projektes befragt werden. Zur untersuchten Gruppe gehören Väter, die ein leibliches oder ein Stiefkind großziehen, Väter in Patchwork-Familien oder Väter, die nicht mit ihrem Kind zusammenleben. Das Bindungsverhalten innerhalb von Familien ist ein Bereich, in dem Katja Nowacki bereits geforscht hat. So fließen Erfahrungen aus ihrer Studie zur „Bindungsentwicklung von Pflegekindern“ in das neue Forschungsprojekt ein.
Langfristiges Ziel des Projektes ist es, Empfehlungen für Väter und für Fachkräfte in der Jugendhilfe zu entwickeln, die dazu beitragen, die Vater-Kind-Beziehung zu stärken. Prof. Nowacki: „Dafür möchten wir mit Vätern in einem geschützten Rahmen über ihre eigenen Kindheitserfahrungen und aktuellen Beziehungen sprechen und darüber, wie sie ihre heutige Vaterrolle verstehen. Uns interessiert darüber hinaus auch, zu beobachten,  wie die Väter mit ihren leiblichen, Stief- oder Adoptivkindern umgehen“.

Die Gesamtstudie

Das Dortmunder Forschungsprojekt ist Teil der internationalen Studie „Väteraufbruch“, die von Forschenden aus Zürich, Wien, Freiburg, Kassel, Dortmund und Osnabrück getragen wird. (Siehe dazu auch: „Der unbekannte Vater“, Der Spiegel, Wissenschaft, S. 120 – 123, 36/2013, 02. September 2013). Sechs Teilprojekte betrachten das Thema Vaterschaft jeweils aus einem anderen Blickwinkel. Besonders wichtig dabei ist, dass die Forschung in sämtlichen Einzelprojekten sich nicht auf die biologische Vaterschaft beschränkt, sondern auch die Fürsorge für Stief- oder Adoptivkinder Familien umfasst.

Die Forschungsfragen der fünf weiteren Teilprojekte sind thematisch breit gefächert. Sie untersuchen beispielsweise, was Männer bewegt, sich in der Kindererziehung zu engagieren (Prof. Dr. Ulrike Ehlert, Universität Zürich), ihre Balance zwischen Arbeit und Familie (Prof. Dr. Petra L. Klumb, Universität Freiburg), die Rolle von Stiefvätern (Prof. Harald A. Euler, Universität Kassel), Väter als wichtige emotionale Entwicklungsressource von gefährdeten Kindern (Lieselotte Ahnert, Universität Wien) oder Väter als Unterstützer bei der Entwicklung des eigenen Selbstbildes (Julius Kuhl, Universität Osnabrück).
Um die Rolle des Vaters wissenschaftlich aufzuarbeiten, haben sich die Forscherinnen und Forscher im vergangenen Jahr unter Leitung von Prof. Dr. Lieselotte Ahnert (Universität Wien) zum Central European Network on Fatherhood (Cenof) zusammengeschlossen und starten mit „Väteraufbruch“ jetzt ihre erste gemeinsame Studie. Die Jacobs Foundation fördert die Forschungen drei Jahre lang mit insgesamt 2 Mio. Euro. Rund 280 000 Euro fließen davon an die Fachhochschule Dortmund. www. vaeterprojekt@fh-dortmund.de

Studie sucht Probanden

Für die Dortmunder Studie werden aktuell noch Väter gesucht, die Interesse an einer Teilnahme haben. Wer ein leibliches, ein Stief- oder Adoptivkind im Alter von etwa ein bis sechs Jahren hat und selbst als Kind Jugendhilfeerfahrung gemacht hat, kann sich melden unter: E-Mail: vaeterprojekt@DontReadMefh-dortmund.de; Tel. 0160-6607519; www.facebook.com/vaeterprojekt. Die Teilnahme an allen vorgesehenen Terminen wird mit Gutscheinen in Höhe von € 100 vergütet.

Kontakt: Prof. Dr. Katja Nowacki, Fachbereich Angewandte Sozialwissenschaften, FH Dortmund / Tel. 0231 755-4984, E-Mail: katja.nowacki@DontReadMefh-dortmund.de

Quelle: Fachhochschule Dortmund