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Gesundheit / Sozialforschung

KiGGS: Wie steht es um die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland?

Ein Junge lächelt beim Arztbesuch, während er mit einem Stethoskop abgehört wird.
Bild: © stethoscope - fotolia.com

Psychische Auffälligkeiten, Unfallverletzungen, Allergien – das Robert Koch-Institut hat neue Daten aus der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS) veröffentlicht. Die „Daten für Taten“ informieren über gesundheitliche Entwicklungen verschiedener Altersgruppen und insbesondere zu Lebensphasenübergänge vom Kindes- ins Jugendalter und vom Jugend- ins Erwachsenenalter. Es werden Ursachen und Bedingungen gesundheitlicher Veränderungen beleuchtet, ebenso wie der Zusammenhang von Gesundheit und sozialer Lage, einem entscheidenden Einflussfaktor für ein gesundes Aufwachsen.

Breites Themenspektrum –  Essstörungen, ADHS, Neurodermitis

  • Jedes sechste Kind wird innerhalb eines Jahres wegen einer Unfallverletzung ärztlich behandelt.
  • Knapp 20% der Kinder und Jugendlichen zeigen Symptome einer Essstörung.
  • Die motorische Leistungsfähigkeit stagniert auf niedrigem Niveau.
  • 36% der 3 bis 17-Jährigen haben in den letzten sieben Tagen mindestens ein Arzneimittel oder Nahrungsergänzungsmittel eingenommen.
  • Die Adipositasraten sind nicht gestiegen.
  • Kinder und Jugendliche mit beidseitigem Migrationshintergrund haben seltener Neurodermitis (3,5% vs. 6,9%) und ADHS (2,0% vs. 5,4%) als Gleichaltrige ohne Migrationshintergrund.
  • Heranwachsende aus der niedrigen Einkommensgruppe sind im Vergleich zur mittleren und hohen Gruppe sportlich häufiger inaktiv (28,2% gegenüber 18,4% bzw. 11,1%).

Das Themenspektrum der in Deutschland einzigartigen „Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland“ (KiGGS) ist breit. Im Bundesgesundheitsblatt, Ausgabe Oktober 2019, sind in elf Beiträgen neue Ergebnissen aus der zweiten Welle der KiGGS-Studie veröffentlicht. „Der KiGGS-Studie ist es in bester Weise gelungen, unserem Anspruch Daten für Taten zu entsprechen“, betont Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts.

Langzeitstudie für das Gesundheitsziel „Gesund aufwachsen“

Die KiGGS-Basiserhebung von 2003 bis 2006 lieferte erstmalig belastbare Aussagen über die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in allen Altersgruppen, nicht nur aus Befragungen, sondern auch aus körperlichen Untersuchungen. Danach gab es vielfältige Reaktionen im politischen und gesellschaftlichen Raum. Aktivitäten gegen Adipositas, Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung findet seither auf sehr vielen Ebenen mit ganz unterschiedlichen Akteuren statt. Das Gesundheitsziel „Gesund aufwachsen“ steckt den Rahmen dafür ab.

Prüfung des Erfolgs gesundheitspolitischer Aktivitäten

Public Health ist die Öffentliche Sorge für die Gesundheit aller. „KiGGS liefert die Basis für Public-Health-Aktivitäten für die Gesundheit aller Kinder und Jugendlichen“, unterstreicht Wieler. Durch die regelmäßige Wiederholung des Surveys und entsprechende Trendanalysen kann der Erfolg gesundheitspolitischer Aktivitäten auf Bevölkerungsebene überprüft werden.

Sechs der elf Beiträge im Bundesgesundheitsblatt gehen auf die körperliche und psychische Gesundheit ein: seltenere Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen wie Epilepsie oder Herzerkrankungen (die aufgrund der großen Stichprobe der KiGGS-Studie gut abgebildet werden können), Unfallverletzungen, außerdem Schmerzen, Essstörungssymptome und die Lebensqualität bei Heranwachsenden mit chronischen Erkrankungen (Asthma bronchiale, Neurodermitis, Adipositas und ADHS). Die in KiGGS erhobenen Daten zum Anwendungsverhalten für Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel einschließlich der Selbstmedikation sind eine wertvolle Ergänzung zu Verordnungsdaten.

Die Beiträge zu Gesundheitsrisiken und Gesundheitsverhalten befassen sich mit dem Body-Mass-Index von Kindern und Jugendlichen und mit der motorischen Leistungsfähigkeit. Den Abschluss des Schwerpunktheftes bilden zwei Beiträge zum Zusammenhang von Gesundheit und sozialer Lage, einem ganz entscheidenden Einflussfaktor für ein gesundes Aufwachsen.

Über KiGGS

KiGGS ist eine Langzeitstudie des Robert Koch-Instituts zur gesundheitlichen Lage der Kinder und Jugendlichen in Deutschland. Weitere Informationen sind zu finden unter: www.rki.de/kiggs

Mit der ersten KiGGS-Studie (Basiserhebung) von 2003-2006, die damals noch als Kinder- und Jugendgesundheitssurvey bezeichnet wurde, lagen für Deutschland erstmals umfassende und bundesweit repräsentative Gesundheitsdaten für Kinder und Jugendliche vor. Seit 2009 wird KiGGS als Bestandteil des Gesundheitsmonitorings am Robert Koch-Institut als Langzeitstudie fortgeführt.

Merkmale von KiGGS

Der besondere Wert der mit KiGGS erhobenen Gesundheitsdaten ergibt sich aus drei zentralen Merkmalen, die in dieser Kombination in Deutschland einzigartig sind:

  • KiGGS stellt wiederholt bundesweit repräsentative Daten zur Verfügung, mit denen die aktuelle gesundheitlichen Lage der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren sowie zeitliche Entwicklungstrends beschrieben werden können.
  • Mit KiGGS werden Gesundheitsdaten sowohl mit Hilfe von Befragungen als auch mittels medizinischer Untersuchungen, Tests und Laboranalysen erhoben, um validere Messungen und bessere Häufigkeitsschätzungen für Krankheiten zu ermöglichen.
  • KiGGS beinhaltet zudem eine Kohorte, d.h. Kinder und Jugendliche der Basiserhebung werden bis ins Erwachsenenalter hinein wiederholt eingeladen, so dass bei weiterer Teilnahme Ursachen und Bedingungen gesundheitlichen Veränderungen im Lebenslauf analysiert werden können.

Gesundheitsmonitoring am Robert Koch-Institut

Das RKI ist ein Bundesinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit. Das Institut hat unter anderem den Auftrag, wissenschaftliche Erkenntnisse zu erarbeiten, die für gesundheitspolitische Entscheidungen genutzt werden.

Quelle: Robert Koch-Institut vom 08.10.2019

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