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Europa / Sozialforschung

Europa macht Fortschritte bei der Digitalisierung – es muss aber noch weiter aufholen

Eine Familie mit drei Kindern sind gemeinsam vor dem Computer.
Bild: © Svitlana Pavzyuk - Fotolia.com

Der Internetverkehr in Europa wächst rasant - beim mobilen Internet um über 40 % pro Jahr - und die Europäer nutzen die digitalen Möglichkeiten. Knapp 80 % sind mindestens einmal pro Woche online. Aber die Kluft zwischen den Mitgliedsländern ist nach wie vor groß und es fehlt an wichtigen digitalen Kompetenzen. Das sind zentrale Ergebnisse des europäischen Index für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft (DESI).

Die Europäische Kommission hat die Ergebnisse der aktuellen Ausgabe 2017 des Index für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft (Digital Economy and Society Index – DESI) veröffentlicht, mit dem sich die Leistung der 28 Mitgliedstaaten in unterschiedlichsten Bereichen darstellen lässt – von der Internetanbindung und digitalen Kompetenzen bis zur Digitalisierung der Unternehmen und öffentlichen Dienste. Um die Möglichkeiten des digitalen Binnenmarkts optimal ausschöpfen zu können, sollen weitere weitere Anstrengungen und Investitionen unternommen werden.

Digitalisierung in Europa

Andrus Ansip, der für den digitalen Binnenmarkt zuständige Vizepräsident, erklärte dazu: "Die Digitalisierung in Europa kommt allmählich voran, doch viele Länder müssen noch einen Gang zulegen. Alle Mitgliedstaaten sollten mehr investieren, um den digitalen Binnenmarkt voll ausschöpfen zu können. Wir wollen bei der Digitalisierung kein Europa der zwei Geschwindigkeiten. Wir sollten zusammen darauf hinarbeiten, dass die Europäische Union eine weltweite Führungsrolle im digitalen Bereich einnimmt“.

Insgesamt hat die EU zwar Fortschritte gemacht und ihre digitale Leistungsfähigkeit im Vergleich zum letzten Jahr um 3 Prozentpunkte verbessert, doch die Entwicklung könnte schneller gehen, zumal es auch große Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten gibt - die Kluft zwischen den Ländern mit den größten und den geringsten Fortschritten in der Digitalisierung beträgt 37 Prozentpunkte.

Kluft weiterhin groß

Ganz vorn liegen dieses Jahr Dänemark, Finnland, Schweden und die Niederlande, gefolgt von Luxemburg, Belgien, dem Vereinigten Königreich, Irland, Estland und Österreich. Die drei Spitzenreiter der EU sind auch weltweit führend und liegen noch vor Südkorea, Japan und den Vereinigten Staaten von Amerika. Die größten Fortschritte in der EU haben die Slowakei und Slowenien gemacht. Trotz einiger Verbesserungen hinken mehrere Mitgliedstaaten wie Polen, Kroatien, Italien, Griechenland, Bulgarien und Rumänien in ihrer digitalen Entwicklung im Vergleich zum EU-Durchschnitt immer noch hinterher. Einzelne  Länderprofile sind online abrufbar.

Die Kommission hat mittlerweile alle großen Initiativen ihrer Strategie für einen digitalen Binnenmarkt vorgelegt. Das Europäische Parlament und die Mitgliedstaaten sind aufgerufen, diese Vorschläge so bald wie möglich anzunehmen, damit Europa die Möglichkeiten der Digitalisierung voll ausschöpfen kann. Ausgehend von den DESI-Ergebnissen wird die Kommission im Mai die Halbzeitüberprüfung ihrer Strategie für einen digitalen Binnenmarkt vorlegen, um aufzuzeigen, wo möglicherweise weitere Anstrengungen oder Legislativvorschläge notwendig sind, um künftigen Herausforderungen zu begegnen.

Der Index für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft (DESI) ergibt folgendes Bild:

Die Internetanbindung hat sich zwar verbessert, ist jedoch mit Blick auf den künftigen Bedarf noch unzureichend

  • 76 % der europäischen Privathaushalte haben Zugang zu einem schnellen Breitbandanschluss (mit mindestens 30 Mbit/s), wobei in einigen Mitgliedstaaten ein erheblicher Teil dieser Haushalte bereits über einen Netzzugang mit 100 Mbit/s und darüber verfügt. Über 25 % der Privathaushalte haben einen Vertrag über einen schnellen Breitbandanschluss abgeschlossen.
  • Auch die Zahl der Verträge für Mobilfunk-Datendienste ist gestiegen: von 58 Vertragskunden je 100 Einwohner 2013 auf 84 Vertragskunden im Jahr 2016.
  • 4G-Mobilfunkdienste können von 84 % der Menschen in der EU genutzt werden.

