Sie sind hier: Startseite  Im Fokus  Europa

Europa / Digitalisierung und Medien

Zukunft des Lernens: EU-Kommission will digitale Kompetenzen und lebenslanges Lernen stärker fördern

Bild: rawpixel.com

Als Folgemaßnahme des Gipfels von Göteborg hat die Europäische Kommission neue Initiativen zur Verbesserung der Schlüssel- und Digitalkompetenzen der Bürger/-innen sowie zur Förderung gemeinsamer Werte und zur Sensibilisierung von Schüler(inne)n für die Arbeitsweise der EU beschlossen. Die Vorschläge sollen unter anderem sozioökonomische Ungleichheiten verringern.

Zwei Monate nach dem EU-Sozial-Gipfel in Göteborg hat die EU-Kommission am 17. Januar 2018 Empfehlungen vorgelegt, wie die Bildungssysteme der Mitgliedstaaten bei der Vermittlung von Schlüsselkompetenzen in der digitalen Bildung, bei der Förderung unternehmerischer Bildung aber auch von Grundkompetenzen wie Lesen und Schreiben, Fremdsprachen, Mathematik und Technik verbessert werden können. Die neuen Vorschläge sollen die sozioökonomischen Ungleichheiten verringern und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit fördern, um so ein geeinteres, stärkeres und demokratischeres Europa zu schaffen.

Handlungskompetenzen jedes Einzelnen stärken

Jyrki Katainen, für Arbeitsplätze, Wachstum, Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit zuständiger Vizepräsident der Kommission, erklärte: „Ziel der heutigen Initiativen ist es, die Handlungskompetenzen jedes Einzelnen so zu stärken, dass alle das Beste aus ihrem Leben machen, sodass wir faire, resiliente Volkswirtschaften und Gesellschaften aufbauen können. Wir müssen dafür sorgen, dass Bildung allen zugute kommt, damit alle sich an den Wandel anpassen und davon profitieren können. Dies ist nicht nur heute von grundlegender Bedeutung für das nachhaltige Wachstum und die Wettbewerbsfähigkeit in Europa, sondern wird es in Zukunft noch mehr sein. Wir sind bereit, uns in Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten dafür einzusetzen.“

Förderung des sozialen Zusammenhalts

Tibor Navracsics, EU-Kommissar für Bildung, Kultur, Jugend und Sport, sagte: „Die europäischen Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung müssen Menschen aus unterschiedlichsten Verhältnissen die richtigen Kompetenzen vermitteln, damit sie nicht nur im Beruf vorankommen und erfolgreich sein, sondern auch engagierte Bürgerinnen und Bürger sein können. Wir müssen die Möglichkeiten, die die Bildung bietet, besser zur Förderung des sozialen Zusammenhalts und des Gefühls der Zugehörigkeit nutzen. Das wird uns nur gelingen, wenn wir uns auf unsere gemeinsamen Werte stützen und dafür sorgen, dass die Schülerinnen und Schüler durch die Bildung in die Lage versetzt werden, ihre europäische Identität in allen ihren unterschiedlichen Facetten zu erfahren und sich mehr Wissen über Europa, andere europäische Länder und damit über sich selbst anzueignen.

Aktionsplan für digitale Bildung

Die für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft zuständige Kommissarin Mariya Gabriel fügte hinzu: „Das digitale Zeitalter erfasst alle Bereiche unseres Lebens, sodass nicht nur diejenigen, die im IT-Bereich arbeiten, mit dem digitalen Wandel Schritt halten müssen. Es besteht ein echter Nachholbedarf bei den digitalen Kompetenzen. Obgleich 90% der künftigen Arbeitsplätze ein Minimum an digitalen Kompetenzen voraussetzen werden, haben 44% der EU-Bürgerinnen und -Bürger diese nicht aufzuweisen. Der Aktionsplan für digitale Bildung, den wir heute vorlegen, wird den Bürgerinnen und Bürgern Europas, den Bildungseinrichten und -systemen dabei helfen, mit den Lebens- und Arbeitsbedingungen unserer zunehmend digital geprägten Gesellschaft zurechtzukommen.“

Vorschläge der EU-Kommission für drei Initiativen

Die neuen Vorschläge werden demnächst auch auf dem ersten Europäischen Bildungsgipfel erörtert, den Kommissar Navracsics am 25. Januar zum Thema „Schaffung der Grundlagen für einen europäischen Bildungsraum: Für eine innovative, inklusive und wertebasierte Bildung“ ausrichten wird.

