Junge Flüchtlinge / Hilfen zur Erziehung

Evaluation stationärer Jugendhilfemaßnahmen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

Haltende Hände
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Der Bundesverband katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfen e. V. (BVkE) hat in Kooperation mit dem Institut für Kinder- und Jugendhilfe (IKJ) eine Evaluation stationärer Jugendhilfemaßnahmen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge/Ausländer durchgeführt.

Stephan Hiller, Geschäftsführer BVkE, erläutert, dass damit zum ersten Mal wissenschaftlich abgesicherte Aussagen zur Effektivität pädagogischer Arbeitmit diesen besonders belasteten Jugendlichen vorliegen. An dem Projekt beteiligten sich 36 Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen aus Deutschland und Österreich. Dieses Vorhaben wurde mit Mitteln der Glücksspirale über drei Jahre gefördert.

Prof. Dr. Michael Macsenaere, Direktor IKJ, präsentierte auf dem 16. Deutschen Kinder- und Jugendhilfetag in Düsseldorf die Ergebnisse der Studie. Diese beruhen auf über 1.200 dokumentierten begonnenen Jugendhilfemaßnahmen und fast 144 abgeschlossenen Hilfen. Insgesamt kommen die jungen Menschen aus 45 verschiedenen Ländern Afrikas, Asiens und Europas. Sowohl im Heimatland als auch während der Flucht waren sie einer Vielzahl unterschiedlichster traumatisierender Erlebnisse und Belastungen ausgesetzt.

Erfolgreicher Spracherwerb

Der intensive Unterricht zum Erwerb der deutschen Sprache führt dazu, dass sich während der Jugendhilfe die Sprachkenntnisse stark verbessern: Mehr als 90 % verfügen zumindest über Grundkenntnisse und fast die Hälfte haben sogar gute bis sehr gute Kenntnisse der deutschen Sprache.

Doch nicht nur beim Erlernen der Sprache zeigen sich positive Effekte der Jugendhilfe. So gelingt es, die vorhandenen persönlichen Ressourcen der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge weiter zu stärken. Interessanterweise fällt der Anstieg dieser Ressourcen im Vergleich mit anderen Jugendlichen in vollstationären Maßnahmen erheblich stärker aus.

Die beschriebenen positiven Ergebnisse sind allerdings abhängig von zentralen Wirkfaktoren: Positive Entwicklungsverläufe gelingen insbesondere dann, wenn

  • während der Inobhutnahme eine Klärung des Entwicklungstandes und eine Diagnostik des therapeutischen Hilfebedarfs erfolgt;
  • die Hilfedauer über einem Jahr liegt. Kürzere Hilfen hingegen weisen keine nennenswerten Effekte auf. Herausragende Effektstärken liegen bei Hilfen mit einer Dauer über 18 Monaten vor;
  • die jungen Menschen im Rahmen der Hilfe aktiv kooperieren. Begünstigt wird dies durch hohe Partizipation und Beziehungsqualität.

Die insgesamt gute Effektivität fällt für die Flüchtlinge, die auch über ihre Volljährigkeit hinaus eine Jugendhilfe in Anspruch nehmen, nochmals positiver aus. Demnach profitieren minderjährige und in besonderem Maße junge volljährige Flüchtlinge von den angebotenen Hilfen. Sie sind somit auf einem guten Weg, die Kompetenzen und Fertigkeiten zu erwerben, die für eine nachhaltige Integration förderlich sind.

Zusammenfassung der Ergebnisse (PDF, 85 KB)

Quelle: Bundesverband katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfen e.V. (BVkE) vom 31.03.2017

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