Junge Flüchtlinge / Gesundheit

Online-Portal vermittelt Wissen zur Behandlung traumatisierter Kinder und Jugendliche

Junge Frau stützt verzweifelt ihren Kopf auf ihre Hände, mit denen sie ihre Augen bedeckt
Bild: rawpixel.com

Eine bessere Versorgungslage für Kinder und Jugendliche, die an einer posttraumatischen Belastungsstörung leiden, ist das Ziel des Lehrstuhls für Klinische und Biologische Psychologie der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU), der dazu eine kostenlose Online-Lernplattform für Psychotherpeutinnen und -therapeuten entwickelt hat. Das Portal berücksichtigt dabei auch die Bedürfnisse junger Patientinnen und Patienten, die einen Flucht- bzw. Migrationshintergrund haben.

Die Lernplattform vermittelt Kenntnisse zur in den USA entwickelten „Traumafokussierten kognitiven Verhaltenstherapie“ (TF-KVT), die sich für diese Zielgruppe als Behandlungsform bewährt hat und gründlich evaluiert wurde. Das deutschsprachige Portal der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) lehnt sich an eine Fassung an, die in den USA seit 2005 im Einsatz ist und dort mittlerweile mehr als 300.000 Nutzer erreichte.

Traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie bei Kindern und Jugendlichen

„Mit dem Online-Portal wollen wir eine Lücke zwischen Wissenschaft und Praxis schließen: Durchschnittlich dauert es 17 Jahre, bis eine neue Behandlungsmethode in der Grundversorgung angekommen ist. Den Zeitraum der Dissemination möchten wir deutlich verkürzen und zur Verbreitung der TF-KVT als bewährte Therapieform beitragen“, erklärt Prof. Dr. Rita Rosner, die an der KU den Lehrstuhl für Klinische und Biologische Psychologie innehat und die Psychotherapeutische Hochschulambulanz der KU leitet. Gefördert vom Bundesforschungsministerium verifizierte Rosner mit Ihrem Team selbst in mehreren Studien die Wirksamkeit der traumafokussierten kognitiven Verhaltenstherapie bei Kindern und Jugendlichen. Das Training von Therapeuten erfolgte in diesen Projekten über eine Kombination von Seminaren und E-Learning, was zur Idee des neuen Online-Portals führte. „Die Lernplattform ist ein exzellentes Beispiel für den Transfer in Gesellschaft, den wir als Katholische Universität neben Forschung und Lehre gleichrangig verfolgen. Wir wollen Wissenschaft für die Gesellschaft und mit der Gesellschaft betreiben“, betont KU-Präsidentin Prof. Dr. Gabriele Gien.

Die TF-KVT eignet sich auch für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen, die etwa durch Krieg und Flucht traumatisiert wurden, da sie sich in unterschiedlichen kulturellen Settings bewährt hat. Dies zeigen etwa Studien, die in Afrika, Asien und dem Nahen Osten durchgeführt wurden. Das Zentrum Flucht und Migration (ZFM) der KU unterstützte deshalb aus Mitteln der Erzdiözese München und Freising die zweijährige Entwicklungszeit der Lernplattform. Damit wurde etwa die Übersetzung von Materialien in Paschtu, Farsi oder Arabisch ermöglicht, mit denen Therapeuten die Kinder und Jugendliche standardisiert behandeln können. „Das ZFM will nicht nur die Ursachen und Auswirkungen von Flucht und Migration erforschen, sondern auch durch konkrete Angebote im Bereich Bildung und Coaching wirken. Die Online-Fortbildung für Therapeutinnen und Therapeuten soll auch einen Beitrag dazu leisten, die Auswirkungen von Flucht und Migration zu lindern“, erklärt Dr. Julia Devlin, Geschäftsführerin der Zentrums Flucht und Migration an der KU.

Ziel der TF-KVT ist es, dass traumatisierte Kinder und Jugendliche lernen, besser mit den Emotionen umzugehen, die traumatische Erlebnisse bei ihnen hervorrufen, und diese Erfahrungen in ihr Leben zu integrieren. „Die Kinder sollten nach dem erfolgreichen Abschluss einer TF-KVT einerseits ein Gefühl der Kompetenz erworben haben, weil sie nicht länger von mit dem Trauma in Zusammenhang stehenden Problemen überwältigt werden. Sie sollten andererseits hoffnungsvoll in die Zukunft blicken können, weil sie gelernt haben, wie sie mit Problemen umgehen können“, erläutert Rosner. Die TF-KVT umfasst als relativ kurzes Behandlungsmodell 12 bis 20 Sitzungen. Für einen optimalen Therapieverlauf ist es ideal, wenn ein unterstützender Elternteil oder eine andere Bezugsperson in die Therapie einbezogen werden kann – was wiederum auch diese stärkt.

Kostenfreie Online-Lernplattform

Nutzerinnen und Nutzer des Portals haben die Möglichkeit, unabhängig von Ort und Zeit zu lernen. Die Lernplattform umfasst genaue, schrittweise Anleitungen für jede Komponente der Therapie, die auch dabei helfen, den Patienten Konzepte und Techniken der Therapie zu erläutern. Hinzu kommen Videos zur Demonstration des therapeutischen Vorgehens sowie Arbeitsblätter und Diagnostikinstrumente, die zum Download zur Verfügung stehen. Die insgesamt 12 Lerneinheiten schließen jeweils mit einem Zwischentest. Nachdem sie alle Teile absolviert haben, erhalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein Zertifikat und können sich Fortbildungspunkte anerkennen lassen.

Die Online-Lernplattform ist nach einer kostenlosen Registrierung nutzbar.

Weitere Informationen sind zu finden unter: www.psychotherapie.ku.de

Quelle: Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) vom 19.09.2018

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