Motivation und Gesundheit

Job Crafting – Online-Training ermöglicht Auseinandersetzung mit der eigenen Arbeitssituation

Eine Person hält eine dünne Lichterkette in zwei geöffneten Händen
Bild: rawpixel.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Die eigene Tätigkeit besser an die individuellen Bedürfnisse, Fähigkeiten und Wünsche anpassen: Diesen Ansatz vermittelt ein neues Online-Training mit dem Titel „Craft Your Job!“, das Wissenschaftlerinnen am Psychologischen Institut der Universität Heidelberg entwickelt haben.

Das Online-Training mit dem Titel „Craft Your Job!“ ist Teil einer Studie, die unter Leitung von Thea Ebert und Prof. Dr. Tanja Bipp in der Arbeitseinheit Arbeits- und Organisationspsychologie durchgeführt wird. Untersucht wird unter anderem, wie Arbeit und Arbeitsplatz idealerweise gestaltet sein sollen, um die Motivation und Gesundheit von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zu erhalten und nachhaltig zu fördern.

„Wie und in welchem Umfeld gearbeitet wird, verändert sich durch Globalisierung sowie neue Informations- und Kommunikationstechnologien rasend schnell“, sagt Thea Ebert, die sich im Rahmen ihrer Promotion in der Arbeitsgruppe von Prof. Bipp mit dem Thema Job Crafting beschäftigt. „Für Arbeitnehmer bedeutet das einerseits mehr Gestaltungsspielraum, um individuell zu entscheiden, wie, wann und wo gearbeitet wird. Andererseits können mit dieser Flexibilisierung eine höhere Arbeitsbelastung und Stress verbunden sein, der durch eben jene Technologien verursacht wird, die die Arbeit eigentlich erleichtern sollen“. Im Rahmen ihrer Forschung untersuchen die Wissenschaftlerinnen, wie eine proaktive Arbeitsplatzgestaltung dazu beitragen kann, diese Herausforderungen zu meistern.

Aufgaben, Rollen und Verpflichtungen proaktiv verändern

Hierfür haben sie ein Online-Training entwickelt, das eine individuelle Auseinandersetzung mit der eigenen Arbeitssituation ermöglicht. Es basiert auf dem Konzept des Job Crafting. Dabei wird die Arbeit innerhalb der durch den Arbeitgeber festgesteckten Grenzen auf die eigenen Bedürfnisse, Fähigkeiten und Ziele angepasst. Aufgaben, Rollen und Verpflichtungen werden nicht als gegeben verstanden, sondern proaktiv verändert – beispielsweise, indem gezielt Tätigkeitsfelder gesucht werden, die besonders gut zu den eigenen Fähigkeiten passen, oder indem soziale Ressourcen wie der kollegiale Austausch stärker genutzt werden. Eine entscheidende Rolle spielt auch, wie die ausgeübte Tätigkeit individuell wahrgenommen wird. „Es geht nicht nur darum, das Verhalten anzupassen. Wichtig ist daneben auch, wie die Sicht auf den eigenen Job verändert werden kann, so dass dieser als sinnvoller und erfüllender erlebt wird. Das kann man mithilfe des Job Crafting gezielt trainieren“, betont Thea Ebert.

Mehr Zufriedenheit und weniger Erschöpfung

Erste praktische Studien weisen nach Angaben der Arbeitspsychologin darauf hin, dass mithilfe dieses Ansatzes die individuelle Zufriedenheit und Motivation gesteigert und die arbeitsbedingte Erschöpfung verringert werden können. Bisher wurde laut Thea Ebert der kognitive Aspekt des Job Crafting in praktischen Trainings jedoch weitgehend vernachlässigt. Um diese konzeptionelle Lücke zu schließen, hat die Arbeitsgruppe von Prof. Bipp das Online-Training „Craft Your Job!“ entwickelt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer absolvieren hierbei eine praktische, 30-minütige Übungseinheit und nehmen an zwei Befragungen teil, die wissenschaftlich evaluiert werden. Dabei erhalten sie eine individuelle Anleitung, um das Gelernte im Berufsalltag umzusetzen.

Mithilfe der Befragungen wollen die Forscherinnen insbesondere in Erfahrung bringen, welche Übungen besonders effektiv zu Erfolgen führen und ob dies für verschiedene Personengruppen – zum Beispiel Vollzeit- und Teilzeit-Beschäftigte – in gleicher Weise zutrifft. Von der wissenschaftlichen Auswertung der Ergebnisse erhoffen sie sich neue Erkenntnisse zur Wirksamkeit des Job Crafting als niedrigschwellige arbeitspsychologische Intervention. Interessierte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer können noch bis zum 30. September 2021 an dem Online-Training teilnehmen.

Weitere Informationen

Quelle: Universität Heidelberg vom 23.08.2021

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