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Inklusion

Studie bescheinigt schlechtere Lernbedingungen für Kinder mit Förderbedarf im Lockdown

Ein Junge mit Behinderung sitzt in einem Klassenraum und schaut auf einen Laptop
Bild: © Olesia Bilkei - fotolia.com

Dies geht aus der Auswertung einer Befragung von fast 2.000 Kindern der Klassenstufen 7 und 8 hervor. Die Befragung wurde als Teil der schulbezogenen Inklusionsstudie INSIDE durchgeführt, die unter anderem am Leibniz-Institut für Bildungsverläufe (LIfBi) beheimatet ist.

Die Bedingungen für das Lernen zuhause während der ersten Schulschließung waren für Schüler/-innen von ganz unterschiedlichen Voraussetzungen geprägt. Inzwischen herrscht Einigkeit darüber, dass sich bestehende Benachteiligungen durch die Schulschließungen weiter verschärft haben. Eine Gruppe ist dabei besonders betroffen, jedoch weitgehend aus dem Blickfeld geraten. Zur Situation von jungen Menschen mit sonderpädagogischen Förderbedarfen liegen bislang nur wenig empirische Befunde vor.

Diese Lücke will das Projekt INSIDE (Inklusion in und nach der Sekundarstufe) verringern. Die Forscherinnen Dr. Cornelia Gresch von der Humboldt-Universität zu Berlin und Dr. Monja Schmitt vom Leibniz-Institut für Bildungsverläufe in Bamberg gehen in einer aktuellen Auswertung der Frage nach, welche Unterschiede es während der Schulschließungen im Frühjahr 2020 beim Lernen und Wohlbefinden zwischen Schulkindern mit und ohne Förderbedarfe gab. Die Daten dafür liefern Selbsteinschätzungen von 1.939 Kindern, die im Rahmen der regulären Erhebungen der Langzeitstudie INSIDE im Herbst 2020 erfragt wurden. 13 Prozent dieser Kinder hatten sonderpädagogische Förderbedarfe. Das Ergebnis ist eindeutig. Inklusiv beschulte Schüler/-innen mit sonderpädagogischen Förderbedarfen haben während der Schulschließungen im Frühjahr 2020 ungünstigere Lernbedingungen erlebt als ihre Mitschüler/-innen ohne solche besonderen Bedarfe. Gleichzeitig aber haben die Kinder, unabhängig von Förderbedarfen, die Zeit der Schulschließung sehr unterschiedlich wahrgenommen.

Präsenzunterricht ermöglicht Teilhabe

Kinder mit sonderpädagogischen Förderbedarfen weisen zuhause häufig eher ungünstige Lernvoraussetzungen auf. Für sie ist das Fehlen von Präsenzunterricht besonders folgenreich, denn die Teilhabe an Bildungsangeboten wird ihnen dadurch erschwert. Hinzu kommt, dass das Homeschooling sich stark von den individualisierten Unterrichtsformaten unterscheidet, die diese Gruppe gewohnt ist. Sie benötigt mehr Motivation, mehr Begleitung und Aufmerksamkeit durch die Lehrkraft und umso mehr das Gefühl, in einer Gemeinschaft zu lernen – Faktoren, die beim Lernen zuhause im Frühjahr 2020 weitgehend weggefallen sind.

Kinder mit Förderbedarf lernten weniger

Wie auch aus anderen Befragungen zum Homeschooling während der Schulschließung hervorging, war die Zeitspanne, die Schüler/-innen mit schulischen Lerninhalten verbrachten, sehr unterschiedlich. Dieses Bild zeigt sich auch in der INSIDE-Befragung. Es gibt sowohl Kinder, die berichteten, in dieser Zeit deutlich weniger für die Schule gearbeitet zu haben, als auch solche, die einen viel größeren Zeitaufwand als zu normalen Schulzeiten angaben. Beim Vergleich der Gruppen mit und ohne Förderbedarfe zeigen sich statistisch bedeutsame Unterschiede. 18 Prozent der Schüler/-innen mit Förderbedarfen gaben an, viel weniger gearbeitet zu haben. Bei den Mitschüler(inne)n ohne Förderbedarfe machten diese Aussage nur 11 Prozent.

Noch deutlicher wird dieser Unterschied bei der Frage, in welchem Umfang die Aufgaben bearbeitet wurden, die von der Schule zur Verfügung gestellt wurden. 17 Prozent der Kinder mit Förderbedarfen gaben hier „keine“ oder „wenig“ an (im Vergleich zu 8 Prozent bei der Gruppe ohne Förderbedarfe). Bei der Arbeitsumgebung ist auffällig, dass Kinder mit Förderbedarfen weniger oft einen Zugang zu Druckern hatte, aber häufiger von Personen berichteten, die auf die Erledigung der Aufgaben achteten.

Schulschließung beeinflusst auch Wohlbefinden

Die Forschenden fragten die Kinder auch, wie es ihnen während der ersten Schulschließung insgesamt ging. Die Antworten ergeben ein heterogenes Bild. Auffällig ist, dass Kinder mit Förderbedarfen signifikant häufiger extreme Empfindungen („überhaupt nicht gut“ oder „sehr gut“) angaben. Insgesamt sehen die Forscherinnen Gresch und Schmitt Kinder mit sonderpädagogischen Förderbedarfen beim Lernen zuhause benachteiligt:

„Sie hatten zusätzlich zu den bestehenden Herausforderungen teilweise ungünstigere Lernbedingungen und verbrachten auch weniger Zeit mit Lernen. Wir sehen hier die Befunde anderer Studien bestätigt, dass Ungleichheit durch fehlenden Präsenzunterricht weiter verstärkt wird“, so Cornelia Gresch.

Weitere Informationen

Der vollständige Bericht (PDF) ist auf der Homepage des Leibniz-Instituts für Bildungsverläufe zu finden.

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