Internetverkehr wächst rasant

Angesichts der steigenden Anforderungen künftiger Verbindungen an Geschwindigkeit, Qualität und Zuverlässigkeit reicht das aber nicht aus. Der Internetverkehr verzeichnet eine jährliche Zunahme um 20 % bei einem Anstieg des mobilen Internets um über 40 % pro Jahr. Das Europäische Parlament und der Rat erörtern derzeit die Vorschläge der Kommission zur Überarbeitung der EU-Telekommunikationsvorschriften, mit denen auch Anreize für Investitionen in Netze mit sehr hoher Kapazität gegeben werden sollen, damit der wachsende Bedarf der Europäer an Internetanbindungen erfüllt werden kann und die strategischen Ziele für den Aufbau einer Gigabit-Gesellschaft bis 2025 erreicht werden.

Zudem sollten die Mitgliedstaaten ihre Bemühungen nochmals intensivieren, um die jetzt auch für das 700-MHz-Band geltenden Ziele der harmonisierten Frequenzzuweisung zu erreichen, damit bis 2020 die nächste Generation von Kommunikationsnetzen (5G) flächendeckend zur Verfügung gestellt werden kann. Die Koordinierung der Frequenzen in der EU ist eine wesentliche Voraussetzung für eine flächendeckende Mobilfunkversorgung und für neue grenzüberschreitende Dienste. Außerdem können demnächst Städte und Gemeinden in ganz Europa Fördermittel im Rahmen des Kommissionsprogramms WiFi4EU beantragen, um kostenlose WiFi-Zugänge an öffentlichen Plätzen anzubieten.

Digitale Kompetenzen fehlen 

Trotz einer wachsenden Zahl von IT-Fachkräften fehlt es immer noch an Kompetenzen.

  • In der EU ist die Zahl der Absolventen in den technischen und naturwissenschaftlichen Fächern (MINT-Fächern) (19 Absolventen je 1000 junger Menschen zwischen Zwanzig und Dreißig) gestiegen.
  • Der Anteil der IKT-Fachkräfte an den Arbeitnehmern (3,5 % im Jahr 2015 im Vergleich zu 3,2 % im Jahr 2012) hat sich erhöht.
  • Nahezu der Hälfte aller Europäerinnen und Europäer (44 %) fehlt es immer noch an grundlegenden digitalen Kenntnissen, etwa für die E-Mail-Nutzung, die Text- oder Bildbearbeitung oder für das Installieren neuer Geräte.

Mit der im Dezember 2016 als Teil der europäischen Agenda für Kompetenzen ins Leben gerufenen Koalition für digitale Kompetenzen und Arbeitsplätze soll ein großes Reservoir an IT-Fachkräften geschaffen und dafür gesorgt werden, dass die Bürgerinnen und Bürger und insbesondere die Arbeitnehmer in Europa über angemessene digitale Kompetenzen verfügen.

Europäer nutzen die digitalen Möglichkeiten

  • 79 % der Europäerinnen und Europäer nutzen mindestens einmal pro Woche das Internet (im Vergleich zu 2016 ist das ein Anstieg um 3 Prozentpunkte).
  • 78 % der Internetnutzer gehen online, um zu spielen oder um Musik, Filme, Bilder oder Spiele herunterzuladen.
  • 70 % der europäischen Internetnutzer lesen Nachrichten online (2013: 64 %)
  • 63 % sind in sozialen Netzen aktiv (2013: 57 %)
  • 66 % kaufen über das Internet ein (2013: 61 %)
  • 59 % nutzen das Online-Banking (2013: 56 %)
  • 39 % tätigen Anrufe über das Internet (2013: 33 %)

Im Rahmen ihrer Strategie für einen digitalen Binnenmarkt setzt sich die Kommission dafür ein, das Vertrauen in die Online-Welt zu stärken. So werden die neuen EU-Vorschriften für den Datenschutz im Mai 2018 in Kraft treten, flankiert von neuen Vorschriften für den Schutz der Privatsphäre in der elektronischen Kommunikation. Zudem setzt sich die Kommission dafür ein, dass mehr Inhalte im Internet auch grenzüberschreitend zur Verfügung gestellt werden. Bereits ab Frühjahr 2018 werden die Europäerinnen und Europäer ihre Abonnements für Filme, Musik, Videospiele und E-Bücher auch auf Reisen in der EU nutzen können. Zudem schlägt die Kommission vor, es den Rundfunkveranstaltern zu erleichtern, ihre Programme online in anderen EU-Mitgliedstaaten zur Verfügung zu stellen.

