Distance Learning

Internationale Studie zur Selbstbestimmungstheorie in Coronazeiten

Ein Jugendlicher sitzt mit aufgestütztem Kopf zuhause über Schulaufgaben, stilisierte Coronaviren sind über das Bild verteilt.
Bild: Alexandra Koch – pixabay.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Wie ging es Schüler(inne)n, die wegen der COVID-19-Pandemie ungeplant und unfreiwillig zuhause lernen mussten? Womit hing ihre Lernmotivation zusammen? Julia Holzer von der Universität Wien führte zu diesen Fragen in Kooperation mit Kolleg(inn)en aus acht Ländern eine internationale Studie durch. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung des Erlebens der eigenen Kompetenz der Jugendlichen und des Gefühls, mit anderen verbunden zu sein. Beide Faktoren stehen in engem Zusammenhang mit positiven Emotionen, Lernmotivation und aktivem Lernverhalten.

Die Studie stützt sich auf eine psychologische Theorie, die als Selbstbestimmungstheorie bekannt ist und drei grundlegende psychologische Bedürfnisse beschreibt: Autonomie, soziale Eingebundenheit und Kompetenzerleben. Frühere Forschungen lieferten bereits Belege für diese Theorie, jedoch war bisher unklar, inwiefern sie auf Jugendliche im Kontext von Lernen unter COVID-19 Bedingungen anwendbar ist.

Um die Selbstbestimmungstheorie in Zeiten des Distance Learning zu untersuchen, führten Holzer und Kolleg(inn)en eine länderübergreifende Erhebung mit 25.305 Jugendlichen in Europa, Asien und Nordamerika durch. Die Befragung lief von April bis Juni 2020 und umfasste Fragen zu den drei psychologischen Grundbedürfnissen dem Wohlbefinden, der Lernmotivation und dem Lernverhalten.

Über alle acht Länder hinweg war Kompetenzerleben – zum Beispiel sich als fähig zu erleben, den Großteil der Schulaufgaben trotz aller Umstände gut zu erledigen – mit positiven Emotionen, Lernmotivation und aktivem Lernverhalten in Form von Engagement und Ausdauer verbunden. Das Erleben von sozialer Eingebundenheit war ebenfalls konsistent mit positiven Emotionen verbunden.

„Die Ergebnisse unserer Studie machen deutlich, dass Distance Learning in Zeiten von COVID-19 mit der Förderung von Kompetenzerleben und sozialer Eingebundenheit verknüpft sein sollte. Zudem ist es wichtig, Lernende zu befähigen mit der Autonomie des Distance Learning umzugehen und den Gestaltungsspielraum zu nutzen, indem Strategien zum selbstorganisierten Lernen vermittelt werden“, so Julia Holzer abschließend.

Quelle: Universität Wien vom 25.05.2021

Publikation:
Holzer J, Korlat S, Haider C, Mayerhofer M, Pelikan E, et al. (2021) Adolescent well-being and learning in times of COVID-19—A multi-country study of basic psychological need satisfaction, learning behavior, and the mediating roles of positive emotion and intrinsic motivation. PLOS ONE 16(5): e0251352. DOI: 10.1371/journal.pone.0251352

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:
Dr. Julia Holzer
Fakultät für Psychologie
Universität Wien
1010 – Wien, Universitätsstraße 7 (NIG)
+43-1-4277-47402
[email protected]

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