Nachhaltigkeit / Sozialpolitik

Naturschutz für alle: Neues Projekt für benachteiligte Kinder und Erwachsene

Mit den Händen eines jungen Erwachsenen wird eine junge Pflanze gehalten
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Sozialökonomisch benachteiligte Kinder und Erwachsene sollen in einem neuen niedrigschwelligen Projekt im Bundesprogramm Biologische Vielfalt für den Naturschutz begeistert werden, damit ihr Wissen und ihre Teilhabe am Naturschutz gesteigert werden können. Im August 2019 starten in Eberswalde die ersten Umweltbildungsprogramme, die bundesweit übertragbar gestaltet werden.

Die Teilnehmenden der Umweltbildungsprogramme lernen die biologische Vielfalt vor ihrer Haustür kennen, entwickeln eigene Ideen zur Gestaltung von Grün- und Brachflächen und setzen diese in ihrer unmittelbaren Umgebung um. Das Projekt wird bis April 2023 vom Bundesumweltministerium mit 904.000 Euro gefördert und vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) inhaltlich begleitet. Es wird von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde in Kooperation mit der Stiftung WaldWelten durchgeführt.

Teilhabe auf lokaler bis regionaler Ebene

Bundesumweltministerin Svenja Schulze: „Der Schutz der biologischen Vielfalt ist eine Gemeinschaftsaufgabe, die vielfältige Möglichkeiten der aktiven gesellschaftliche Teilhabe vor allem auf lokaler bis regionaler Ebene bietet. Über den elementaren Beitrag zum Naturschutz in Deutschland hinaus wirkt freiwilliges Naturschutzengagement in Verbänden und zivilgesellschaftlichen Organisationen in das Leben jedes Einzelnen hinein und stärkt das Bewusstsein für die biologische Vielfalt im Alltag.“

BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel: „Unsere Untersuchungen zum Naturbewusstsein zeigen uns, dass Menschen, die in Bezug auf Bildung und Einkommen benachteiligt sind, bislang kaum an gesellschaftlichen Prozessen im Naturschutz teilhaben. Dazu brauchen wir niedrigschwellige und gut zugängliche Angebote, die ein direktes Naturerleben ermöglichen und Möglichkeiten zum Handeln vermitteln. So können wir mit dem Naturschutz für mehr ökologische und soziale Gerechtigkeit sorgen.“

Naturerleben ermöglichen

Im Mai 2019 ist das Modellprojekt mit dem Titel „Entwicklung und Erprobung didaktischer Modelle zur Aktivierung benachteiligter Gruppen für den Erhalt der biologischen Vielfalt“ im Bundesprogramm Biologische Vielfalt im Förderschwerpunkt „Weitere Maßnahmen“ gestartet. Es richtet sich insbesondere an sozialökonomisch benachteiligte Kinder aus dem Vorschulbereich, der Grund- oder Förderschule und an Erwachsene, die sich in Arbeitsförderungsmaßnahmen befinden beziehungsweise ohne Arbeit sind. Ihnen soll in Teilnehmergruppen gleichen Alters auf Wald- und Wiesenexkursionen Begeisterung für und Wissen über die biologische Vielfalt und deren Schutz vermittelt werden. Darauf aufbauend entwickeln die Teilnehmenden Ideen und setzen diese in ihrem unmittelbaren Umfeld auf Flächen der Stadt Eberswalde, des Landkreises Barnim und weiterer Partner um – etwa indem sie gebietsheimische Arten anpflanzen, Nistmöglichkeiten aufbauen oder Streuobstwiesen pflegen. Die gesammelten Erfahrungen befähigen die Teilnehmenden dazu, sich dauerhaft in bestehenden Naturschutzinitiativen zu engagieren und ihre erworbenen Kenntnisse in ihrem persönlichen Umfeld weiterzugeben.

Bundesweit übertragbares Modellprojekt

In dem Projekt werden für die Ansprüche der Zielgruppen didaktische Modelle entwickelt, in der Gruppenarbeit erprobt und im Verlauf des Vorhabens angepasst. Die Modelle werden bundesweit übertragbar sein und über bestehende und neu gebildete Kooperationen, Veranstaltungen sowie Veröffentlichungen verbreitet. Durch die enge Zusammenarbeit verschiedener Einrichtungen und Institutionen vor Ort wird darüber hinaus eine langfristige Vernetzung der entsprechenden Organisationen angestrebt.

Das Bundesprogramm Biologische Vielfalt

Die Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) wird seit 2011 durch das Bundesprogramm Biologische Vielfalt unterstützt. Gefördert werden Vorhaben, denen im Rahmen der NBS eine gesamtstaatlich repräsentative Bedeutung zukommt oder die diese Strategie in besonders beispielhafter Weise umsetzen. Die geförderten Maßnahmen tragen dazu bei, den Rückgang der biologischen Vielfalt in Deutschland zu stoppen und mittel- bis langfristig in einen positiven Trend umzukehren. Sie dienen dem Schutz und der nachhaltigen Nutzung sowie der Entwicklung der biologischen Vielfalt und gehen über die rechtlich geforderten Standards hinaus. Akzeptanzbildende Maßnahmen der Information und Kommunikation tragen dazu bei, das gesellschaftliche Bewusstsein für die biologische Vielfalt zu stärken.

Quelle: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit und Bundesamt für Naturschutz vom 02.07.2019

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