Digitalisierung und Medien / Kinder- und Jugendpolitik

Experten fordern ein Recht auf Medienkompetenz

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Der Vorsitzende der Projektgruppe Medienkompetenz in der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft im Deutschen Bundestag, Thomas Jarzombek, hat konkrete Bemühungen gefordert, um Kinder und Jugendliche zum verantwortlichen Umgang mit modernen Medien zu befähigen.

„Das Problem ist nicht die Vernetzung, sondern die Verbindlichkeit unserer Maßnahmen“, sagte der CDU-Abgeordnete auf einem Panel der Medienanstalt Sachsen-Anhalt beim Medientreffpunkt Mitteldeutschland, wo er gemeinsam mit Fachleuten den Nutzen von Medienkompetenznetzwerken diskutierte.

Jarzombeks Projektgruppe veröffentlichte kürzlich Handlungsempfehlungen in Richtung der für Medien und Bildung zuständigen Bundesländer. Diese nahm der CDU-Fachmann auch in Leipzig in die Pflicht: „Ich finde es schade, das kein Land das Thema für sich entdeckt. Es gibt ein großes Informationsbedürfnis. Eltern und Schüler fragen nach Ansprechpartnern vor Ort“, sagte Jarzombek. Er forderte die Länder auf, in ihren Gesetzen ein „Recht auf Medienkompetenz“ zu etablieren und dieses mit Leben zu erfüllen. Eine weitere (finanzielle) Verantwortung des Bundes lehnte der Parlamentarier mit Verweis auf die Zuständigkeit der Länder ab.

Auch die Berichte der Experten, die sich in vielen verschiedenen Netzwerken engagieren, machten deutlich, dass der Bedarf an Beratung und Unterstützung groß ist. „Eltern wollen von uns konkrete Tipps, die an das Alter der Kinder angepasst sind. Sie wollen wissen, wie lange die Kleinen vor dem Fernseher, PC-Spielen oder dem Internet sitzen sollen“, berichtete etwa Susanne Rieschel von der Initiative „Schau hin!“.

Andererseits fehlt es an festen Strukturen, einheitlichen Konzepten und am Geld. „Das Ziel muss sein, die Akteure zusammenzubringen und zu überlegen, welche Angebote machen wir, wie geht das flächendeckend und wie können wir das finanzieren“, sagte Martin Heine, Direktor der Medienanstalt Sachsen-Anhalt. Bernd Schorb von der Universität Leipzig kritisierte die Entscheider vor Ort: „Die Situation in den einzelnen Ländern ist sehr unterschiedlich. In Mitteldeutschland ist Sachsen-Anhalt ein positives Beispiel. Sachsen zeigt aber medienpädagogische Abstinenz.“

Einig waren die Diskutanten darüber, dass Medienkompetenz in erster Linie in Schulen und bei anderen Bildungsträgern vermittelt werden müsse. „Bislang werden Lehrer in ihrer Ausbildung nur am Rande mit Medienkompetenz konfrontiert“, bemängelte Paul D. Bartsch von der Hochschule Merseburg. Harald Gapski, Referent beim Grimme-Institut, rief dazu auf, die knappen Ressourcen zielgenau einzusetzen: „Wir versuchen, Multiplikatoren anzusprechen, ihnen die Informationen zur Verfügung zu stellen.“ So bewegte sich die Debatte insgesamt im Spannungsfeld zwischen Verantwortlichkeiten, Strukturen, möglichen Maßnahmen und dem Austausch brauchbarer Ideen.

Quelle: newsropa.de, http://www.newsropa.de/index.php?id=115&tx_ttnews[tt_news]=18251&tx_ttnews[backPid]=7&cHash=9a4e86323d