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Luxemburg

Das Wohlergehen junger Menschen – eine Priorität der Bildungspolitik

Vier Jugendliche, davon ein Mädchen, posieren in einem heruntergekommenen Gebäude fürs Foto.
Bild: Ethan johnson - unsplash.com

Der luxemburgische Minister für Bildung, Kinder und Jugend, Claude Meisch, und Prof. Robin Samuel von der Universität Luxemburg haben den den Nationalen Jugendbericht 2020 vorgestellt. Insgesamt geht es der luxemburgischen Jugend gut. Die Pandemie hat jedoch Ungleichheiten verstärkt. Der Jugendpakt 2021–24, entstanden unter Beteiligung Jugendlicher, soll dem entgegenwirken.

Der nationale Bericht 2020 analysiert, wie junge Menschen im Alter von 12 bis 29 Jahren ihr Wohlbefinden und ihre Gesundheit subjektiv wahrnehmen. Obwohl diese Themen lange vor der Coronapandemie gewählt wurden, hat diese ihnen eine besondere Bedeutung verliehen.

Minister Claude Meisch erinnerte: „In diesem Bereich ist es wichtig, sich auf Fakten verlassen zu können; unsere Intuitionen können sich als richtig erweisen oder auch nicht. In diesem Sinne ist die Universität Luxemburg ein wertvoller Partner. Der Bericht wird in großem Umfang an Jugendliche, Verbände, Abgeordnete und die Fachministerien verteilt. Er dient als Grundlage für die Diskussion, die in den kommenden Wochen und Monaten stattfinden und im Herbst zum neuen nationalen Aktionsplan für Jugendpolitik (Jugendpakt) führen wird.“

Prof. Dr. Robin Samuel fasste die wichtigsten Ergebnisse des Berichts der Universität zusammen:

  • Subjektives Wohlbefinden und Lebenszufriedenheit werden von jungen Menschen in Luxemburg insgesamt als hoch eingeschätzt. Insgesamt haben junge Menschen eine positive Wahrnehmung ihrer Gesundheit. Diese hat sich in den letzten Jahren sogar weiter verbessert.
  • Die Zahl der jungen Menschen, die an psychosomatischen Störungen leiden, und die Prävalenz diagnostizierter psychischer Störungen sind jedoch in den letzten Jahren sowohl international als auch in Luxemburg erheblich gestiegen.
  • Wohlbefinden und Gesundheit unterscheiden sich nach Alter, Geschlecht und vor allem nach der sozialen Herkunft der Jugendlichen. Jugendliche mit einem niedrigen sozioökonomischen Status bewerten ihr Wohlbefinden und ihre Gesundheit im Durchschnitt negativer als Jugendliche mit einem hohen sozioökonomischen Status.
  • Jugendliche versuchen, ihr Wohlbefinden und ihre Gesundheit durch gezielte Maßnahmen (z. B. Sport, Ernährung) zu fördern; einige lassen sich jedoch auf schädliche oder riskante Verhaltensweisen ein (z. B. Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung, Alkoholkonsum).
  • Die Jugendlichen sind der Meinung, dass die Zeit, die sie mit Freunden verbringen, und deren Rückhalt für ihr Wohlbefinden förderlich sind.
  • Die Familie, insbesondere die Unterstützung durch die Eltern, trägt wesentlich zum Wohlbefinden der jungen Menschen bei.
  • Auch institutionelle Settings wie die Schule oder die offene Jugendarbeit sind wichtig für das Wohlbefinden und die Gesundheit der jungen Menschen. Vertrauensvolle und unterstützende Beziehungen zum Lehr- und Erziehungspersonal tragen zum Wohlbefinden bei.
  • Die Coronapandemie hat das tägliche Leben vieler junger Menschen durcheinander gebracht. Sie hat sich auf finanziell benachteiligte Jugendliche stärker ausgewirkt als auf finanziell besser gestellte und hat die Auswirkungen sozialer Ungleichheiten auf Wohlbefinden und Gesundheit verstärkt.
  • Die Mehrheit der Jugendlichen ist der Meinung, dass die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie angemessen und gerechtfertigt sind. Sie akzeptieren sie und setzen sie um, auch und gerade zum Schutz anderer, insbesondere gefährdeter Gruppen.

