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Neue Analyse

Online-Antifeminismus und Incel-Szene sind auf dem Vormarsch

Vor einer Mauer sind zwei Männer als Schatten in einer Situation von Gewalt, wobei der eine den Schlag des anderen versucht abzuwehren.

Eine neue Analyse zu frauenhassenden Subkulturen im Netz zeigt, dass Online-Antifeminismus und Incel-Szene auf dem Vormarsch sind. Die Amadeu Antonio Stiftung fordert entschiedenes Gegensteuern von Staat und Zivilgesellschaft.

Als Ort für gekränkte Männlichkeit, Sexismus und Antifeminismus spielt das Internet eine zunehmend relevante Rolle. Über Videospielplattformen, Messengerdienste oder Soziale Netzwerke kommen User mit antifeministischer Online-Kultur in Kontakt und finden so den Weg in abgeschottete, homosoziale und radikalere Echokammern. Das ergibt die Analyse „Frauenhassende Online-Subkulturen. Ideologien –Strategien – Handlungsempfehlungen“, die die Amadeu Antonio Stiftung in Berlin veröffentlicht hat.

„Vor allem Memes bieten einen niedrigschwelligen, vermeintlich humoristischen Einstieg in rechtsradikale und -extreme Ideologie“ erklärt Veronika Kracher, Antifeminismus-Expertin und Autorin der Studie. „Ist dieser über Telegram, Twitter oder Videospielplattformen wie Steam erst erfolgt, finden die Jugendlichen den Weg zu radikaleren Echokammern wie Imageboards. Dort werden junge Männer ungestört in rechtsextreme Denkwelten eingeführt.“

Die Analyse gibt einen Überblick über die zentralen antifeministischen Narrative rechtsextremer Online-Subkulturen, erklärt die am weitesten verbreiteten antifeministischen Memes und deren Funktion, und vermittelt Einblicke in die gängigsten Plattformen der Online-Rechtsextremen unter besonderer Berücksichtigung der frauenfeindlichen Incel-Subkultur.

Hierzu hat die Autorin über Monate hinweg systematisch in Imageboards und antifeministischen Foren recherchiert und ihre Beobachtungen in wissenschaftlich-historische Kontexte gesetzt. Das Ergebnis: Antifeminismus und Antisemitismus sind Bestandteile der gleichen, gefährlichen Ideologie. Zudem erarbeitet sie pädagogische Ansätze, um gegen Online-Radikalisierung vorzugehen.

„Antifeminismus fungiert regelmäßig als Türöffner in rechtsextreme Weltbilder“, sagt Anetta Kahane, Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung. „Ideologisch und historisch bestehen zahlreiche Anknüpfungspunkte, vor allem zum Antisemitismus.“

„Auf allen Ebenen staatlichen und zivilgesellschaftlichen Handelns muss verstärkt für Antifeminismus, sein demokratiegefährdenden Zielstellungen und sein Gewaltpotenzial sensibilisiert werden – auch Online“, sagt Judith Rahner, Leiterin der Fachstelle Gender, GMF und Rechtsextremismus der Amadeu Antonio Stiftung. „Auch für Sexismus im Netz brauchen wir eine höhere Sensibilität.“

Maßnahmen, die gegen Online-Antifeminismus getroffen werden sollten:

  • ein systematisches Monitoring misogyner, rechtsextremer und rechtsterroristischer Online-Subkulturen, damit Zivilgesellschaft und Sicherheitsbehörden deren Narrative, Codes und Symbole erkennen;
  • Spezialisierung und systematischer Kompetenzaufbau in Strafverfolgungsbehörden. Beispielsweise sollten in jedem Bundesland spezialisierte Anlaufstellen für Betroffene von Hass im Netz aufgebaut und in jeder Polizeidienststelle ein/-e Beauftragte/-r für Hass im Netz ansprechbar sein;
  • den Druck auf Vernetzungsplattformen wie Imageboards, Messengerdienste oder den Gamingebereich zu erhöhen, damit diese menschenfeindliche und rechtsextreme Inhalte und Gruppen entfernen;
  • die Auseinandersetzung mit Sexismus und maskulinistischen Geschlechtervorstellungen in der Jugendarbeit voranzubringen. Insbesondere braucht es Angebote für Jungen und jungen Männer, die in rechtsextreme Onlinewelten zu entgleiten drohen.

Die Analyse steht zum Download auf den Seiten der Amadeu Antonio Stiftung bereit.

Quelle: Amadeu Antonio Stiftung vom 11.05.2021

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