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Häusliche Gewalt

„inkognito App“ für Frauen in Not

Eine Hand hält ein Smartphone
Bild: © anyaberkut - Fotolia.com

Das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz fördert die Entwicklung einer App, die bei häuslicher Gewalt einen stillen Notruf und eine gerichtsfeste Dokumentation von Übergriffen ermöglichen soll.

Die Initiative „Gewaltfrei in die Zukunft“ entwickelt gemeinsam mit Partnern wie dem Landeskriminalamt Niedersachsen eine „inkognito App“ für von häuslicher Gewalt bedrohte Frauen. Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz plant, dieses Innovationsprojekt in den Jahren 2021 bis 2023 mit insgesamt 1.698.000 Euro zu fördern. Eine entsprechende Ermächtigung sieht der gestern Nacht im Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestags beratene Bundeshaushalt vor, der noch vom Bundestag beschlossen werden muss.

Die „inkognito App“ soll auf dem Smartphone nicht ohne weiteres erkennbar sein und einen lautlosen Notruf in akuten Gefahrensituationen ermöglichen. Betroffene Frauen können ein verstecktes Gewalttagebuch führen und Verletzungen in einem gesicherten Protokoll gerichtsfest dokumentieren. Ebenso soll die App einen Wegweiser sowie soziale, juristische und psychologische Informationen bieten. Erstes Testgebiet soll die Region Hannover sein. Die Idee der Initiatorin Stefanie Knaab wurde im Zuge des Hackathons der Bundesregierung für das Solution Enabler Programm für besonders förderwürdige Projekte ausgewählt.

App als niedrigschwelliges Angebot

Bundesministerin Christine Lambrecht erklärt: „Für viele Frauen kann das eigene Zuhause ein Ort des Schreckens sein. Vielen fällt es sehr schwer, Alarm zu schlagen und Hilfe zu suchen, um sich und oft auch die eigenen Kinder zu schützen. Die Corona-Zeit hat die Lage womöglich noch verschärft, weil sich das Leben in die eigenen vier Wände verlagert hat. Gewalttaten werden oft Scham oder Angst nicht angezeigt. Deshalb wollen wir die Entwicklung einer versteckten Smartphone-App fördern, die stille Notrufe und die gerichtsfeste Dokumentation von Bildern und Berichten der Betroffenen ermöglicht. Ich bin dem Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages sehr dankbar, dass er die Förderung dieses innovativen Projekts ermöglicht.“

Die Vorsitzende und Projektleiterin des Vereins Gewaltfrei in die Zukunft Stefanie Knaab sagte: „Wir arbeiten als Verein und Projektträger seit circa neun Monaten an einem innovativen Projekt, das unter Nutzung neuster digitaler Möglichkeiten in Form einer Tarn-App einen effektiven Beitrag zum Kampf gegen häusliche Gewalt leisten soll. Mit der Tarn-App geben wir Betroffenen von häuslicher Gewalt ein neues niedrigschwelliges Angebot, um sich selbstständig aus Gewaltsituationen zu befreien. Ich bin dem Bundesjustizministerium und insbesondere Frau Justizministerin Lambrecht für ihren persönlichen Einsatz außerordentlich dankbar.“

Hintergrund

Nach den BKA-Zahlen zur Partnerschaftsgewalt ist im Jahr 2019 statistisch betrachtet an fast jedem dritten Tag eine Frau durch die Tat ihres Partners oder Ex-Partners gestorben. Durchschnittlich alle 45 Minuten wurde eine Frau durch ihren Partner oder Ex-Partner verletzt oder angegriffen. Insgesamt gab es 2019 mehr als 141.000 Opfer von vollendeten und versuchten Delikten der Partnerschaftsgewalt, 0,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das Dunkelfeld ist groß, da viele Taten nicht angezeigt werden und im Verborgenen in der eigenen Wohnung begangen werden.

Quelle: Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz vom 27.11.2020

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