Minister Claude Meisch sieht in dieser Studie drei besonders positive Dimensionen:

  • Insgesamt bewerten die jungen Menschen ihr Wohlbefinden und ihre Gesundheit positiv;
  • junge Menschen zeigten große Solidarität mit den Gruppen, die am stärksten von COVID-19 betroffen sind, und verdienen dafür großen Respekt;
  • die Jugendlichen halten sich selbst für kompetent, ihr Leben zu managen und ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Defizite werden mit der Jugend gemeinsam angegangen

Allerdings sollten Jugendliche aus Risikogruppen nicht vergessen werden: Sozioökonomisch benachteiligte Jugendliche haben mehr Schwierigkeiten in der Schule und beim Übergang ins Berufsleben. Sie haben weit mehr als andere unter den Folgen der Pandemie gelitten. Gezielte Maßnahmen müssen diese Ungleichheiten ausgleichen.

Junge Menschen sind sich der Bedeutung der psychischen Gesundheit sehr bewusst, und in Gesprächen mit Minister Claude Meisch über die vergangenen Monate haben ihre Vertreter auf das psychische Leiden einiger von ihnen aufmerksam gemacht. Ihre Ideen hat das Ministerium in sein Aufholkonzept aufgenommen und die Ebenen definiert, auf denen die Maßnahmen, die im Jugendpakt 2021–2024 detailliert beschrieben werden, stattfinden sollen:

  • in weiterführenden Schulen, wo die psychosozialen und schulischen Unterstützungsdienste (SePAS) und die sozialpädagogischen Dienste (SSE) eine Verstärkung ihrer Aufgaben erfahren werden;
  • in der non-formalen Bildung, wo Jugendzentren als Orte der Resilienz und Unterstützung für junge Menschen fungieren;
  • bei den Familien, um die Auswirkungen ihrer sozioökonomischen Situation auf das Wohlergehen und die Gesundheit ihrer Kinder zu verringern (Regionalisierung des Nationalen Kinderbüros, um es näher an die Familien zu bringen, die von seinen Maßnahmen profitieren könnten, neu gestaltete Elternschule, Vernetzung der verschiedenen Akteure der Familienförderung usw.).

Ministerium und Universität berichten gemeinsam

Das Gesetz vom 4. Juli 2008 über die Jugend legt fest, dass der Jugendminister alle fünf Jahre der Abgeordnetenkammer einen Bericht über die Situation der Jugendlichen vorlegen muss. Wie bei den beiden vorangegangenen nationalen Berichten (2010, 2015) wurde die Forschung für die dritte Ausgabe der Universität Luxemburg anvertraut. 

Der 3. Jugendbericht liefert eine breitgefächerte Beschreibung und Analyse aus sozialwissenschaftlicher Perspektive, die von einem Beitrag des Ministeriums begleitet wird. Das Forschungsteam hat Publikationen, Forschungsberichte und Statistiken ausgewertet sowie mehrere umfangreiche eigene qualitative und repräsentative Studien durchgeführt. Von großer Bedeutung war dabei die Perspektive der Jugendlichen selbst, ihre Einschätzungen und Sichtweisen. Unterstützt wurde die Arbeit des Jugendberichtes durch die Beteiligung von Experten aus der Praxis und Wissenschaftlern in einem wissenschaftlichen Beirat.

In dem ca. 280 Seiten umfassenden Bericht sowie auf der begleitenden Internetseite wird das Wohlbefinden und die Gesundheit der Jugendlichen nicht nur generell analysiert, sondern auch die Auswirkungen der Coronapandemie. Der Bericht ist sowohl als Buchpublikation als auch online als PDF verfügbar.

Quelle: Luxemburgisches Ministerium für Bildung, Kindheit und Jugend und Universität Luxemburg vom 16.06.2021

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