Die Kommission schlägt die folgenden drei Initiativen vor:

1. Empfehlung des Rates zu Schlüsselkompetenzen für lebensbegleitendes Lernen

Auf der Grundlage der 2006 beschlossenen Empfehlung zu Schlüsselkompetenzen für lebensbegleitendes Lernen enthält dieser Vorschlag wichtige neue Ideen für die Anpassung an die rasche Entwicklung in den Bereichen Unterricht und Lernen. Er zielt darauf ab, den lebenslangen Ausbau der Schlüsselkompetenzen von Menschen aller Altersgruppen zu verbessern und den Mitgliedstaaten Leitlinien an die Hand zu geben, damit sie dieses Ziel erreichen können. Einen besonderen Stellenwert besitzt die Förderung des Unternehmergeists und einer innovationsorientierten Einstellung, damit alle ihr persönliches Potenzial und ihre Kreativität entfalten Eigeninitiative entwickeln können. Darüber hinaus empfiehlt die Kommission Schritte zur Förderung von Kompetenzen in den Bereichen Wissenschaft, Technologie, Ingenieurwesen und Mathematik, damit mehr junge Menschen motiviert werden können, einen entsprechenden Beruf zu ergreifen. Die heute vorgelegten Vorschläge sind auch als Beitrag zur dringend benötigten Verbesserung der europäischen Bildungssysteme und damit zur Lösung der vielen Probleme gedacht, die in der letzten PISA-Studie zutage getreten sind. Generell werden die Maßnahmen den Mitgliedstaaten dabei helfen, Lernende besser auf die sich wandelnden Arbeitsmärkte und für ein aktives bürgerschaftliches Engagement in einer von Diversität geprägten, mobilen, digitalen und globalisierten Gesellschaft vorzubereiten.

2. Aktionsplan für digitale Bildung

2. Im Aktionsplan für digitale Bildung wird dargelegt, wie die EU den Bürgerinnen und Bürgern Europas sowie den Bildungseinrichtungen und -systemen dabei helfen kann, mit den Lebens- und Arbeitsbedingungen unseres durch den raschen digitalen Wandel geprägten Gesellschaft zurechtzukommen, nämlich durch

  • bessere Nutzung digitaler Unterrichts- und Lerntechnologien;
  • Entwicklung der digitalen Kompetenzen und Fertigkeiten, die für das Leben und Arbeiten in einem Zeitalter des digitalen Wandels benötigt werden und
  • Verbesserung der allgemeinen und beruflichen Bildung durch bessere Datenanalyse und -antizipierung.

U.a. sehen die Initiativen vor, Schulen bei der Ausstattung mit Hochgeschwindigkeits-Breitbanddiensten zu unterstützen, ein neues Tool für Schulen zur Selbstbewertung in Bezug auf den Einsatz von Unterrichts- und Lerntechnologien (SELFIE) fortzuentwickeln und eine Kampagne zur Sensibilisierung für Online-Sicherheit, Medienkompetenz und Cyberhygiene durchzuführen.

3. Empfehlung des Rates über gemeinsame Werte, inklusive Bildung und die europäische Dimension von Unterricht und Lehre

Diese Initiative enthält Vorschläge für Möglichkeiten der Unterstützung junger Menschen, damit sie Bedeutung der in Artikel 2 des Vertrages über die Europäische Union verankerten gemeinsamen Werte besser verstehen und sich für sie engagieren. Sie zielt darauf ab, den sozialen Zusammenhalt zu stärken und einen Beitrag zur Bekämpfung von Populismus, Fremdenfeindlichkeit, spalterischem Nationalismus und die Zunahme von Fake News zu leisten. Der Vorschlag stärkt auch die inklusive Bildung, um so eine gute Bildung für alle Schülerinnen und Schüler sowie die europäische Dimension im Unterricht zu fördern, damit Kinder sich auch Wissen über das gemeinsame Erbe Europas und Diversität aneignen und über die Arbeitsweise der EU Bescheid wissen. Um diese Ziele zu erreichen, wird die Kommission Maßnahmen ergreifen, damit mehr virtuelle Austausche zwischen Schulen stattfinden können, insbesondere mithilfe des erfolgreichen e-Twinning-Netzwerks; auch Mobilitätsprojekte im Schulbereich sollen aus dem Erasmus+-Programm gefördert werden.

Weiterführende Hintergrundinformationen können aus der Pressemitteilung der EU-Kommission entnommen werden.

Quelle: Europäische Kommission vom 17.01.2018

Info-Pool