Digitalisierung der Unternehmen 

Die Digitalisierung der Unternehmen und der elektronische Geschäftsverkehr legen zu – wenn auch nur langsam:

  • Unternehmen in Europa setzen verstärkt auf die Digitaltechnik, indem sie etwa für den elektronischen Informationsaustausch (von 2013 bis 2015 ein Anstieg von 26 % auf 36 %) oder für die elektronische Versendung von Rechnungen (von 10 % im Jahr 2013 auf 18 % im Jahr 2016) eine Unternehmenssoftware einsetzen.
  • Auch bei den KMU ist ein leichter Anstieg beim Online-Handel zu verzeichnen (von 14 % 2013 auf 17 % der KMU 2016). Aber weniger als die Hälfte dieser Unternehmen tätigen Verkäufe in andere EU-Mitgliedstaaten.

2016 schlug die Kommission neue Vorschriften vor, um das Problem des Geoblocking zu lösen, die grenzüberschreitende Paketzustellung erschwinglicher und effizienter zu gestalten und für mehr Vertrauen durch einen besseren Schutz der Verbraucher und eine bessere Durchsetzung der geltenden Vorschriften zu sorgen, um so den Online-Handel anzukurbeln. Vorgeschlagen wurde auch eine Vereinfachung der Mehrwertsteuererhebung im Online-Handel in der EU. Sobald diese Initiativen vom Europäischen Parlament und den Mitgliedstaaten verabschiedet sind, werden grenzüberschreitende Käufe und Verkäufe für Privatpersonen und Unternehmen leichter werden.

Nutzung behördlicher Online-Dienste steigt

34 % der Internetnutzer reichten bei den Behörden ausgefüllte Formulare online statt auf Papier ein (2013 lag dieser Anteil noch bei 27 %). Immer mehr und zunehmend ausgefeiltere Dienste stehen online zur Verfügung, etwa für die Anmeldung eines neuen Wohnsitzes, Geburtsanzeigen oder andere wichtige Ereignisse. Im Rahmen ihres eGovernment-Aktionsplans wird die Kommission ein zentrales digitales Zugangstor (Single Digital Gateway) einrichten, über das Informationen über den Binnenmarkt leicht abgerufen werden können, eine Initiative starten, um das Unternehmensrecht und die Unternehmensführung weiter zu digitalisieren, und den Europäischen Interoperabilitätsrahmen überarbeiten.

Hintergrund

Der DESI ist ein Online-Instrument zur Messung der Fortschritte der EU-Mitgliedstaaten auf dem Weg zu einer digitalen Wirtschaft und Gesellschaft. Als solches vereint er eine Reihe relevanter Indikatoren für den gegenwärtigen Politikmix Europas im digitalen Bereich. Der DESI soll die EU-Länder bei der Ermittlung der Bereiche unterstützen, in denen ein besonders dringender Investitions- und Handlungsbedarf besteht, damit ein echter digitaler Binnenmarkt entstehen kann – ein Schwerpunktthema der Kommission.

Auf der Grundlage der DESI-Ergebnisse und in Ergänzung des Europäischen Semesters wird die Kommission im Mai 2017 ihren Bericht über den Stand der Digitalisierung vorlegen, der eine eingehende Bewertung der Fortschritte enthalten wird, die die EU und die Mitgliedstaaten bei ihrer Digitalisierung erzielt haben. Außerdem wird sie Empfehlungen dazu abgeben, welche Schritte die einzelnen Mitgliedstaaten ergreifen könnten, um ihre digitale Leistungsfähigkeit weiter zu verbessern.

Weitere Informationen stehen auf den Seiten der EU-Kommission zur Verfügung. 

Quelle: Europäische Kommission vom 03.03.2017

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