EU-Jugendstrategie / Jugendsozialarbeit

48 hours in transition: Jugendliche Impulse für den Übergang

Jugendliche und Erwachsene arbeiten an einem Plakat
Bild: Franziska Koch

Rund 40 Jugendliche aus ganz Europa trafen sich vom 13. bis 15. Oktober in Bonn zur internationalen Jugendkonferenz „Visions for your future“. Gemeinsam formulierten sie Ideen zur Verbesserung der Situation und diskutierten diese mit Expertinnen und Experten aus Jugendpolitik und Jugendhilfe.

Die Jugendkonferenz ist Teil des multilateralen Kooperationsprojektes „transitions. Gelingende Übergänge in Ausbildung und Arbeit“, mit dem Deutschland, Finnland, Frankreich und Luxemburg Peer-Learning-Prozesse initiiert haben, die für die Gestaltung nationaler und europäischer Jugendpolitik genutzt werden können.

Für die Jugendlichen war das Treffen nicht die erste grenzüberschreitende Mobilitätserfahrung. Sie haben sich in internationalen Jugendprojekten bereits intensiv mit dem Thema Übergänge auseinandergesetzt. Ihre persönlichen Lebenssituationen machen sie dabei zu Expertinnen und Experten in eigener Sache: Einige stammen aus sozial schwachen Familien und haben geringe Bildungschancen. Manche haben die Schule frühzeitig abgebrochen, andere sind aufgrund der wirtschaftlichen Krise trotz einer erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung ohne Aussicht auf eine Arbeitsstelle in ihrem Land.

Peer learning und interkulturelle Erfahrungen

Bei der Jugendkonferenz konnten sie nun ihre Erkenntnisse aus den internationalen Jugendaustauschprojekten gemeinsam vertiefen. „Beim Jugendaustausch habe ich Leute aus Italien kennengelernt, die total anders sind als ich, aber ähnliche Probleme haben. Die haben gesagt: Ich pack das. Das hat mich motiviert, ich glaube jetzt an mich und mache eine Ausbildung“, erzählt Filipe aus Portugal. Der 19-jährige lebt mit seinem arbeitslosen Vater und drei Geschwistern in einem Brennpunkt bei Lissabon, hing nach der Schule orientierungslos auf der Straße herum. Über das Jugendzentrum in seinem Stadtteil kam er zum Austauschprojekt „ManuFUN tory“ mit Jugendlichen aus fünf Nationen, die auch einige Tage in unterschiedlichen lokalen Handwerksbetrieben arbeiteten. Zum ersten Mal machte Filipe hier die Erfahrung, dass seine Fähigkeiten anerkannt wurden – trotz aller Sprachbarrieren.

Mobilität für alle

Wie wertvoll auf diesem Weg internationale Mobilitätserfahrungen für ihre Persönlichkeitsentwicklung sind, unterstrichen die Jugendlichen auch im Gespräch mit den Vertreterinnen und Vertretern von Jugendpolitik und Jugendhilfe aus Frankreich, Deutschland und Luxemburg. Über entsprechende Förderprogramme müsse besser informiert werden. Thomas Thomer, Unterabteilungsleiter im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) betonte, dass Mobilitätsprogramme allen jungen Menschen und insbesondere Jugendlichen mit besonderem Förderbedarf offen stehen müssen. Und Albert aus Spanien bittet: „Vergesst die Jugend in Europa nicht, nehmt alle mit, auch die weniger Klugen“. Der ausgebildete Gärtner sucht seit vier Jahren einen Job, hat sich in verschiedenen Organisationen ehrenamtlich engagiert und hofft nun, über einen Europäischen Freiwilligendienst in Deutschland eine zweite Chance zu bekommen.

