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Demokratie / Kinder- und Jugendarbeit

Weimar macht klar: Demokratische Bildung ist nicht wertneutral

Das Logo zur Weimarer Erklärung: WE und die vier Hauptthesen vor einem gelben Hintergrund.
Bild: Weimarer Erklärung

In einer bundesweit bisher einmaligen Aktion haben sich die Weimarer Kultur- und außerschulischen Bildungseinrichtungen gegen den Versuch einer Einflussnahme auf ihre Bildungsarbeit gestellt. In vier Thesen stellen die Unterzeichnenden der „Weimarer Erklärung“ klar, dass Bildungsarbeit auf der Achtung der Menschenrechte, Gewaltenteilung und Rechtsstaatlichkeit beruht und somit niemals „neutral“ sein kann.

Am Mittwoch, den 23. Oktober 2019, wurde in der Europäischen Jugendbildungs- und Begegnuungsstätte Weimar (EJBW) die „Weimarer Erklärung über die Grundlagen und Aufgaben historischer, politischer und kultureller Bildung“ (PDF, 237 KB) unterzeichnet. Diese einmalige Aktion der Weimarer Kultur- und außerschulischen Bildungseinrichtungen richtet sich gegen den Versuch einer Einflussnahme auf ihre Bildungsarbeit.

In der von verfassten „Weimarer Erklärung“ heißt es zu den Gründen: „Die historische, politische und kulturelle Bildung ist aktuell herausgefordert durch die Behauptung, schulische und außerschulische Bildung unterliege einem „Neutralitätsgebot“. Gestellt wird damit die Frage nach den Aufgaben von Bildung in der Demokratie. Als Weimarer Akteure einer demokratischen Bildungsarbeit ist es uns ein Anliegen, dazu eine Weimarer Erklärung über die Grundlagen und Aufgaben historischer, politischer und kultureller Bildung abzugeben.“

Demokratie ist keine wertfreie Veranstaltung

In vier Thesen stellen die Unterzeichnenden klar, dass Bildungsarbeit auf der Achtung der Menschenrechte, Gewaltenteilung und Rechtsstaatlichkeit beruht und somit niemals „neutral“ sein kann. Vielmehr müsse sie überparteilich sein und zum selbstständigen Denken anregen. Grundlage der Bildungsarbeit sei die Freiheit der Wissenschaften, die auch 70 Jahre nach Inkrafttreten des Grundgesetzes und 30 Jahre nach der Friedlichen Revolution geschützt werden müsse.

Prof. Volkhard Knigge von der Gedenkstätte Buchenwald und Mittelbau-Dora erklärte dazu: „Historisch-politische Bildung ist eine elementare Voraussetzung dafür, dass Menschen sich gegen Fake News, autoritäre Gesinnungsprägung und Indoktrinierung wehren können. Nur so kann eine Gesellschaft solidarisch und in Rücksicht auf die Würde und die Bürger- und Menschenrechte aller gestaltet und weiterentwickelt werden.“

Dr. Ulrike Lorenz, Präsidentin der Klassik Stiftung Weimar, ergänzte: „Die Klassik Sitftung Weimar vertritt kulturelle und künstlerische Spitzenleistungen aus fünf Jahrhunderten: Literatur, Philosophie, Kunst. Grundlagen unserer Arbeit sind Humanismus und Aufklärung, Menschenrechte und Demokratie, und man könnte mit Goethe sagen sogar Menschenliebe und Herzensbildung. Und das ist die Grundlage, warum wir die Weimarer Erklärung unterzeichnen“.

Demokratische Bildungsarbeit basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen

Der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Ettersberg, Prof. Dr. Jörg Ganzenmüller, stellte in einem Pressegespräch die Notwendigkeit der wissenschaftlichen Freiheit für die Bildungsarbeit dar: „Die Freiheit der Wissenschaften ist ein hohes Gut in unserer Demokratie. Es kann nicht sein, dass einzelne Politiker darüber entscheiden, welche Aussagen wissenschaftlich sind und welche nicht. Nur die Wissenschaft selbst ist in der Lage festzulegen, was als wissenschaftlich zu gelten hat. Alles andere zerstört die Grundlage wissenschaftlichen Arbeitens.“

Einer der Initiatoren der „Weimarer Erklärung“, Eric Wrasse, pädagogischer Leiter der Stiftung „Europäische Jugendbildungs- und Jugendbegegnungsstätte Weimar“, äußerte sich zu den Hintergründen der Erklärung: „Die Partei Alternative für Deutschland attackiert und diffamiert seit geraumer Zeit bundesweit Träger und Programme der politischen Bildung. Ziel dieser Kampagne ist es, Institutionen und Pädagog*innen einzuschüchtern. So soll im Sinne der AfDParteiideologie
Einfluss auf die Inhalte von Bildungsangeboten genommen werden. Dagegen setzt die Weimarer Erklärung ein deutliches Zeichen für eine selbstbewusste, wertgebundene, überparteiliche und solidarische Bildungslandschaft, die sich ihrer besonderen Verantwortung für den Demokratie- und Menschenrechts-Lernort Weimar bewusst ist.“

Demoktratische Arbeit ist überparteilich

Und Ulrich Dillmann, Leiter des Eigenbetriebes Volkshochschule/mon ami, betonte die Vielfalt und Notwendigkeit überparteilicher kommunaler Bildungsarbeit: „Weimar unterstützt Demokratiebildung in vielen zivilgesellschaftlichen Projekten, unter anderem im Rahmen des „Lokalen Aktionsplans Weimar“. Kommunale Bildungseinrichtungen gehören ebenfalls zum festen Bestandteil der Stadt, wobei die Volkshochschule hier eine besondere Rolle einnimmt. Durch ihre
bundesweite Vernetzung und Arbeit vor Ort setzt sie Eckpunkte in der kultur-/politischen Bildung und stärkt die politische Teilhabe ebenso wie das zivilgesellschaftliche Engagement.“

Hintergrundinformationen

Die „Weimarer Erklärung“ und die daran Beteiligten finden sich auch auf der Internetseite www.weimarer-erklaerung.de, auf der die Möglichkeit besteht, die Erklärung ebenfalls zu unterzeichnen. In Kürze werden dort darüber hinaus die Erstunterzeichnenden ihre Beweggründe für die „Weimarer Erklärung“ in Video-Statements darstellen.

Erstunterzeichnende der „Weimarer Erklärung“ sind unter anderem die Klassik Stiftung Weimar, die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, die Stiftung Ettersberg, das Deutsche Nationaltheater und Staatskapelle Weimar GmbH, die Bauhaus Universität Weimar, das „Haus der Weimarer Republik e.V.“, die Stiftung Europäische Jugendbildungs- und Jugendbegegnungsstätte Weimar, die Volkshochschule Weimar /mon ami, die Weimar-Jena-Akademie Verein für Bildung e.V., die weimar gmbh, die Stadt Weimar sowie die Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar.

Quelle: Stiftung Europäische Jugendbildungs- und Jugendbegegnungsstätte Weimar am 23.10.2019

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