Gesundheit

Eine Ernährungs- und Verkehrswende wäre doppelter Gewinn für Kinder

Mehrere Kinder essen gemeinsam zu Mittag, das Mädchen in der Mitte lächelt
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„Das Schlimmste kommt erst noch,“ schrieb der Weltklimarat Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) in seiner aktuellen Stellungnahme. Kinder- und Jugendärzte nehmen die Warnung des IPCC zum Anlass, Eltern daran zu erinnern, wie sie die individuelle Gesundheit ihrer Kinder fördern und gleichzeitig aktiv Umwelt und Klima schützen können.

„Familien sind kleine Ökosysteme; individuell und in der Summe können sie viel erreichen.“ sagte Jakob Maske, Kinder- und Jugendarzt und Bundespressesprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Zusammen mit seinem Kollegen, dem Bremer Kinder- und Jugendarzt Dr. Marco Heuerding, hat Jakob Maske Tipps zusammengestellt, wie Eltern mit kleinen Alltagsänderungen viel für die Gesundheit ihrer Kinder und zugleich für das Klima tun können.

Weniger tierische Nahrungsmittel

Dr. Marco Heuerding: „Wir wissen, dass die Produktion tierischer Nahrungsmittel wie Fleisch, Eier, Milch relevant zum Klimawandel beiträgt und dass ihr übermäßiger Konsum gleichzeitig Übergewicht verursacht. Wenn Familien ihre Ernährung umstellen, wenn Eltern also ihren Kindern und sich selbst weniger tierische Lebensmittel anbieten und dafür mehr Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte, können sie wesentlich zum Umweltschutz und zugleich zur Verhinderung von Übergewicht beitragen. Beides sichert Kindern eine gesunde Zukunft."

Weniger industriell verarbeitete Nahrungsmittel

Auch hochgradig industriell verarbeitete Nahrungsmittel wie Fertig-Pizza, Streichwurst, aromatisierte und gezuckerte Milchprodukte sowie süße Getränke sind Klimakiller, da die hochgradig industrielle Verarbeitung von Nahrungsmitteln mit einem hohen CO2 Ausstoß einhergeht. Zudem schaden diese Produkte der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, weil sie Übergewicht und sämtliche damit verbundene Folgeerkrankungen begünstigen. Wir wünschen uns daher, dass sie nicht als Nahrung für Kinder designt und beworben werden. Auch hier gibt es einen Synergieeffekt für den Klimaschutz, es decken sich die Anforderungen an eine gesunde Kinderernährung mit den Zielen des Klimaschutzes.

Zu Fuß statt im Auto

Die „Elterntaxis“, die jeden Morgen die Kinder zur Kita und in die Schule fahren, stoßen CO2 und Schadstoffe direkt auf dem Schulweg der Kinder aus, gleichzeitig wird den Kindern die Bewegung auf ihrem Schulweg genommen. Zu Fuß oder auch per Roller oder Fahrrad - so sollte der Weg zur Schule und eigentlich jeder Weg in unserer städtischen Umgebung zurückgelegt werden.

Raus aus dem Netz und an die frische Luft

Stundenlange Beschäftigung an Bildschirmen trägt in fast allen Industrieländern zur Bewegungsarmut der Kinder bei. Ein Kind, das seinen Tag mit Serien, Filmchen, Social-Media und Videospielen auf dem Sofa verbringt, verbrennt kaum Kalorien, schläft schlecht, Konzentration und Aufmerksamkeit leiden. Gleichzeitig ist das Internet an 2 % der weltweiten CO2 Emissionen beteiligt, dies entspricht dem gesamten Flugverkehr. Der CO2-Ausstoß entsteht, weil Servernetzwerke mit ihren kilometerlangen Unterwasserkabeln, Schaltern und Routern eine enorme Menge Energie verbrauchen. Diese stammt zum größten Teil aus fossilen Brennstoffen. Die Begrenzung der täglichen Bildschirmzeiten hilft also Kindern und Umwelt gleichermaßen.

Es muss bewusst werden, dass der Weg, wie die Kinder aufwachsen, immer in mindestens zwei Richtungen wirkt: auf die individuelle Gesundheit und auf das Wohl des Planeten. Daher will der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte Eltern und Politik für das Thema „Healthy Kids and Healthy Planet“ (Gesunde Kinder und gesunder Planet) gewinnen und ihnen die Synergieeffekte von gesunder Ernährung, ausreichender Bewegung und geringerem Medienkonsum für Klima und Kindergesundheit zeigen.

Quelle: Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. vom 28.06.2021