Passgenaue Informationen und sektorübergreifende Kooperationen

Oftmals fehlt es Jugendlichen im Übergang an geeigneten Informations- und Beratungsangeboten auf lokaler Ebene. „Es muss mehr Jugendzentren geben, die uns Jugendliche bei der Ausbildungssuche unterstützen“, fordert Seyitan aus Sinzig. Die Jobcenter seien für ihn nicht die richtigen Ansprechpartner gewesen. Erst im Jugendzentrum im Haus der offenen Tür Sinzig hörte man ihm wirklich zu, entwickelte gemeinsam Perspektiven für die berufliche Zukunft. Hilfreich kann auch die enge Zusammenarbeit von Schule, non formaler Bildung und lokaler Wirtschaft sein. „Ich finde es toll, dass wir in der Schule so viel Zeit bekommen, mit unseren Lehrern über unsere Stärken und Schwächen und unsere Zukunft zu sprechen und viele Firmen einladen, denen wir Fragen stellen können“, erzählt Sarah. Sie geht in die neunte Klasse der Integrativen Gemeinschaftsschule in Hannovers Problemstadtteil Badenstedt und nimmt am deutsch-spanischen Modellprojekt „JobScouts on Tour“ der IGS und des Vereins Niedersächsischer Bildungsinitiativen e.V. teil. Solche Kooperationen wünscht sich Gabriella auch für ihr Heimatland Ungarn. In den Stundenplänen gebe es keinerlei Raum für Berufsorientierung, die staatlichen Informationszentren seien erst im Aufbau und Nichtregierungsorganisationen hätten kaum Geld für zielgruppengerechte Informationsmaterialien, berichtet die 24-jährige.

Eigeninitiative und Partizipation

Die Konferenz machte deutlich: Jugendliche in unterschiedlichen Übergangssituationen haben ähnliche Visionen für ihre Zukunft. Sie wünschen sich einen sinnstiftenden, ausreichend bezahlten Job und möchten Zeit finden, sich für Familie, Freunde und andere Menschen zu engagieren. Selbst aktiv werden, kreativ und offen bei der Suche sein – das ist dabei für viele Jugendliche ganz wichtig. Malika Kacimi vom Jugendfonds des französischen Ministerium für Jugend und Sport und Karine Brard-Guillet vom Nationalen Rat der Missions Locales in Frankreich griffen dies auf und ermunterten die Jugendlichen, sich zusammenzuschließen und aktiv in politische Debatten einzubringen. Nur so könne die schwierige Situation junger Menschen in Europa auf Dauer und im Sinne der Jugendlichen verbessert werden. Und Nathalie Schirtz, Referatsleiterin im Referat „Transitions“ beim Service National de la Jeunesse in Luxemburg appelliert an die Jugendlichen: „Seid Botschafter für die Jugend und für Austauschprogramme, erzählt anderen Jugendlichen von euren positiven Erfahrungen!

Erfolgreiches Kooperationsprojekt

Die Jugendkonferenz setzte einen Schlusspunkt hinter ein erfolgreiches multilaterales Kooperationsprojekt, das IJAB seit 2012 im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend durchführt. Kooperationspartner im Projekt „transitions“ sind die für Jugend zuständigen Ministerien in Finnland und Frankreich sowie der Nationale Jugenddienst SNJ in Luxemburg. Mit vier Fachkräfteprogrammen und einem Study Visit zu unterschiedlichen Schwerpunktthemen initiierten die Partner zu einem in vielen Ländern Europas aktuellen Thema Peer-Learning-Prozesse mit dem gemeinsamen Ziel, die individuelle Begleitung junger Menschen beim Übergang in Ausbildung und Arbeit weiterzuentwickeln und zudem Beiträge zur Gestaltung der europäischen Jugendpolitik zu leisten. In Deutschland wurden die Erkenntnisse der Fachkräfte in einer nationalen Expertengruppe reflektiert und diskutiert. Die Ergebnisse dieser Beratungen können für die Gestaltung der Jugendpolitik und Jugendhilfe in Deutschland genutzt werden.

