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Gesundheit / Kindertagesbetreuung

Expertenanhörung: Kampf gegen Adipositas muss schon früh beginnen

Dicke Kugel wird auf Wippe von vielen kleinen Kugeln in die Höhe gehoben
Bild: © MASP - Fotolia.com

Berlin: (hib/HAU) Schon im Kindergartenalter muss der Kampf gegen Adipositas (Fettleibigkeit) beginnen. In dieser Einschätzung herrschte Einigkeit unter den zu einer Sitzung des Sportausschusses des Deutschen Bundestags am Mittwochnachmittag geladenen Experten.

 Die Daten empirischer Untersuchungen zu Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen zeigten einen kontinuierlichen Anstieg, der besorgniserregend sei, sagte die Sportwissenschaftlerin Renate Zimmer von der Universität Osnabrück. Übergewicht sei nicht nur ein medizinisches Problem, sondern sorge auch für ein fehlendes Selbstwertgefühl, betonte sie. 

Der Göttinger Kinderkardiologe Martin Hulpke-Wette verwies auf die zusätzliche Problematik der Arteriosklerose bei Kindern. Bluthochdruck bei Kindern und Jugendlichen werde viel zu selten erkannt, sagte er. Dabei bestünden gerade bei dieser Altersgruppe gute Chancen, die Arteriosklerose erfolgreich zu behandeln. Die Prävention bei Adipositas, so Hulpke-Wette weiter, sei auch deshalb so wichtig, da die Gewichtsreduzierung bei fettleibigen Kindern „sehr schwierig ist“.

Ebenso wie der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) Michael Vesper betonten Zimmer und Hulpke-Wette die Bedeutung des Sports im Rahmen der Prävention. „Kinder wollen sich bewegen, wenn man sie denn lässt“, sagte Vesper. Die Sportvereine böten dafür „zielgruppengerechte Angebote“. Es sei die Tendenz zu beobachten, dass immer mehr Übergewichtige den Weg in die Sportvereine finden würden, sagte der DOSB-Generaldirektor. Das sei auch ein Erfolg von Projekten wie „Schwer mobil“. 

Die Sportwissenschaftlerin Zimmer steht jedoch solchen „Etikettierungen“ skeptisch gegenüber. Damit würde man das Thema „negativ besetzen“. Sie forderte zudem mehr „allgemeine“ Sportangebote. Oftmals müssten sich die Kinder entscheiden, ob sie nun Fußball oder Handball spielen, oder zum Schwimmen oder Turnen gehen wollen. Besser sei es eine Art „Unisportangebot“ zu machen. „Einmal wird Basketball gespielt, dann wieder geschwommen oder geturnt.“ Sinnvoll ist ihrer Ansicht nach eine flächendeckende Kita-Betreuung. Allerdings müsse sich auch in der Ausbildung der Kitaerzieher etwas ändern, da darin der Bewegungssport derzeit vernachlässigt werde.

In Sportvereinen müssten die Kinder zuallererst medizinisch untersuchtwerden, forderte der Kardiologe Hulpke-Wette. Gerade wenn ein Leistungsgedanke dahinterstehe, sei der Sport für Kinder mit Bluthochdruck eine Gefahr. Seiner Ansicht nach sollte jeder Sportverein ein Blutdruckmessgerät besitzen. Zudem sollten die Trainer und Betreuer dafür sensibilisiert werden, ein oder zweimal im Jahr bei ihren jugendlichen Sportlern den Blutdruck zu messen.

Quelle: Deutscher Bundestag

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