Mehr Informationen zum Projekt „transitions“ unter www.ijab.de/transitions

Quelle: IJAB - Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland, Verena Münsberg

Info-Pool

EU-Jugendstrategie: Umsetzung in Deutschland

  • Grundlagen zur EU-Jugendstrategie

    Die Staaten der Europäischen Union haben sich auf das jugendpolitische Ziel verständigt, bis 2018 die Lebenslagen junger Menschen zu verbessern. Dafür sollen mehr Möglichkeiten und mehr Chancengleichheit für alle jungen Menschen in Bildung und Arbeit geschaffen werden. Auch das freiwillige Engagement junger Menschen und ihre soziale Eingliederung junger Menschen soll gestärkt werden.

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  • Die Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland
    Wehende Deutschlandfahne vor blauem Himmel
    mwillms - flickr.com

    Der Bund und die Länder setzen die EU-Jugendstrategie in Deutschland gemeinsam um. Sowohl der Bund als auch die Länder haben ihre Positionen zur Ausrichtung der jugendpolitischen Zusammenarbeit der EU im Vorfeld eingebracht. Impulse aus der EU-Jugendstrategie sollen als Motor für die Weiterentwicklung und Qualifizierung von Praxis und Politik der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland nutzbar gemacht werden.

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  • Arbeitsprogramm von Bund und Ländern
    Team
    © Woodapple - Fotolia.com

    Es gibt vielfältige Aktivitäten zur Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland. Bund und Länder setzen eine Reihe von Maßnahmen individuell um, haben sich aber auch eine gemeinsame Agenda gesetzt. Das Arbeitsprogramm der Bund-Länder Arbeitsgruppe zur Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland für den Zeitraum 2014 – 2018 beschreibt konkrete fachliche Vorhaben. Im Fokus steht dabei, Entscheidungsträger und Fachkräfte der Kinder und Jugendhilfe, insbesondere auf der kommunalen Ebene, zu erreichen.

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  • Mehr Europa in die Kinder- und Jugendhilfe
    fünf Hände formen einen Stern
    © tbel - Fotolia.com

    Eine der vorrangigen Zielsetzungen der Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland ist es, mehr Europa in die Kinder- und Jugendhilfe zu bringen. Mehr Europa bedeutet, die alltägliche Arbeit in den Handlungsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe europäisch zu denken, zu verstehen und auszugestalten. In der Praxis gibt es bereits vielfältige europäische und internationale Projekte sowie transnationale Arbeitsansätze. Die Erfahrungen zeigen, dass dies eine Bereicherung für die  Jugendhilfe darstellt. Der fachliche Mehrwert einer stärkeren europäischen Ausrichtung soll daher kommuniziert und beispielhaft vermittelt werden.

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  • Strukturierter Dialog
    Logo des Stukturierten Dialogs in hellgrün
    © DBJR

    Der Strukturierte Dialog zwischen Jugend und Politik ist das „Jugendbeteiligungsinstrument“ der EU-Jugendstrategie. Er trägt dazu bei, dass die Vorstellungen und Anliegen junger Menschen in der Umsetzung der EU-Jugendstrategie und bei europäischer Politikgestaltung in Brüssel berücksichtigt werden.

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  • Youth Goals – Europäische Jugendziele
    Gelbes Logo der Youth Goals mit schwarzer Schrift
    Mireille van Bremen

    Die Youth Goals fassen zusammen, welche Themen junge Menschen in Europa bewegen und was sie von Jugendpolitik bzw. von Politik für junge Menschen erwarten und sind in die EU-Jugendstrategie 2019-2027 eingeflossen.

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  • Die EU-Jugendstrategie 2019 - 2027
    Europaflagge vor blauen Himmel
    © moonrun - fotolia.com

    Am 26. November 2018 nahm der Rat der EU eine Entschließung mit dem Titel „Entschließung des Rates der Europäischen Union und der im Rat vereinigten Vertreter der Regierungen der Mitgliedstaaten über einen Rahmen für die jugendpolitische Zusammenarbeit in Europa: Die Jugendstrategie der Europäischen Union 2019-2027“ an. Damit legten die Mitgliedstaaten die Eckpunkte der jugendpolitischen Zusammenarbeit für die nächsten neun Jahre fest.

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Videos zur EU-Jugendstrategie

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